Lenninger Tal

Mit Kümmel gegen den Wind

Mit Kümmel gegen den Wind
Mit Kümmel gegen den Wind

Lenningen. Zwar war auf den Wiesen oberhalb der Schlatterhöhe vom Echten Kümmel nur wenig zu sehen – die Mähmaschinen waren

wenige Tage zuvor über die Wiesen gefahren – dafür gab es bei einer Wanderung des Naturschutzzentrum Schwäbische Alb vom Botaniker Dr. Niels Böhling und dem Apotheker Dr. Christoph Miller umso mehr über den Kümmel zu hören: Der Echte Kümmel oder Wiesenkümmel – sein botanischer Name lautet Carum carvi, ist „ziemlich früh als Gewürz und Heilpflanze zu uns gekommen und ist seit der Jungsteinzeit als Arzneipflanze bekannt“, erzählt Böhling. 2016 wurde er zur Arzneipflanze des Jahres ernannt. Der Doldenblütler ist eine zweijährige Pflanze, die von April bis August ihre kleinen weißen bis rosafarbenen Blüten zeigt. In der Medizin Verwendung finden die kantigen, braunen Früchte, die drei bis sechs Millimeter lang sein können. In dem darin enthaltenen ätherischen Öl befindet sich der Hauptwirkstoff Carvon, der dem Carum Carvi auch den typischen Duft verleiht.

Im Tee verwendet, sollten ein bis zwei Teelöffel der Kümmelfrüchte in einem Mörser kurz angestoßen werden. Dies setzt die ätherischen Öle frei. Anschließend mit heißem Wasser übergießen. Die „beste Wirkung hat der Kümmelschnaps“, erzählt der Kirchheimer Dr. Christoph Miller schmunzelnd. Aber auch während der Stillzeit leistet der Echte Kümmel gute Dienste, weiß er: „Zu gleichen Teilen mit Anis und Fenchel gemischt und als Tee getrunken, regt dies den Milchfluss an.“

Seit jeher gilt Kümmel als blähungsverhindernd. Er wird bei Magen-, Darm- und Verdauungsproblemen angewendet, wirkt krampflösend und appetitanregend. Auch bei Säuglingen und Kleinkindern entfaltet der Kümmel seine blähungsmindernde und krampflösende Wirkung. Dann sollte es äußerlich als Kümmelöl angewendet werden. Dazu werden „ein bis zwei Tropfen Kümmelöl mit der zehnfachen Menge an Olivenöl gemischt, auf das Bäuchlein gegeben und verrieben“, erläutert Miller. Auch in der Küche findet Kümmel als Gewürz seine Berechtigung. Oft wird er schwer verdaulichen Gerichten beigemischt, wie zum Beispiel Kohlgerichten, oder er ist in Käse und Brot zu finden.

Wer selbst losziehen möchte, um den Wiesenkümmel zu sammeln, sollte die Pflanze sicher kennen. Sie kann mit der Hundspetersilie, ebenfalls ein Doldengewächs, verwechselt werden. Allerdings „ist die Hundspetersilie keine Wiesenpflanze. Sie kommt in Hackkulturen wie in Kartoffelbeeten vor“, erzählt Böhling.

Auch wenn bei der zweistündigen Wanderung über die Schwäbische Alb nur wenig vom Kümmel zu sehen war, gab es einige andere Heilpflanzen zu entdecken. Die Schafgarbe beispielsweise, die ebenfalls bei Beschwerden im Magen-Darm-Bereich Abhilfe schaffen soll oder äußerlich zur Wundheilung beiträgt. Oder der Spitzwegerich, der bei Mückenstichen sowie der Wundheilung hilft und Husten lindert.

Oder das Johanniskraut mit seinen sonnengelben Blütenblättern. „In der Heilkunde wirkt Hypericum als mildes Antidepressiva“, weiß Miller. Allerdings macht es die Haut, äußerlich und innerlich verwendet, lichtempfindlicher. „Die Einnahme von Johanniskraut-Tabletten erhöht die Leberenzyme, die dafür sorgen, dass Medikamente schneller abgebaut und in ihrer Wirkung vermindert werden“, verweist der ehemalige Apotheker auf Untersuchungen.

Eine Heilpflanze, die schon in kleinen Mengen sehr giftig wirkt, ist die Herbstzeitlose oder Colchicum autumnale. „Fünf Gramm der Samen sind bei Erwachsenen und 1,5 Gramm bei Kindern tödlich“, warnt Miller. In der Heilkunde wird Colchicum etwa bei Gicht verwendet. „Die Dosis muss vom Arzt eingestellt werden, um die gewünschte Wirkung zu erreichen“, weiß der einstige Apotheker.

Die Arzneipflanze des Jahres wird übrigens jedes Jahr vom „Studienkreis Entwicklungsgeschichte der Arzneipflanzenkunde“ an der Universität Würzburg gewählt.

Fotos: Cornelia Wahl

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