Lenninger Tal

Mit Mörike auf Tauchfahrt

Veranstaltung Im Rahmen der Reihe „Faszination Wasser“ spielen Eduard Mörike und der Blautopf beim Lenninger Schlössle die Hauptrolle. Eine vergnügliche Lesung mit Musik. Von Andrea Barner

Mit Mörike auf Tauchfahrt. Foto: Günter Kahlert

Das kann ja heiter werden. Im Hof des Lenninger Schlössles treffen sich der „Herr Mörike“ und eine Wassernixe zu einem humorvollen Zwiegespräch. Das Wetter ist warm, aus dem literarischen Abend wird eine Open-Air-Veranstaltung. Vom Hof des Schlössles schweift der Blick über Oberlenningen Richtung Wielandstein, die langsam untergehende Sonne taucht die ganze Gegend in stimmungsvolles Licht. Ein wundervolles Ambiente für den Biedermaier-Poeten und seine „Historie von der schönen Lau“.

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Der eckige Kirchturm von St. Martin prägt die Aussicht mit und just in dem Moment, als der Liederkranz Schopfloch die berühmte „Launige Forelle“ von Franz Schubert anstimmt, meldet er sich mit lautstarkem Abendläuten zu Wort. Macht nix, so viel Zeit muss sein. Der „Herr Mörike“ kann da nur schmunzeln. Bernd Löffler, Zweiter Vorsitzender des Fördervereins Schlössle, und Ev Dörsam, Leiterin der Bücherei, als „Lau“ treiben die Besucher zur Einstimmung erst mal mit folgendem Zungenbrecher an den Rand des Wahnsinns: „S leit a Klötzle Blei glei bei Blaubeira, / glei bei Blaubeira leit a Klötzle Blei.“ Das muss man den beiden erst mal nachmachen! Die meisten Zuschauer schaffen den Spruch höchstens einmal, wenn überhaupt.

Um die Verhältnisse mal klar- zurücken: Eduard Mörike wird mitunter als bester deutscher Lyriker nach Goethe bezeichnet. In seinem Brotberuf als Vikar und Pfarrer war er in Owen, Ochsenwang, Ötlingen und Nürtingen tätig - aber unstet und ungern, denn im Kopf hatte er eigentlich nur Gedichte und Erzählungen. Pfarrer war er nur notgedrungen geworden, vermutlich weil die Familie wollte, dass er einen anständigen Beruf erlernt. „Zu Oberlenningen habe ich eine geheime Beziehung“ erzählt er durch Bernd Löffler. „Noch heute werde ich rührselig, wenn ich dran denke, dass ihre Füßchen dort unten die Marktstraße berührt haben! Meine erste große Liebe Luise Rau hat nämlich später den hiesigen Pfarrer geheiratet und hier gelebt.“ Es geht das Gerücht, dass der Name „Lau“ damit zusammenhängt: das „L“ für Luise und das „au“ aus ihrem Nachnamen. Könnte allerdings auch eine Erfindung von Bernd Löffler sein . . .

Die „Historie der schönen Lau“ ist ein Kapitel aus Eduard Mörikes Bestseller „Das Stuttgarter Hutzelmännlein“. Auf der Suche nach einem magischen Bleiklötzchen, das unsichtbar macht, wandert der Schuster Seppe auf seiner langen Reise auch zum Blautopf. In diesem unendlich tiefen und dunkelblauen See lebt die Wassernixe Lau. Erst wenn si e fünf Mal herzlich gelacht hat, darf sie nach Hause zu ihrem Gatten, einem Wasserkönig im Schwarzen Meer. Mithilfe der Gastwirtin Berte und deren Kindern lernt Lau das Lachen, ihr Mann holt sie nach Hause, sie bekommt bald ein Baby, Happy End! Und der Seppe findet das Klötzle Blei in einer Felsspalte ganz in der Nähe des Blautopfs.

Ev Dörsam und Bernd Löffler lesen abwechselnd Szenen aus Eduard Mörikes Historie vor, das Publikum lauscht gebannt. Die Fantasy-Geschichte wurde 1853 veröffentlicht, die Sprache des Schriftstellers ist manchmal schwer verständlich. Das Duo vom Schlössle hat sich was einfallen lassen: es gibt „Untertitel“ für seltsame Worte wie etwa „glusam“, „Küllhasen“ oder „ferndig“. Auf handgeschriebenen Tafeln halten Löffler und Dörsam die heutigen Bezeichnungen für alle sichtbar in die Höhe: „kuschelig“, „Kaninchen“, „vergangenes Jahr“ steht da zum Beispiel geschrieben.

Zwischen den Szenen singt der Liederkranz Schopfloch. Die Damen und Herren haben nur ein einziges Lied mitgebracht, das aber in sechs Variationen. Passend zum Thema Unterwasserwelt und Nixe singen sie die „Launige Forelle“, ein klassisch-romantisches Stück von Franz Schubert. Der österreichische Musiker Franz Schöggl hat es scherzhaft, aber überaus erfolgreich im Stil anderer Komponisten umgeschrieben. Da wird die Schubert-Forelle zur „Kleinen Nachtforelle“ (Mozart), zur Forelle nach Wiener Art im Walzertakt oder zur „Wolga-Forelle“. Chorleiterin Sophie Stierle spricht von „Soundalikes“. Das macht Spaß und der Liederkranz trägt die Stücke perfekt und mit todernster Miene vor. Die Zuschauer amüsieren sich prächtig.