Lenninger Tal

„Müssen Standort weiterentwickeln“

Scheufelen Die Gemeinde Lenningen kauft Flächen auf und möchte an der Bundesstraße weiteres Gewerbe ansiedeln. Bürgermeister Michael Schlecht macht sich für ein Forschungsinstitut stark. Von Anke Kirsammer

Der geschotterte Scheufelen-Parkplatz ist meist verwaist. Die Gemeinde kauft diese Fläche und weitere Grundstücke Richtung Sport
Der geschotterte Scheufelen-Parkplatz ist meist verwaist. Die Gemeinde kauft diese Fläche und weitere Grundstücke Richtung Sporthalle, um Bauplätze für Gewerbebetriebe zu schaffen.Foto: Jean-Luc Jacques

Die Meldung, dass die Firma Scheufelen die Produktion mit 100 Mitarbeitern wieder aufnimmt, sorgt nicht nur in der Bevölkerung, sondern auch im Lenninger Rathaus für Aufatmen. „Ich habe immer gesagt, es würde mich freuen, wenn es mit Graspapier weiterginge“, sagte Bürgermeister Michael Schlecht im Gemeinderat. „Der Investorenpool ist erstaunlich.“ Trotz des Neustarts ist für den Rathauschef klar: Der Standort muss auch anderweitig weiterentwickelt werden. Konkret kann er sich auf dem Areal ein „Technikum Laubholz“ vorstellen, das Arbeitsplätze für teils hoch qualifizierte Arbeitskräfte mit sich brächte. „Es wäre eine gute Ergänzung zur Graspapier-Produktion“, so Schlecht. Erste Gespräche mit dem Grünen-Abgeordneten Andreas Schwarz hat er geführt, außerdem will er mit dem CDU-Abgeordneten Karl Zimmermann sowie mit dem Landwirtschaftsministerium reden. Der Bürgermeister erhofft sich von einem solchen Forschungszentrum im Biosphärengebiet einen Mehrwert nicht nur für Lenningen, sondern für den ganzen Landkreis. „Das könnte helfen, dass der Standort nicht bei jedem Husten gefährdet ist.“

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Unter den Nägeln brennt Schlecht nach wie vor das Thema „Flächenpotenzial“. Er möchte mit der Scheufelen-Grundstücks­gesellschaft über ein Gesamtkonzept für das Areal sprechen. Dazu gehört die Überlegung, welche Flächen auf den Markt geworfen werden könnten. „Wenn der Eigentümer nicht mitmacht, passiert allerdings wenig.“

Nägel mit Köpfen macht die Gemeinde nun talabwärts auf der rechten Seite der Bundesstraße: Sie erwirbt von der Grundstücksgesellschaft 7 672 Quadratmeter. Dazu gehören der Schotterparkplatz, ein Teil der dahinterliegenden Fläche, auf der früher der Kohlebunker stand, und Felder bis zum Parkplatz der Sporthalle. Zwischen dem geschotterten Parkplatz und dem Pouilly-Platz gehören der Gemeinde bereits 3 268 Quadratmeter. Ein Streifen ist noch in Privatbesitz. Auf den Eigentümer möchte die Gemeinde zugehen. „Insgesamt haben wir dort dann 1,1 Hektar Gewerbeflächen in sehr guter Lage“, erklärte Schlecht. Um Firmen die Ansiedlung zu ermöglichen, sind ein Tausch mit der Gewerbeentwicklungsfläche „Himmelreich“ und ein Bebauungsplanverfahren nötig. Die Gemeinde sei bestrebt, für den ganzen Bereich zwischen dem Scheufelen-Verwaltungsgebäude und den Parkplätzen an der Sporthalle ein Gesamtkonzept zu erstellen, sodass sich auf drei Hektar Gewerbe ansiedeln könnte.

Andreas Schwarz zum „Technikum Laubholz“

Aufgrund des Klimawandels prägen künftig standortgerechte Laubhölzer den Forst, erklärt der Kirchheimer Landtagsabgeordnete und Fraktionschef der Grünen im Landtag Andreas Schwarz. Bereits im Koalitionsvertrag der grün-schwarzen Landesregierung sei verankert, dass die Forschung gebündelt werden soll, um innovative, hochwertige Produkte aus Laubholz zu entwickeln. Dazu soll das „Technikum Laubholz“ eingerichtet werden. Schwarz nennt beispielhaft das Verflüssigen von Holz als Ersatz für Erdöl. „Das muss nun im größeren Maßstab ausprobiert werden.“

Für die Ansiedlung des Instituts sucht das Land innovative Firmen. „Scheufelen ist ein traditionsreiches und mit dem Graspapier hochinnovatives Unternehmen und würde daher sehr gut passen, hebt Andreas Schwarz hervor. „Bisher sind das Überlegungen. Entschieden ist noch nichts. Scheufelen und die Gemeinde Lenningen haben dabei weiterhin meine volle Unterstützung.“ank