Lenninger Tal

Musik mit der „Handpfanne“ machen

Unikat Das Duo „Opsilon“ zeigt in Unterlenningen mit selbst gemachten Handpans, wie meditative Klänge auf den Körper wirken. Von Gabriele Böhm

Rafael Sotomayor und Kate Stone versetzen mit ihren Instrumenten das Publikum in Entspannung. Foto: Gabriele Böhm
Rafael Sotomayor und Kate Stone versetzen mit ihren Instrumenten das Publikum in Entspannung. Foto: Gabriele Böhm

Es sieht aus wie ein doppelter Wok oder ein Ufo mit etwa einem halben Meter Durchmesser. Die metallisch in Kupfer- oder Silbertönen schimmernde Oberfläche mit Vertiefungen lässt aber auch an etwas denken, das bei einer archäologischen Grabung zum Vorschein gekommen ist.

Die Besucher des Bürgerhauseses Unterlenninger lernten ein noch wenig bekanntes Instrument kennen. Das Duo „Opsilon“, Kate Stone und Rafael Sotomayor, stellte mit der Handpan, der „Handpfanne“, ein Blechklangins­trument vor, das erst vor rund 20 Jahren entwickelt wurde. Die beiden Musiker aus Süßen spielen es nicht nur in Perfektion, sondern stellen es auch selbst her.

Dass sich mit der Musik auch eine Philosophie verbindet, erläuterte das Duo gleich zu Beginn. „Beim Spielen geben wir alles, was wir haben. Es ist unsere Sprache“, sagte Rafael Sotomayor. Sehr wichtig bei dieser Art von meditativer Musik sei die Verbindung der Musiker zum Publikum. „Ist es okay, wenn wir uns duzen?“, fragte Kate Stone. Und damit es noch gemütlicher wurde, dimmte man auch die Beleuchtung herunter.

Mit den Handpans auf den Knien schlugen die Musiker die ers­ten Töne an. Die Finger klopften auf eingetiefte Felder und brachten Töne hervor, die am ehesten an Harfen erinnerten. Die Bereiche zwischen den Feldern dienten der Percussion, der rhythmischen Begleitung. Eine rasche, irisch anmutende Melodie erklang.

Die Klänge auf der selbstgebauten Handpan sind meditativ. Foto: Garbriele Böhm
Die Klänge auf der selbstgebauten Handpan sind meditativ. Foto: Garbriele Böhm

Das Publikum erfuhr, dass jedes Feld auf einen exakten Ton gestimmt ist, der jeweils von zwei Obertönen auf der Quinte und der Oktave begleitet wird. „Diese haben einen Wohlfühleffekt“, erläuterte Kate Stone, Ärztin mit Fachgebiet Neurologie. Daher auch das Gefühl, dass die Stücke nicht nur über die Ohren, sondern mit dem gesamten Körper aufgenommen werden. Zunehmend würden Handpans auch therapeutisch eingesetzt.

Entstanden sind die Kompositionen der beiden in Chile, der Heimat von Rafael Sotomayor, in Indien oder in Schottland. „Wanderlust“ mit flotten, vorwärtsschreitenden Tönen brachte dieses Unterwegssein zum Ausdruck. Mal verbreitete sich südamerikanisches Flair, mal indische Sitar-Akustik, unterstützt von der quer gespielten Bansuri-Rohrflöte. „Golden Hour“ mit flirrend hellen Tönen ließ die Sonne aufglühen.

Wie am abnehmenden Geräuschpegel im Saal spürbar wurde, begann sich das Publikum tatsächlich immer mehr zu entspannen. Doch war es wieder hellwach, als es Fragen stellen durfte, zum Beispiel nach der Anfertigung. Rafael Sotomayor stellt die Instrumente selbst her. Dazu wird Stahlblech in die Form einer Halbschale gepresst, die Oberfläche veredelt, jeder Ton mit dem Hammer „eingedellt“. Zum Schluss erfolgt der Brand. Klingt einfach, doch es ist extrem schwer, die Obertöne in den richtigen Frequenzen herzustellen. Jedes Stück ist ein Unikat.

Ihren Ursprung haben die „Opsilon“-Handpans in der sehr ähnlichen Hang, dem Gatham, dem Gong und der Steel Drum. Die Lautstärke des Instruments ist variabel. Drückt man auf das Blech, entstehen ein Vibrato oder Glissando. Streicht man mit der Handfläche darüber, ergibt sich ein beruhigendes Rauschen. „Jeder kann das Instrument lernen“, sagte Kate Stone. Die älteste Teilnehmerin eines ihrer Workshops ist 88 Jahre alt und schreibt fast täglich per Internet über ihre Fortschritte.

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