Lenninger Tal

Mut zu krummen Dingern

Owen will seine Spielplätze erneuern: Immer gleiche Geräte könnten natürlichen Materialien weichen

Die Spielplätze der Stadt sind zwar rundum in Ordnung, doch ein Freiraumplaner hat in Owen eine Vision. Wie weit der Gemeinderat gehen will, ist unklar.

Im Owener Norden sind sich Sport- und Spielplatz sehr nah. Würde man beides verbinden, könnte der Ort attraktiver werden. Foto:
Im Owener Norden sind sich Sport- und Spielplatz sehr nah. Würde man beides verbinden, könnte der Ort attraktiver werden. Foto: Ralf Just

Owen. Sich biegende Balken, hölzerne Schaukeln, Stämme und Äste zum Balancieren: Moderne Spielplätze bestehen längst nicht mehr aus einem tristen Sandkasten und ein paar Bänken drum herum. Vielmehr sollen sie zum Experimentieren einladen und gerne etwas krumm und natürlich sein. „Spiellandschaft“ nennen Freiraumplaner diese Steigerung des klassischen Spielplatzes. Einer von ihnen, Jörg Sigmund vom Grafenberger Büro Freiraumplanung Sigmund, würde in Owen gerne einen Hauch Moderne in die Spielwelt bringen. Er wurde von der Stadt beauftragt, ein Konzept zu entwerfen. Ob der Gemeinderat mit seinen Vorstellungen mitzieht, ist noch nicht entschieden.

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Tatsache ist nämlich: Eigentlich ist alles in Ordnung auf den Owener Spielplätzen. Die Menge stimmt, die Geräte funktionieren, und auch am Unterhaltungswert hat Sigmund nichts zu bemängeln. Die meisten Owener müssen nur wenige Hundert Meter laufen, um zu einem der Plätze zu kommen. Das soll auch in Zukunft so bleiben. Trotzdem sieht der Freiraumplaner Luft nach oben. „Im Moment sind fast alle Spielplätze für kleine Kinder. Ein Mehrgenerationenspiel gibt es nicht“, bemängelt Sigmund. Aus dem, was schon da ist, könne man weit mehr machen.

Er hat eine Vision für Owen. Diese sieht an beiden Ortseingängen besondere Spielstätten vor. Im Norden will das Grafenberger Büro den bestehenden Spielplatz besser mit dem Sportplatz verknüpfen und Aktivitäten für alle Generationen schaffen – beispielsweise mit Trimm-dich-Geräten. Im Süden, zwischen Lauter und Kleiner Lauter, sieht er Potenzial für einen Abenteuerspielplatz mit Bezug zum naheliegenden Fluss. Dort könnte eine Landschaft aus Spielgeräten entstehen, die sich an die umliegende Natur anschmiegen. Ein Plan, dessen Umsetzung eher in die nächsten fünf bis zehn Jahren anzusiedeln wäre – aber ein Plan. In noch fernerer Zukunft könnten sich die natürlichen Elemente wie ein roter Faden durch fast alle Owener Spielplätze ziehen.

Grundsätzlich kann nach Einschätzung des Freiraumplaners der Rest der Standorte erstmal so bleiben wie er ist (siehe Info-Kasten). An einigen Spielplätzen wären mit kleinen Details Verbesserungen möglich: So würden Spielelemente an der Mauer am Rotlehenweg den Weg zum Spielplatz aufhübschen – „Entlangspielen“ nennt das der Freiraumplaner. Außerdem fehlen auf den meisten Spielplätzen Geräte für Erwachsene gänzlich: schade, aber kein Muss. Die Frage nach den Kosten des Projekts bleibt nach der Vorstellung des ersten Entwurfs im Gemeinderat erstmal unbeantwortet – ein Umstand, der auch viele Räte nach erster Begeisterung zweifelnd stimmt. Als Einziger stellte Gemeinderat Jochen Eber­hardt das Projekt an sich infrage: Für ihn hat der Sportplatz, auf dem man im Moment nicht einmal Bundesjugendspiele veranstalten kann, eine höhere Priorität als Spielplätze, die eigentlich so weit in Ordnung scheinen.

Falls sich der Gemeinderat gegen die große Lösung und die beiden Visionen Jörg Sigmunds entscheidet, gibt es für Verena Grötzinger noch eine Alternative: Warten bis einzelne Geräte den Geist aufgeben und die Owener Spielplätze so Stück für Stück in modernere Orte verwandeln. So bliebe der Kommune eine Rieseninvestition in den nächsten Jahren erspart.

Der Gemeinderat hat beschlossen, dass die Bestandsaufnahme über die Owener Spielplätze im Herbst in einer großen Runde mit anderen Beteiligten vorgestellt und diskutiert werden. Dann wird über das weitere Vorgehen entschieden.

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Rotlehenweg: Am Rotlehenweg gibt es eine offene Spielfläche am Fußweg mit Spielmöglichkeiten für Kinder und Kleinkinder. Gut: Sehr zentral. Vorschlag: Benachbarte Mauer beim Spielen mit einbeziehen. Schmiedsacker: Mit 850 Quadratmetern liegt am Schmiedsacker der Koloss unter den Owener Spielplätzen. Kein Wunder, dass er oft gut besucht ist. Auch an Spielmöglichkeiten mangelt es nicht. Gut: Bäume, Sträucher und Natursteinmauern werden mit einbezogen. Vorschlag: Fitnessgeräte für Ältere bei der Teckhalle. Hinter der Steige: Von Einfamilienhäusern eingerahmt bleibt am Spielplatz Hinter der Steige nicht so viel Platz. Außerdem gibt es kaum Schatten. Gut: Nach hinten ist der Platz zur Landschaft geöffnet. Vorschlag: Auch hier könnten Fitnessgeräte Spaziergänger anlocken. Rooschüzweg: Am Rooschüzweg am westlichen Rand der Gemeinde gibt es einen relativ großen Spielplatz: Auf 400 Quadratmetern können sich Kinder zwischen Kletterkombi, Rutsche und Schaukel austoben. Gut: Hügel lädt zum Toben ein. Vorschlag: Pflegen und Vergrößern. Mörikeweg: Weniger attraktiv erscheint der kleine Spielplatz am Mörikeweg. Mittags gibt es kaum Schatten bei den Spielgeräten. Außerdem könnte der Lärm die Nachbarn stören. Gut: Picknicktisch. Vorschlag: Aufgeben und Geld in andere Orte investieren. Rathausplatz: Der kleinste Owener Spielplatz befindet sich vorm Rathaus. Dort gibt es auf 100 Quadratmetern lediglich ein Wipptier und eine kleine Rutsche. Kein großer Unterhaltungswert, trotzdem nett zum Sitzen. Gut: Lage und Stimmung. Vorschlag: Erhalten. Sportplatz: Am Owener Sportplatz gibt es einen großen, belebten Spielplatz für Kinder und Kleinkinder. Gut: Hügelige Rasenfläche formt verschiedene Spielräume. Vorschlag: Verbindung zum Sportplatz herstellen. mona