Lenninger Tal

Nein zur Gemeinschaftsschule

Bescheid Die Lenninger Werkrealschule bekommt kein Okay für die Umwandlung. Rektor Erich Merkle möchte an pädagogischen Konzepten festhalten und eine Alternative zur Realschule bieten. Von Anke Kirsammer

An der Oberlenninger Tobelstraße bleibt alles beim Alten. Die Werkrealschule geht im Sommer entgegen der Planung des Kollegiums
An der Oberlenninger Tobelstraße bleibt alles beim Alten. Die Werkrealschule geht im Sommer entgegen der Planung des Kollegiums nicht als Gemeinschaftsschule an den Start.Archiv-Foto: Jean-Luc Jacques

Die Werkrealschule in Oberlenningen darf im nächsten Schuljahr nicht als Gemeinschaftsschule an den Start gehen. Das hat das Schulamt Nürtingen nach einem Besuch beschlossen. Entsprechend groß ist die Enttäuschung von Rektor Erich Merkle. „Das Kollegium möchte die pädagogische Entwicklung dennoch fortsetzen“, betont der Schulleiter. Zwar hatte Merkle mit einem anderen Bescheid gerechnet. Dennoch kann er ihn in Teilen nachvollziehen. In einer Gemeinschaftsschule müsste beispielsweise noch genauer geschaut werden, wo ein Schüler gerade steht, um ihn zum nächsten Schritt zu führen.

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Viel Zeit hatte das Kollegium verwendet, damit es mit der Umwandlung zum Schultyp neuer Prägung klappt. Da zu einer Gemeinschaftsschule Ganztagsunterricht gehört, haben die Klassen 5 bis 7 bereits dreimal Nachmittagsunterricht. Unter dem Stichwort „Lerncoaching“ bekamen die Schüler regelmäßig Hinweise dazu, wie sie ihr Lernen verbessern können. Die Einführung des kooperativen Lernens und des Lernbüros sind weitere gemeinschaftsschultypische Elemente, die die Schule schon umsetzt.

Wie es mittel- und langfristig um die Zukunft der Werkrealschule bestellt ist, hängt wohl vor allem von den Anmeldezahlen ab. Derzeit drücken 17 Fünftklässler an der Tobelstraße die Schulbank. Im September 2015 starteten noch 24. Davor war die Werkrealschule zweizügig. Ob sie auf längere Sicht besteht, entscheiden gemäß Merkle Gemeinde und Schulamt zusammen. Die magische Zahl ist die 16. Werde diese Hürde bei den Anmeldungen zweimal hintereinander nicht erreicht, denke man über den Fortbestand einer Schule nach. Inwiefern die Regelung, dass künftig auch an Realschulen ein Hauptschulabschluss gemacht werden kann, Schüler kostet, ist für Merkle offen. Unbekannte sind für ihn Stichworte wie Inklusion und Flüchtlingskinder. Zudem habe auch die Werkrealschule den Auftrag, auf Basisniveau sowie auf mittlerem Niveau zu unterrichten.

Noch ist offen, ob die Gemeinde den Antrag auf Umwandlung in eine Gemeinschaftsschule aufrechterhält. Wie mit dem Bescheid des Schulamts umzugehen ist, wird Bürgermeister Michael Schlecht mit dem Gemeinderat diskutieren. Der Rathauschef bedauert die Entscheidung der Behörde: „Das wird dem Bemühen der Werkrealschule nicht gerecht“, so der Rathauschef. „Eine Gemeinschaftsschule wäre eine große Chance für den Schulstandort gewesen.“ Die Gemeinschaftsschule als gebundene Ganztagsschule und die Realschule mit einem etwas höheren Leistungsgrad hätten Charme gehabt. Schlecht wertet den Beschluss des Schulamts auch vor dem politischen Hintergrund, wonach Regierungspräsidium und Ministerium angekündigt haben, nicht mehr viele Gemeinschaftsschulen zu genehmigen. „Da werden die Zügel bei der Überprüfung angezogen.“