Lenninger Tal

Neue Herausforderung Inklusion

Hauptübung der Freiwilligen Feuerwehr Abteilung Lenningen in der Lindenschule

Gegen 15.30 Uhr ging bei der Einsatzleitstelle ein Notruf ein. In der Lindenschule in Unterlenningen war Feuer ausgebrochen. Nur wenig später rückten rund 35 Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr Lenningen aus, um im Rahmen ihrer jährlichen Hauptübung den Brand zu löschen.

Bei der Hauptübung der Abteilungen Brucken und Lenningen der Freiwilligen Feuerwehr Lenningen, stellten rund 35 Kameraden ihre S

Bei der Hauptübung der Abteilungen Brucken und Lenningen der Freiwilligen Feuerwehr Lenningen, stellten rund 35 Kameraden ihre Schlagkraft unter Beweis. Foto: Daniela Haußmann

Lenningen. Einsatzleiter Christoph Schmid von der Abteilung Lenningen war als Erster vor Ort. Im Eilschritt erkundete er die Lage. Schnell stellte der Feuerwehrmann fest, dass sich im Erd- und Obergeschoss der Lindenschule noch Schüler befanden, die es zu retten galt. Mit grünen Karten, die die Jugendlichen im unteren Teil des Gebäudes ans Fenster hielten, signalisierten sie, dass sie zwar nicht flüchten konnten, aber die Situation unter Kontrolle ist. Anders sah es im Obergeschoss aus. Dort stachen Christoph Schmid sofort die roten Karten ins Auge. Für den Einsatzleiter war das ein klares Zeichen dafür, dass es in dem Klassenzimmer Verletzte gibt oder Panik ausgebrochen ist. Deshalb war bei ihrer Evakuierung Eile geboten.

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„Im Brandfall gilt, dass die Klassen den rauchfreien Unterrichtsraum nicht verlassen, wenn der vorgesehene Fluchtweg nicht begehbar ist“, erklärte Jürgen Rupp. „In diesem Fall machen sich die Klassen am Fenster bemerkbar.“ Im vergangenen Jahr hatten sich Lehrer und Feuerwehrleute zusammengesetzt und besprochen, was im Brandfall zu tun und welches Verhalten richtig ist, wie der stellvertretende Kommandant der Abteilung Lenningen berichtete.

Unterdessen hatten die Floriansjünger der Abteilungen Brucken und Lenningen bereits die Schläuche ausgerollt, die sie rasch an die Verteiler und Hydranten anschlossen, um die Löschwasserversorgung sicherzustellen. Gleichzeitig wurde ein Drucklüfter aufgestellt, der den Rauch aus dem Gebäude blies. Zu diesem Zeitpunkt hatten sich Kim Gneiting und Michael Schmierer bereits ihre Pressluftatmer über die Schultern geworfen und die Atemschutzmasken angelegt. Als die beiden Atemschutzgeräteträger in das verrauchte Gebäude vordrangen, besaß die Menschenrettung oberste Priorität. Deshalb öffneten sie die Türe von jedem Klassenzimmer und suchten es nach Personen ab.

Dabei stießen sie in einem der Zimmer auf den Grund der Alarmierung, einen brennenden Papierkorb. Seine Position gaben sie über Funk durch. So konnte der Atemschutzgeräteträgertrupp das Feuer rasch löschen, während Kim Gneiting und Michael Schmierer sich weiter der Menschenrettung widmeten. Rund 20 Minuten dauerte es, bis die beiden Kameraden jeden Winkel in den einzelnen Räumen abgesucht hatten. „Einige Türen waren abgeschlossen“, so Michael Schmierer. „Im Ernstfall würden wir die mit einer Brechstange öffnen.“ Die Schüler, die die beiden Floriansjünger fanden, übergaben sie den Einsatzkräften der DRK-Bereitschaft Lenninger Tal, die deren medizinische Versorgung sicherstellten.

Zeitgleich evakuierten drei Angehörige der Werkfeuerwehr Papierfabrik Scheufelen mit ihrer Drehleiter die Schüler aus dem Obergeschoss der Lindenschule. Jochen Mendl betonte, dass die Drehleiter ebenfalls der Eigensicherung von Feuerwehrangehörigen dient. „Ist ein Rückzug durch das Gebäudeinnere nicht möglich, können die Kameraden über die Drehleiter ins Freie gelangen“, erklärte der Kommandant der Abteilung Lenningen. An der Simulation nahm auch ein Mädchen teil, das mit gebrochenem Bein im Rollstuhl saß. „Zwei Feuerwehrleute müssten sie im Brandfall nach draußen tragen“, berichtete Mendl. „Im Zuge der Inklusion an Schulen werden wir uns künftig verstärkt darauf einstellen müssen, dass Schüler beispielsweise Gehbehinderungen aufweisen und wir die Verteilung der Kapazitäten daran ausrichten müssen.“

Der Abteilungskommandant betonte im Rahmen der Übung eindringlich, dass alle öffentlichen Gebäude in Lenningen lediglich mit einem Hausalarm ausgestattet sind. „Die Einsatzkräfte werden also im Notfall nicht automatisch alarmiert“, so Jochen Mendl. „Die Bürger müssen bei einem hausinternen Alarm auf jeden Fall die 112 wählen, damit Hilfe kommt. Das ist vielen nicht bewusst.“

Foto: Daniela Haußmann