Lenninger Tal

Neuer Blickwinkel auf die Alb

Fotoausstellung zum 20-jährigen Jubiläum des Schopflocher Naturschutzzentrums

Das Naturschutzzentrum Schopflocher Alb wird am 3. Juli 20 Jahre alt. Pünktlich zum Beginn der Veranstaltungssaison startet die Einrichtung deshalb mit einer ganz besonderen Ausstellung in ihr Jubiläumsjahr. Unter dem Titel „Die Schopflocher Alb – einmal anders“ präsentieren elf Fotografen 37 Bilder, die die Alblandschaft in neuen Perspektiven und im Wandel der Zeit darstellen.

Rund 60 Besucher erhielten bei der Ausstellungseröffnung im Naturschutzzentrum neue und spektakuläre Einblicke in die Alblandsch

Rund 60 Besucher erhielten bei der Ausstellungseröffnung im Naturschutzzentrum neue und spektakuläre Einblicke in die Alblandschaft. Foto: Daniela Haußmann

Lenningen. Malerisch eingebettet zwischen den Tälern von Lindach und Lauter bietet die Schopflocher Alb ein mannigfaltiges Mosaik verschiedenster Natur- und Lebensräume. Sanfte Kuppen, breite Täler, ausgedehnte Wälder, schroffe Felsen, eine einzigartige Flora und Fauna –ein reicher Schatz, der in der Sonderausstellung „Die Schopflocher Alb – einmal anders“ nicht nur bildlich festgehalten wurde. Den elf Fotografen, die ihre Bilder bis zum 16. Mai im Naturschutzzentrum präsentieren, ist es gelungen, die ganz eigenen Muster und Stimmungen der Landschaft einzufangen.

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Im Spiel mit Licht und Schatten, natürlichen Effekten, Bewegungen, Farben und Kontrasten sind spektakuläre Fotos entstanden. Bergkuppen heben sich geheimnisvoll aus dem Nebel, ein Gewitter lässt faszinierende Blitze am Nachthimmel aufleuchten, tief verschneite Wälder und Wiesen ziehen den Betrachter in das Bild hinein, und Makroaufnahmen von Distel, Libelle oder Falter schärfen das Bewusstsein für jene Kleinode, die beim Spaziergang durch die Alb­landschaft nur allzu leicht übersehen werden. „Die Motive sind eine Verneigung vor der Schönheit und Vielfalt dieser Landschaft und ihrer Natur“, sagte Dr. Wolfgang Wohnhas bei der Vernissage.

Bereits Mitte des 20. Jahrhunderts habe sich die Schopflocher Alb zu einem stark frequentierten Naherholungsgebiet entwickelt. „Das brachte allerdings auch Belastungen für Landschaft und Natur mit sich“, so der Leiter des Naturschutzzentrums. Daraus sei die Herausforderung entstanden, die Besucher für einen respektvollen Umgang mit der Pflanzen- und Tierwelt zu sensibilisieren. Eine Aufgabe, der sich der Landkreis Esslingen stellte, als er 1989 das erste kreiseigene Naturschutzzentrum Baden-Württembergs auf dem Gelände eines ehemaligen Steinbruchs gründete.

Auch im Jubiläumsjahr sollen Besucher der Einrichtung für einen sorgsamen Umgang mit dem Ökosystem und der Kulturlandschaft der Schopflocher Alb sensibilisiert werden. Susanne Schneider vom Kirchheimer Fotofachgeschäft Photo Schneider, das die Ausstellung zusammen mit dem Naturschutzzentrum organisierte, betonte, dass die 37 großformatigen Fotografien deshalb „keine Schönwetter-Postkarten-Motive“ zeigen. Im Fokus stehe „ein anderer Blick“ auf Breitenstein, Limburg, Bissinger Tal, Reußenstein, Hermelin, Postillion, Gartenrotschwanz oder Küchenschelle. Wer die Ausstellung besuche, stoße auf neue, aber auch verblüffende Perspektiven, spannende Szenen und faszinierende Kompositionen, die zum Innehalten und Nachdenken anregen würden. „Die Fotografien wecken Emotionen, bergen Geheimnisse, die man ergründen möchte, und sie machen Lust darauf, raus in die Natur zu gehen“, sagte Susanne Schneider, die aus rund 400 Einsendungen in nur zwei Wochen die besten 37 Bilder auswählte.

Wolfgang Wohnhas war von den Momentaufnahmen beeindruckt. Manche von ihnen stammen aus den Fünfzigerjahren und öffnen damit das Fenster in eine andere Zeit. Auf einem der Fotos bestellt eine Frau mühevoll ihr Feld mit Rindern, die sie vor den Pflug gespannt hat. „Das sind Bilder, die im Gedächtnis bleiben und die mit Leidenschaft geschossen wurden“, so Wohnhas. „Es sind aber auch Fotos, die die unglaublich vielfältige Naturausstattung der Schopflocher Alb präsentieren.“ So würden an den Albfelsen die seltenen Pfingstnelken und Reliktpflanzen aus der Eiszeit wachsen. Darunter der weißblütige Trauben-Steinbrech und das gelbe Felsen-Hungerblümchen. Außerdem würden in den Felsen vom Aussterben bedrohte Vogelarten wie Uhu, Kolkrabe und Wanderfalke brüten. Die Heckenlandschaften bieten Brutvögeln, wie zum Beispiel dem seltenen Neuntöter, wichtige Rückzugsmöglichkeiten, wie der Leiter des Naturschutzzentrums ausführte

Hubert Natter, der der Ausstellungseröffnung beiwohnte, war von den Exponaten begeistert. Für den 75-Jährigen wurden die Fotos beim Betrachten lebendig. Erinnerungen an Spaziergänge durch das Schopflocher Moor und die dort wachsenden Trollblumen und Orchideen wurden wach. „Die Bilder wecken Emotionen, erzählen Geschichten und machen bewusst, was für eine unglaublich schöne Landschaft direkt vor der Haustüre liegt“, fand Hubert Natter.