Lenninger Tal

Nicht nur Wirte zahlen die Zeche

Händler und Tankstellenbesitzer im Lenninger Tal büßen wegen Sperrung Umsatz ein

Im Lenninger Tal ist es ruhiger als sonst. Der Grund: Die weiträumige Umleitung um Oberlenningen. – Harte Zeiten für manch Gewerbetreibenden.

Händler, Wirte und Tankstellenbesitzer im Lenninger Tal ärgern sich über die Umleitung.Foto: Carsten Riedl
Händler, Wirte und Tankstellenbesitzer im Lenninger Tal ärgern sich über die Umleitung.Foto: Carsten Riedl

Owen/Lenningen. „Schon in Dettingen, im Tiefenbachtal und auf der Alb wird der Verkehr großräumig umgeleitet“, moniert der Owener Adler-Wirt Robert Scheu und macht seinem Ärger darüber Luft, dass die Schilder auch vor seiner Gaststätte anfangs den Eindruck erweckt hatten, als handle es sich um eine Vollsperrung in Oberlenningen. „Damit macht man Geschäfte kaputt“, sagt Scheu. Er begrüßt deshalb die neu angebrachten Sperrschilder nur für Lkw. Sie entschärften das Problem etwas, denn den Hauptumsatz macht die Gaststätte normalerweise mit dem Durchgangsverkehr auf der Bundesstraße 465. „Die Umleitung wird auch Leute treffen, die Kirschen verkaufen“, prophezeit Scheu, der den „Adler“ in Owen seit 40 Jahren in fünfter Generation betreibt und sich nun von seinem Gasthaus trennen möchte.

Auch Scheus Kollege Jürgen Stümpflen vom Gasthaus Krone in Brucken findet es nicht richtig, dass bereits im weiteren Umfeld auf eine Sperrung hingewiesen wird. Stümpflen ist froh, dass er auf seine Stammgäste zählen kann, aber auch er merkt seit dem Start der Bauarbeiten in Oberlenningen, dass Tagestouristen fehlen, weil sie eine andere Route nehmen und nicht durchs Lenninger Tal fahren.

Spürbare Ausfälle verzeichnen auch andere Gewerbetreibende: „Der Durchgangsverkehr beispielsweise aus Schopfloch oder Grabenstetten fehlt komplett“, hat Markus Renz, Chef der Esso-Tankstelle in Unterlenningen, festgestellt. Dagegen fällt der ausbleibende Lkw-Verkehr an seiner Tankstelle nicht so sehr ins Gewicht, weil die meisten Firmen für ihren Fuhrpark eigene Zapfsäulen haben. Als im vergangenen Jahr über Monate vor der Tür der Esso-Tankstelle in Unterlenningen gebuddelt wurde, beliefen sich die Einbußen laut Markus Renz auf 20 Prozent. „Mir kommt es vor, als wären es jetzt noch weniger Kunden“, so der Betreiber. Am Wochenende ist der Rückgang besonders extrem. „Wenn die Ampel richtig eingestellt wäre, könnten auch die Ausflügler in Oberlenningen durch die Baustelle fahren“, so die Überlegung von Markus Renz.

Nach den Pfingstferien war Ralf Schmidt von der MTB-Tankstelle in Oberlenningen noch vorsichtig mit Aussagen. Doch nun schließt er sich seinem Unterlenninger Kollegen an: „Es ist definitiv weniger los.“ Eine deutliche Verkürzung oder eine Bauzeit in zwei Etappen mit einer Pause im Sommer hielte er für wünschenswert, hat aber wenig Hoffnung, dass das realisierbar ist. Um nicht dauerhaft vom Durchgangs- beziehungsweise Ausflugsverkehr abgeschnitten zu sein, fände er es deshalb gut, wenn die noch ausstehenden Straßensanierungen im Lenninger Tal entzerrt wären. Das Autohaus macht indes aus der Not eine Tugend und nutzt die Flaute dazu, die Tankstelle etwas auf Vordermann zu bringen.

Trotz Baustelle nicht beklagen kann sich der Unterlenninger Sulzburghof. Seitdem die Adolf-Scheufelen-Straße in Oberlenningen zum Nadelöhr geworden ist, rufen jedoch zahlreiche Leute an und fragen, ob die Zufahrt zum Hofladen beziehungsweise Café frei ist. Angelika Kuch, die zusammen mit ihrem Mann und den beiden Kindern den Hof betreibt, findet die Beschilderung irreführend. Sie würde sich zusätzliche Hinweistafeln wünschen, die darüber informieren, dass die Ortsdurchfahrten von Owen, Brucken und Unterlenningen frei sind.

Das Problem der Gewerbetreibenden ist bereits im Lenninger Rathaus angekommen, doch sagt Hauptamtsleiter Günther Kern: „Es macht keinen Sinn, Schilder hinzupflastern.“ Kern weist darauf hin, dass die Baustelle auf der B 465 in der Zuständigkeit des Regierungspräsidiums liegt. „Es ist deutlich, dass bis Unterlenningen frei ist.“ Ortskundige wüssten zudem, dass die Hochwangsteige befahrbar sei. Im Übrigen weist der Chef des Hauptamts auf das strikte Durchfahrtsverbot für Lkw über 7,5 Tonnen und Polizeikontrollen hin.

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