Lenninger Tal

„Obstgärten“ sind Kern des Gebiets

Bauplanung Der Lenninger Gemeinderat hat den Sieger im Wettbewerb für den „Lüxen“ in Brucken gekürt. An den verkehrstechnischen Mängeln des Entwurfs muss das Büro noch feilen. Von Anke Kirsammer

Parallel zum Rinnenweg soll am Ortsrand von Brucken ein neues Wohngebiet mit rund 50 Wohneinheiten entstehen. Der Siegerentwurf
Parallel zum Rinnenweg soll am Ortsrand von Brucken ein neues Wohngebiet mit rund 50 Wohneinheiten entstehen. Der Siegerentwurf eines städtebaulichen Wettbewerbs nimmt das Thema Streuobstwiesen auf.Luftbild: Werner Feirer

Nicht der Verkehr, sondern das Zusammenleben soll im „Lüxen“ in Brucken Vorrang haben. Stichstraßen zu drei sogenannten „Obstgärten“, um die sich Häuser gruppieren, zeichnen den Entwurf für das Baugebiet aus. Streuobst, das derzeit den Hang dominiert, hat damit weiterhin Bestand. Erarbeitet wurde das städtebauliche Konzept vom Büro mharchitekten. Den Entwurf der Stuttgarter Planer hat der Lenninger Gemeinderat nun mit großer Mehrheit zum Gewinner eines städtebaulichen Wettbewerbs gekürt. Die Büros Zoll Architekten und die Project GmbH sind damit aus dem Rennen. Bürgermeister Michael Schlecht erklärte noch einmal das Vorgehen: „Wir wollten die bestmögliche Lösung für das nicht ganz einfache Gebiet.“

Eine Herausforderung in dem rund zwei Hektar großen Gelände, das südlich zum Rinnenweg verläuft, ist die rund neun Meter große Höhendifferenz, die es zu überwinden gilt. „Die Hangneigung ist schwierig“, sagte die Freie Architektin und Stadtplanerin Petra Zeese, die den Wettbewerb betreut hatte. „Die drei Büros mussten ringen.“ Während die Vorschläge bei der Dichte nah beieinander lägen - alle schaffen rund 50 Wohneinheiten - seien die Erschließung und die Bautypologien sehr unterschiedlich.

Der Entwurf des Büros mharchitekten sieht drei Zeilen mit kleineren und größeren Gebäuden vor. Einfamilienhäuser haben ebenso ihren Platz wie Doppel- und Kettenhäuser. Deren Satteldächer sind flach geneigt. Erschlossen wird das Gelände über drei mögliche Zufahrtsstraßen. In dem Gebiet selbst soll es Wohn- und Spielstraßen geben. Der Fachberater Professor Mathias Hähnig fand jede Menge Pluspunkte: Ihm gefällt, dass die Grundstücke jeweils eine ähnliche Größe haben, die Gärten Richtung Süden ausgerichtet sind und mit den „Wohnhöfen“ - wie er die öffentlichen Obstgärten nennt - Orte zur Kommunikation und Spielflächen für Kinder entstehen. Genau an diesen Flächen entzündete sich jedoch die Kritik des Freien Verkehrsplaners Christoph Link: „Die Erschließung ist sehr kleinteilig.“ Versorgungsfahrzeuge wie Mülllaster kämen nicht gut durch. Zudem würde die Verkehrssituation mit den dort vorgesehenen Garagen, Zufahrten und Stellplätzen nicht gerade dazu verleiten, zusammenzusitzen. Auch Gemeinderat Karl Boßler sah die drei Quartiershöfe eher problematisch: „Man muss auch an den Schneepflug denken.“ Die Straßen bräuchten eine gewisse Breite. Verkehrsmäßig sage ihm der Entwurf überhaupt nicht zu. Falk Kazmaier sprach sich hingegen klar für das Konzept der mharchitekten aus. Die verkehrstechnischen Probleme ließen sich im weiteren Verfahren klären. Das könne auch bedeuten, ein, zwei Gebäude wegzulassen. „Der Entwurf ist für mich der klare Sieger, weil er städtebaulich runder ist.“ Sein Antrag, lediglich auf die mharchitekten zu setzen, bekam eine Mehrheit von 14 Stimmen. Drei Ratsmitglieder votierten dagegen.

Damit war der Vorschlag der Verwaltung vom Tisch. Michael Schlecht hatte sich dafür ausgesprochen, nicht nur die mharchitekten, sondern auch die Zoll Architekten um eine Überarbeitung ihrer Arbeit zu bitten. Die im Westen geplanten Mehrfamilienhäuser, die sehr steile Gestaltung der neuen Bergstraße und Garagengeschosse, die den Blick aus den gegenüberliegenden Häusern beeinträchtigen, bewogen die Mehrheit des Gremiums jedoch dazu, diesen Plan nicht weiter zu verfolgen.

Suche nach dem optimalen Konzept

Ein Gremium aus den Fachberatern Professor Mathias Hähnig, Freier Architekt, dem Freien Verkehrsplaner Christoph Link, Bürgermeister Schlecht und der Leiterin des Bauverwaltungsamts, Erika Biedermann-Keck, hatte die Entwürfe beurteilt und empfohlen, die Pläne von mharchitekten und Zoll Architekten überarbeiten zu lassen. Vorab hatte die FPZ Zeese Stadtplanung + Architektur die Arbeiten geprüft. Bewertet wurden die Entwürfe, für die die Büros je 10 000 Euro bekamen, unter anderem nach der Erschließung, der Einfügung ins Ortsbild und der Art der Bebauung.ank

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