Lenninger Tal

Orgel glänzt mit neuem Klang

Konzert Thomas Gruel führte die instand gesetzte Mühleisenorgel in der Owener Marienkirche vor. Klanglich überzeugte das renovierte Instrument. Von Gabriele Böhm

Organist Thomas Gruel war beim Konzert auf die Hilfe von Susanne Rall angewiesen.Foto: Gabriele Böhm
Organist Thomas Gruel war beim Konzert auf die Hilfe von Susanne Rall angewiesen. Foto: Gabriele Böhm

Die Freude über die fast neue Orgel war Thomas Gruel deutlich anzumerken. Er präsentierte mit deutscher und französischer Musik den neuen Klang der 1988 gebauten Mühleisenorgel, deren 30 Register 1998 Pfeifen in barocker Stimmung erklingen lassen.

Wie Kirchengemeinderat Dietfried Lustig dem Publikum erläuterte, habe man alle sichtbaren Pfeifen entnommen, gereinigt, gestimmt und wieder eingebaut. Auch Verschleißteile wurden ersetzt. Lustig ließ dabei auch die überzeugende Arbeit der Orgelbau-Firma Schmutz aus Donnstet­ten nicht unerwähnt. Viel Aufwand also, aber es hat sich gelohnt. „Auf jeden Fall“, meinte Thomas Gruel. Abgesehen davon, dass man ja auch ein Auto ab und zu warten lassen müsse, um Wert und Funktion zu erhalten, habe die Orgel auch klanglich gewonnen.

Noch Handarbeit erforderlich

Allerdings sei leider noch nicht alles perfekt. „Die Register kann man manuell bedienen“, sagte der Orgel-Experte, „doch es ist schwierig, die Stäbe während des Spiels zu ziehen. Deshalb gibt es einen sogenannten Setzer, mit dem man die Registrierungen schon vorher festlegen kann. Sie werden dann automatisch angesteuert.“ Aber genau da liegt noch der Haken - dieser Setzer hat noch Aussetzer, so dass man aktuell auf die manuelle Bedienung zurückgreifen muss. Das Konzert sollte dazu beitragen, die fehlenden 8000 Euro zu erzielen, um auch noch dieses Manko auszumerzen.

Wie es aussieht, wenn die Register von Hand gezogen werden müssen, konnten die Gäste beim Konzert erleben. Gruels Assistentin Susanne Rall befand sich permanent auf einer Umlaufbahn um die Orgelbank, um diese Aufgabe zu übernehmen.

Wie schön und ausgewogen der Orgelklang wieder geworden war, zeigte sich bei zwei Stücken des Barockkomponisten Louis Marchand, die geradezu triumphal die Rückkehr der „Königin der Instrumente“ feierten. Ihren glasklaren Klang bewies die Orgel auch bei „Präludium et Fuga pro Organo Pleno“ von Altmeister Johann Sebastian Bach. Gruel glänzte hier mit virtuosem Spiel. Einen ganz anderen Charakter hatte Bachs heitere mehrsätzige Pastorale F-Dur, die zudem eine andere Registrierung erforderte. Mit sichtlichem Vergnügen demonstrierte Gruel die Möglichkeiten seiner Orgel.

Zart erklangen aus der Hochromantik die geistlichen Lieder von Johannes Brahms „O Welt, ich muss dich lassen“ und „Schmücke dich, o liebe Seele“, bevor ­Gruel mit dem „Orgelchoral a-Moll“ von Brahms Zeitgenossen César Franck ein ganzes Spektrum an Gefühlsregungen eröffnete. Die Töne schwollen dramatisch an, wurden von schnellen, flirrenden Passagen abgelöst und verfielen dann wieder in Schwere und Wehmut.

Als Zugabe spendierte Gruel das moderne „L‘amour toujours“ von Gigi D‘Agostino. Auch das ist auf der Orgel möglich. Mit einem anrührenden „Vater unser im Himmelreich“ aus der Sonate Nr. 6 von Felix Mendelssohn Bartholdy wurde das Publikum in einen lauen Herbstabend verabschiedet.

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