Lenninger Tal

Ovationen für grandiose Leistung

Konzert In der Owener Marienkirche haben ein Projektorchester, ein mehr als 40-köpfiger Projektchor und Solisten das Weihnachtsoratorium aus der Feder von Camille Saint-Saëns aufgeführt. Von Gabriele Böhm

Gelungener Auftritt in der Marienkirche: Orchester, Chor und Solisten überzeugten unter der sensiblen Leitung von Thomas Gruel.F
Gelungener Auftritt in der Marienkirche: Orchester, Chor und Solisten überzeugten unter der sensiblen Leitung von Thomas Gruel.Foto: Gabriele Böhm

Nicht das „große“ Weihnachtsoratorium von Johann Sebastian Bach, sondern das „kleine“ von Camille Saint-Saëns stand im Mittelpunkt eines Konzerts am Dreikönigstag in Owen. In der restlos gefüllten Marienkirche präsentierten „Sänger und Musiker aus Owen und nah und fern“ eine grandiose Leistung, die mit stehenden Ovationen belohnt wurde.

Das Konzert begann mit der rein instrumentalen „Suite im alten Stil“ für Streichorchester, Opus 40 von Edvard Grieg. Komponiert hatte er das auch als „Holberg­suite“ bekannte Werk 1884 anlässlich des 200. Geburtstags des dänisch-norwegischen Dichters Ludvig Holberg, der im Barock lebte. In den fünf Sätzen griff Grieg majestätische höfische Tänze dieser Zeit auf, deren unterschiedliche Charaktere das Projektorchester überzeugend herausarbeitete. Unter dem sensiblen Dirigat von Thomas Gruel erklang nach einem temperamentvollen Präludium eine würdevolle Sarabande, eine fröhlich drehende Gavotte und ein Rigaudon mit zärtlich-lieblichen Phrasen und raumgreifenden Schwüngen.

Für das Weihnachtsoratorium kamen Orgel - an ihr saß Thomas Schiemer - und Harfe - gespielt von Agnes Märker - zu den Streichern hinzu. Camille Saint-Saëns hatte für das etwa halbstündige Werk Stellen aus der gesamten Bibel ausgewählt und sie musikalisch belebt. Gesungen wurden die lateinischen Texte von dem über 40-köpfigen Projektchor und den Solisten Christine Herrmann (Sopran), Cecilia Tempesta (Mezzosopran), Antje Tarditi (Alt), Roger Gehrig (Tenor) und Simon Amend (Bariton). Alles fügte sich großartig zusammen. Die Sängerinnen und Sänger hatten zur Sicherheit ihre Noten, sahen jedoch die meis­te Zeit aufmerksam zum Dirigenten und konnten so eine feine Dynamik aufbauen, die durch die gute Akustik der Kirche das Publikum unten im Kirchenschiff und auch auf den Emporen erreichte. Hinzu kamen die fantastischen Stimmen der Solisten, die das Stück auf eine fast mystische Ebene zu heben schienen.

Nach dem Präludium berichteten Chor und Solisten nach der Bibelstelle Lukas 2, 8 - 13 von den Hirten und dem Engel des Herrn in der Geburtsnacht Jesu. Mit einem „Gloria in altissimis Deo“ - „Ehre sei Gott in der Höhe“ - beschloss der Chor den ersten Teil.

Lobpreis Gottes

Die nächsten drei Stücke beschrieben die Menschwerdung Gottes als Antwort auf ein Gebet und enthielten den Lobpreis Gottes. Sozusagen einen Bruch in diesem hoffnungsvollen Geschehen gab es durch das musikalisch umgesetzte wilde Toben der Heiden. Doch, wie Thomas Gruel eingangs erläutert hatte, kommt es nicht zum Kampf. Das machtlose Kind in der Krippe führt zurück zu Harmonie und Frieden.

Im Folgenden kamen erst drei, dann vier und dann die volle Anzahl an Solisten und der Chor zum Einsatz. Mit einem Halleluja wurde die Herrschaft Gottes gepriesen. Das Oratorium endete mit dem bekannten, jubelnden Chorsatz „Tollite hostias“ mit der Botschaft: „Der Himmel freue sich, und die Erde sei fröhlich“.

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