Lenninger Tal

Owen in der Tracht repräsentieren

Kleidung Aus der leidigen Frage „Was ziehe ich heute an?“ ist eine ungewöhnliche Idee entstanden: eine selbst entworfene Tracht speziell für Owen. Die ersten vier Gewänder sind fertig. Von Iris Häfner

Ute Gutekunst-Rudolph, Verena Grötzinger, Andrea Raichle und Ursula Sander (von links) sind die Frauen der ersten Stunde und tra
Ute Gutekunst-Rudolph, Verena Grötzinger, Andrea Raichle und Ursula Sander (von links) sind die Frauen der ersten Stunde und tragen die Owener Tracht. Foto: Jean-Luc Jacques

Auf der CMT kann man nicht nur Ideen für das nächste Reiseziel sammeln, sondern auch was richtig Nachhaltiges ersinnen: die Owener Tracht. „Wir waren gemeinsam auf dem Messestand - und wie immer überlegt man dann: Was ziehe ich an? Da dachte ich, es wäre schön, wenn wir etwas Wiedererkennbares hätten“, erinnert sich Owens Bürgermeisterin Verena Grötzinger an die Geburtsstunde dieses besonderen Kleidungsstücks zurück. Mit Andrea Raichle pries sie damals nicht nur die Owener Sehenswürdigkeiten und den Albtrauf einem breiten Publikum an, sondern stellte erste Überlegungen an, wie das denn umzusetzen wäre. Sie unterhielten sich über Trachten und Dirndl und beim Feuerwehrausflug nach München wurde es dann konkreter. Die Grundüberlegungen: etwas Individuelles von und für Owen; chic, aber doch traditionell; edel und dezent. Außerdem sollte das Gewand Heimatverbundenheit widerspiegeln - aber definitiv kein billiges Dirndl von der Stange. Der Durchbruch kam beim Abendessen - kurzerhand wurde die Serviette zweckentfremdet und die ersten Grundmodelle entworfen.

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Über Jahre ist die Idee gereift und verfeinert worden. Andrea Raichle informierte sich über die schwäbische Tracht, die es als solche gar nicht gibt, wie sie herausfand. Sie bemühte das Internet und durchstöberte sämtliche Geschichtsbücher, die ihr in die Hände fielen. Auch das Landwirtschaftliche Wochenblatt brachte die eine oder andere Erkenntnis. Schnell war klar, dass es aussichtslos ist, die alten Stoffe beschaffen zu können. „Die gibt es gar nicht mehr“, erklärt Andrea Raichle. Eines war jedoch klar: Die Tracht soll eher dunkel und dezent sein - wie es sich für einen protestantisch geprägten Ort gehört. Weiteres Kriterium: Den Stoff muss es auch noch in einigen Jahren zu kaufen geben.

Die größte Schwierigkeit mussten die Trachtenschöpferinnen gleich zu Beginn ihrer Aufgabe meistern: den passenden Schnitt finden. Nach langer Suche wurde Andrea Raichle schließlich in einer Burda fündig. Und schon musste die nächste Hürde genommen werden, denn in der Modezeitschrift waren nur die Standardgrößen drin. Kurzerhand hat Andrea Raichle den Schnitt selbst gezeichnet. Als der Grundschnitt saß, kam er auf einen großen Karton. „Damit kann man die einzelnen Größen wie bei einer Schablone rausmessen“, erklärt die passionierte Hobby-Schneiderin.

Blieb noch die Frage nach den passenden Stoffen. Der entscheidende Tipp kam von einer Dettinger Schneiderin, und so machten sich Verena Grötzinger und Andrea Raichle mit Ursula Sander und Gertrud Bader auf den Weg nach Augsburg zu einem Großhändler. Dort ließen sie sich inspirieren, probierten verschiedene Varianten aus und kombinierten - und kamen an Ort und Stelle zu einem Ergebnis. Als Frauen der Tat fackelten sie nicht lange und kauften gleich bahnenweise Stoff, damit auch andere Owener Frauen in den Genuss dieser repräsentativen Kleidung kommen können. „Für fünf Gewänder haben wir noch Stoff im Rathaus“, verrät die Stadtchefin beim Karz im Beginenhaus, der vom Alt-Owen-Förderkeis veranstaltet wird. An diesem Abend wird die Tracht ganz offiziell der Öffentlichkeit vorgestellt.

Da zeigt sich die Vielfältigkeit der Eigenkreation. Rock ist nämlich kein Zwang, es gibt auch die Hosenvariante. Raum für Individualität bleibt bei der Bluse, die durchaus in der Farbe variieren und im Sommer auch durch ein T-Shirt ersetzt werden kann. Darüber kommt das dezent gemusterte Mieder und schließlich das schwarze Samtjäckchen. „Man kann die Tracht tragen, wann immer man Lust hat. Wenn wir gemeinsam unterwegs sind, haben wir was Repräsentatives“, freut sich Verena Grötzinger.