Lenninger Tal

Passgenaue Hilfe für Kinder, Lehrer und Eltern

Schulsozialarbeit Lenningen setzt auf Prävention. Für die Grundschulen in Ober- und Unterlenningen sowie in Schopfloch gibt es zwei halbe Stellen. Von Anke Kirsammer

Noch vor den Sommerferien sollen die Lenninger Grundschulen Schulsozialarbeit bekommen. Foto: Jean-Luc Jacques
Noch vor den Sommerferien sollen die Lenninger Grundschulen Schulsozialarbeit bekommen. Foto: Jean-Luc Jacques

Verhaltensauffällige Schüler, Mobbing, schwierige Familiensituationen, Integration und Inklusion - oft ist es ein Bündel an Herausforderungen, die auch ländliche Grundschulen meistern müssen. In Lenningen gibt es deshalb künftig nicht nur an den weiterführenden Schulen, sondern auch an den Grundschulen Schulsozialarbeit. „Prävention ist extrem wichtig, denn wenn uns die Kinder durch die Finger gleiten, ist es schwierig, sie später zu erreichen“, sagte Bürgermeister Michael Schlecht im Gemeinderat.

Den Beschluss, Schulsozialarbeit an den Grundschulen einzuführen, hatte das Gremium bereits vor einem Jahr gefasst. Die Zusage zur Aufnahme in das Landesförderprogramm ließ jedoch monatelang auf sich warten. Mittlerweile ist der Bescheid da, es gab Gespräche zwischen den Schulleitungen, der Verwaltung und der Bruderhausdiakonie, die als Träger fungieren soll.

„Ich habe mir ein Bild verschafft und weiß nun, wie die einzelnen Schulen ticken“, sagte Andrea Groeneveld, stellvertretende Leiterin der Dienststelle Jugendhilfen Deggingen der Bruderhausdiakonie und Leiterin des Fachbereichs für ambulante Angebote. Ihr zufolge sollten sowohl die Konzeption als auch die Arbeit passgenau auf die einzelnen Schulen abgestimmt werden. Geschaut werden muss unter anderem auf die Familienstrukturen, das Angebot der örtlichen Vereine, die jeweiligen Stärken, aber auch auf Probleme.

Bislang war vorgesehen, jeweils einer größeren Grundschule - Ober- beziehungsweise Unterlennin­gen - und einer kleineren Schule - Gutenberg beziehungsweise Schopfloch - zusammen eine 50-Prozent-Kraft zuzuweisen. Da in Gutenberg im kommenden Jahr jedoch nicht mehr unterrichtet wird, bekommt die Oberlenninger Grundschule voraussichtlich alleine eine halbe Stelle. Insbesondere in einer Klasse müsse laut Rektor Erich Merkle die Lösung von Konflikten im Vordergrund stehen. Elternarbeit ist für ihn ein weiteres wichtiges Thema, und der Blick soll auf geflüchtete Kinder gerichtet werden. „Unterlenningen und Oberlenningen ähneln sich, nur die Ausrichtung ist ein wenig anders“, meinte Andrea Groeneveld. So gibt es auch in Unterlenningen eine Klasse, bei der gemäß der Rektorin Melanie Amann das Gemeinschaftsgefühl gestärkt sowie an Gruppen- und Klassenfindungsregeln gearbeitet werden muss. In Einzelfällen hält sie Gespräche mit Klassenlehrern beziehungsweise Eltern für nötig.

Die Schopflocher Schulleiterin Resi Wörz wiederum wünscht sich, dass der Schulsozialarbeiter beziehungsweise die Schulsozialarbeiterin mittwochs vor Ort ist, da an diesem Tag die Kooperation mit dem Kindergarten stattfindet. Zudem forderten Eltern Tipps für die Erziehung. Auch da erhofft sie sich Unterstützung.

Zur Schulsozialarbeit an Grundschulen gehören sowohl die Beratung von einzelnen Kindern, Eltern und Lehrern, genauso aber Gruppenangebote und die Gemeinwesenarbeit. Andrea Groeneveld spricht aus Erfahrung: „In Eislingen beispielsweise gibt es viele Angebote in der Stadtbibliothek, aber bestimmte Kinder tauchen dort nicht auf.“ Wichtig sei der Blick auf das Netzwerk, um zu überlegen, wen es noch für ein gesundes Aufwachsen von Kindern brauche. Immer wieder könne es Probleme wie Ängste, Zwänge oder schwierige Situationen in Familien geben, für die weder die Schule noch die Schulsozialarbeit der richtige Ansprechpartner sei. „Dann muss man sehen, wer das Know-how hat, damit das Kind weiter entspannt arbeiten kann.“

Mit dem Kreisjugendring und der Stiftung Tragwerk - ebenfalls Akteure im Schulzentrum Lenningen - soll die Zusammenarbeit abgeklärt werden. Die Sozialpädagogin warnte vor unsinnigen Dopplungen. Damit rannte sie bei den Gemeinderäten offene Türen ein,

Kennenlernen durch Präsenz

Falk Kazmaier regte an, auch die Klassen 1 bis 4 der Förderschule in den Blick zu nehmen. Georg Zwingmann hält die Schulsozialarbeit an den Grundschulen für längst überfällig: „Der ergänzende Netzwerkknoten ist wichtig für die Lenninger Schullandschaft.“ Wie Dieter Epple interessierte ihn, wie insbesondere kleine Kinder den Weg zu den Schulsozialarbeitern finden. Kennenlernen sollen die Schüler sie durch gemeinsame Übungen mit den Klassenlehrern und Präsenz auf dem Pausenhof. Geplant ist außerdem, dass die Schulsozialarbeiter zentral angesiedelt sind. In Oberlenningen steht ein Raum im Erdgeschoss zur Verfügung, in Unterlenningen wird geprüft, mit welchem finanziellen Aufwand sich das leer stehende Häuschen vor der Lindenschule umbauen lässt.

Karl Boßler interessierte sich für die Kosten, die die Gemeinde für die Schulsozialarbeit zu tragen hat. Die bezifferte Bürgermeister Schlecht auf rund 70 000 Euro für beide Stellen. Gestartet werden soll an den Grundschulen noch in diesem Schuljahr.

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