Lenninger Tal

Pillenmix im praktischen Blisterpack

Die Apotheke Lenningen bietet Seniorenheimen Medikamenten-Service

Der Oberlenninger Apotheker Andreas Herbster versorgt Pflegeheime mit individuellen Blisterkarten für ihre Bewohner. Mithilfe ei
Der Oberlenninger Apotheker Andreas Herbster versorgt Pflegeheime mit individuellen Blisterkarten für ihre Bewohner. Mithilfe eines lichtgesteuerten Systems wissen die Angestellten, welche Tabletten in die einzelnen Mulden gehören.Fotos: Carsten Riedl

Lenningen. Muss ich die Kapsel morgens oder abends nehmen oder heute niedriger dosiert als gestern? Ältere Menschen, die bis zu zwölf

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verschiedene Medikamente benötigen, sind damit nicht selten überfordert. In Seniorenheimen bleibt durch die Vorbereitung der individuellen Pillendosen zudem viel Zeit auf der Strecke. Die Apotheke Lenningen bietet dem Haus im Lenninger Tal sowie dem Haus an der Teck einen besonderen Service an: Unterstützt durch ein Computernetzwerk, werden für jeden Bewohner die verordneten Medikamente jeweils für eine Woche verblistert.

„Der Arzt meldet dem Heim, was der Patient für Medikamente braucht, das Heim meldet es uns weiter“, erklärt der Oberlenninger Apotheker Andreas Herbster das Prozedere. Spuckt das Faxgerät die Medikation aus, werden die Daten in der Apotheke in den Computer eingegeben. Dank eines hauseigenen Netzwerks sind die Infos einen Stock tiefer abrufbar. Dort steht in einem separaten Räumchen das Herzstück des „fill to light“-Blistersystems: eine Art riesiges Tablet samt absaugbarer Tastatur und Scanner. Er hat die Funktion einer Schranke. Wird beispielsweise ein Medikament eingescannt, das bei dem Patienten abgesetzt wurde, schlägt das System Alarm. „Auch ein doppeltes Befüllen ist durch den Scanner ausgeschlossen“, sagt Andreas Herbster.

Die Patientin, für die auf dem Bildschirm momentan die leere Blisterpackung aufliegt, benötigt unter anderem Mittel gegen eine Parkinson-Erkrankung, Blutverdünner, ein Medikament gegen zu hohen Blutdruck und einen Magenschoner. Nach dem Einscannen des Magenschoners leuchten die Blisterblasen für die morgendliche und die abendliche Einnahme für jeden Wochentag grün auf. Die Angestellte Gabi Müller füllt daraufhin in jede Mulde eine Pille. „Braucht ein Patient zwei gleiche Tab­letten zur selben Zeit, erscheint ein rotes Licht“, erklärt ihre Kollegin Karin Schott. Jeder Schritt, den die beiden Frauen erledigen, wird automatisch per Fotoapparat festgehalten. Die Fehlerquote geht laut Andreas Herbster dadurch gegen null. Ebenfalls aus Sicherheitsgründen sind auf der Rückseite der Blisterkarten die Verpackungen der Medikamente abgebildet, Farben lotsen die Patienten ebenfalls: Die Mulde für die morgendliche Einnahme beispielsweise ist mit hellem Orange umrandet, die für die Nacht in kräftigem Blau. Die letzte Kontrollinstanz ist das Personal im Pflegeheim, das vor der Gabe an die Patienten noch mal einen Blick auf den Medikamentenmix wirft.

Für alle 140 Senioren, die die Apotheke beliefert, sind die Arzneimittel in einem jeweils eigenen Karton eingelagert. „Unser Computersystem bietet den Vorteil, dass die verschiedenen Präparate auf ihre Wechselwirkungen hin überprüft werden“, sagt Andreas Herbster, der seit zweieinhalb Jahren auf das System setzt. Ändert ein Arzt am Vorabend der Auslieferung die Medikation, sei es ohne zusätzliche Kosten für das Pflegeheim möglich, die Blisterpackung noch einmal zu öffnen.

Auch einzelne Kunden lassen sich ihre Medikamente von der Oberlenninger Apotheke mundgerecht verblistern. „Leute, deren Kinder weit weg wohnen, können davon profitieren“, sagt Andreas Herbster. Erleichtern würde es auch die Arbeit mobiler Pflegedienste. Er denkt an den Verein „Unser Netz“, der Betagten ermöglichen will, dass sie lange in den eigenen vier Wänden wohnen können, und an Menschen mit demenziellen Erkrankungen.

„Wenn man schon eine Apotheke auf dem Land betreibt, muss man sich durch seinen Service hervorheben“, so lautet die Devise des Apothekers. Das System leiste einen Beitrag dazu, die Versorgung in Pflegeheimen sicherer zu machen.

Technik wird in der Apotheke Lenningen nicht nur beim automatischen Verblistern von Pillen großgeschrieben. Der Griff in die Schublade gehört bei Andreas Herbster längst der Vergangenheit an. Stattdessen angelt ein Kommissionierautomat die Medikamentenschachteln aus dem Lager. Neuestes „Kind“ ist eine automatische Station vor der Tür. Mit der Eingabe einer Kennziffer können Kunden so unabhängig von den Öffnungszeiten rund um die Uhr bestellte Arzneimittel abholen.