Lenninger Tal

Pläne für Asylheim platzen

Keine Einigung zwischen Investor und Landkreis bezüglich Unterkunft an der Adolf-Scheufelen-Straße

Im Sommer hatte es sich angehört, als wäre der Bau einer Gemeinschaftsunterkunft in Oberlenningen für Flüchtlinge eine reine Formsache. Doch aus dem Projekt wird nichts. Aus wirtschaftlichen Gründen kamen der Investor – die Atrium Ullmann GmbH aus Ehingen – und der Landkreis nicht zusammen.

Das 8,6 Ar große Grundstück an der Oberlenninger Adolf-Scheufelen-Straße wurde über Monate als Standort für eine Flüchtlingsunte
Das 8,6 Ar große Grundstück an der Oberlenninger Adolf-Scheufelen-Straße wurde über Monate als Standort für eine Flüchtlingsunterkunft gehandelt. Das Vorhaben ist nun vom Tisch.Luftbild: Werner Feirer

Lenningen. Lenningens Bürgermeister Michael Schlecht überrascht die Entwicklung nicht. „Ich habe von der Atrium Ullmann GmbH seit dem 20. Juli nichts mehr gehört.“ Die damalige Infoveranstaltung in der Oberlenninger Turn- und Festhalle hatten Gemeinde, Investor und Landkreis genutzt, um das Projekt an der Adolf-Scheufelen-Straße vorzustellen. Auf dem 8,6 Ar großen Privatgrundstück wollte der Investor eine Unterkunft für 38 Flüchtlinge bauen. Vorgesehen war ein mehrstöckiges, in Holzständerbauweise erstelltes Gebäude. Wie Michael Schlecht dem Gemeinderat nun mitteilte, habe der Investor versucht, den Landkreis zu gängeln. Weil die Verhandlungspartner nicht zu Potte kamen, sind die Pläne für das Asylheim vergangene Woche geplatzt. Wirtschaftliche Gründe bedeuten auch das Aus für ein Projekt, das derselbe Investor in Oberboihingen geplant hatte. Dort sollten 84 Plätze geschaffen werden. Das teilte der Dezernent für Infrastruktur beim Landkreis, Thomas Eberhard, gestern auf Anfrage des Teckboten mit.

„Für uns als Gemeinde bedeutet das, wir müssen weiterarbeiten“, so Michael Schlecht. Es gebe derzeit zwei Wohnraumangebote der Papierfabrik Scheufelen. Genauso wie Thomas Eberhard hält er sich bezüglich der Adressen jedoch bedeckt.

Momentan leben 38 Asylbewerber im Rahmen der vorläufigen Unterbringung in Lenningen. Zwölf weitere ziehen demnächst in ein Haus in der Oberlenninger Weilbachstraße ein. Im Zuge der Anschlussunterbringung wohnen 28 Flüchtlinge in der Gemeinde. „Um das Konzept der dezentralen Unterbringung umsetzen zu können, sind wir dringend auf Angebote angewiesen“, hebt der Rathauschef hervor.

Gemäß der aktuellen Prognose muss der Landkreis Esslingen bis Ende 2016 insgesamt 10 000 Flüchtlinge aufnehmen. In Lenningen werden bis dahin 165 Plätze benötigt. Da der Kreis über keine eigenen Immobilien mehr verfügt, bittet Landrat Heinz Eininger die Kommunen da­rum, Versammlungsstätten zur Verfügung zu stellen. Zu Recht erwarte der Kreischef den Schulterschluss, sagt Michael Schlecht. Man sei zwingend darauf angewiesen, leer stehende Häuser für die Flüchtlingsunterbringung zu ortsüblichen Mieten angeboten zu bekommen. Sonst sei das finanzielle Desaster programmiert. Es könne nicht sein, dass für 25 Quadratmeter 750 Euro verlangt würden. Weil die Gemeinde für die Anschlussunterbringung zuständig ist, könne sie dem Kreis nicht sämtliche Unterkünfte anbieten, die sie besitzt.

Die Reaktion der Anwohner des geplanten Flüchtlingsheims habe indes nichts mit einer Willkommenskultur zu tun gehabt, moniert Michael Schlecht. In mehreren Briefen hatten sich die Nachbarn gegen das jetzt gecancelte Projekt gewandt. Mit dem Kippen des Vorhabens ist auch der Verkauf des Grundstücks an den Investor vom Tisch.

Das 8,6 Ar große Grundstück (rot umrandet) an der Oberlenninger Adolf-Scheufelen-Straße wurde über Monate als Standort für eine
Das 8,6 Ar große Grundstück (rot umrandet) an der Oberlenninger Adolf-Scheufelen-Straße wurde über Monate als Standort für eine Flüchtlingsunterkunft gehandelt. Das Vorhaben ist vom Tisch. Die Gemeinde ist nun wieder verstärkt auf der Suche nach Wohnraum für Asylbewerber.Luftbild: Werner Feirer

Zurück auf null?

Dass der für September angekündigte Bauantrag für die Asylbewerberunterkunft in Oberlenningen auf sich warten ließ, machte schon länger stutzig. Vor Wochen sickerte durch, die Verhandlungen zwischen Landkreis und Investor würden stocken. Die jetzige Meldung über das Scheitern überrascht deshalb nicht allzu sehr. Zurück auf null, ist man versucht zu sagen. Doch das stimmt nicht ganz. Denn seit offenkundig wurde, dass an der Adolf-Scheufelen-Straße ein Flüchtlingsheim entstehen könnte, ist eine Menge Porzellan zerdeppert worden. Mit offenen Briefen, die im Ort verteilt wurden, haben die Anwohner Grenzen überschritten. Auch Lenningens Bürgermeister Michael Schlecht betrachtete die Eskalation der Aussagen in den Schreiben mit Sorge. Verständlich, dass er künftig von Infoveranstaltungen absehen will, wenn Projekte noch nicht in trockenen Tüchern sind.

Was die Asylbewerberunterbringung angeht, steht die Gemeinde zwar nicht mit leeren Händen da. Doch vor der stetig steigenden Zahl von Flüchtlingen kann Lenningen genauso wenig wie andere Kommunen die Augen verschließen. Eine von allen propagierte dezentrale Unterbringung von Flüchtlingen wird aber nur gelingen, wenn jeder, der freien Wohnraum hat, ihn zu einem fairen Preis anbietet.

ANKE KIRSAMMER

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