Lenninger Tal

Prüflinge tanken in der Kirche auf

Schule In Kirchheim, Weilheim und Oberlenningen bot das Evangelische Jugendwerk gemeinsam mit den Kirchengemeinden einen Prüfungssegen an. Ein Tipp lautet, gelassen zu bleiben. Von Anke Kirsammer

Kirche einmal anders: Schüler halten im Lernstress für einen Moment inne.Foto: Markus Brändli
Kirche einmal anders: Schüler halten im Lernstress für einen Moment inne.Foto: Markus Brändli

Habe ich genug gelernt? Kann ich mein Wissen abrufen, oder macht mir die Aufregung einen Strich durch die Rechnung? - Fragen, die bei so manchem Schüler der Abschlussklassen derzeit das Kopfkino bestimmen. Für eine halbe Stunde hatten die Prüflinge Gelegenheit, innezuhalten und ihren Akku aufzuladen, bevor sie über Aufgaben in Deutsch, Mathe oder anderen Prüfungsfächern brüten.

Bereits zum zweiten Mal bot das Evangelische Jugendwerk Bezirk Kirchheim mit evangelischen und katholischen Kirchengemeinden den Prüfungssegen an. Eingeladen wurde dazu in die Kirchheimer Christuskirche, ins Gemeindezentrum auf dem Weilheimer Egelsberg sowie in die evangelische St. Martinskirche in Oberlenningen.

Gemeinsame Lieder, Gebete und Momente der Stille prägen die Andacht. „Der Prüfungssegen ist nichts Magisches und garantiert auch keine guten Noten“, sagt Bezirksjugendreferentin Maria-Elaine Seeberger in Oberlenningen. „Es ist der Zuspruch, dass Gott bei euch ist, egal was kommt.“

Egal was kommt - so beginnt auch der Refrain des Optimismus versprühenden Songs „Sowieso“, der für die Jugendlichen eingespielt wird. Die Gemeindereferentin der katholischen Kirchengemeinde, Ute Baumgärtner, rät den Schülern in ihrem Impuls zum Lied von Mark Forster, gelassen zu bleiben. Der Reihe nach zünden die Jugendlichen Hoffnungslichter an und legen Steine um ein Holzkreuz - Symbol für die abgelegte Last. Beim Hinausgehen bekommt jeder Prüfling persönlich seinen Segen zugesprochen. Zur Stärkung gibt es außerdem einen Müsliriegel mit dem Emoji „starker Arm“ und einem Mut machenden Psalm mit auf den Weg.

„Die Idee für den Prüfungssegen kommt aus Ravensburg“, erklärt Bezirksjugendreferent Andreas Forro. Dort gebe es die ersten „Wiederholungstäter“, sprich ehemalige Realschüler, die sich jetzt den Segen fürs Abi zusprechen lassen. Tägliche Ermutigungen für Prüflinge fänden sich auch auf Facebook und Instagram.

Das Verschieben der Deutschprüfung ist mit einem hohen Aufwand verbunden

Weil Unbekannte in Bad Urach einen Umschlag mit den Prüfungsaufgaben für das Fach Deutsch geöffnet hatten, werden die Deutschprüfungen an den Realschulen von heute auf den 27. April verschoben.

Die Rektorin der Lenninger Realschule, Dunja Salzgeber, hatte davon am Montagabend aus den Medien erfahren. Gestern bekam sie die offizielle Bestätigung. „Das Verschieben einer Prüfung habe ich noch nie erlebt, obwohl ich schon viele Jahre im Schuldienst bin“, sagt sie. Für die Organisation sei ein höherer Aufwand nötig. „Wir müssen neue Prüfungspläne erstellen, die alten wandern in den Müll.“ Zudem gebe es ein enges Zeitfenster. Prüfungen in Deutsch zu korrigieren, sei besonders aufwendig. Eine junge Kollegin mit einem halben Lehrauftrag beispielsweise müsse nun die Betreuung ihrer Kinder neu organisieren.

Am Anspruch der Prüfung, die jetzt am 27. April geschrieben wird, ändert sich laut Dunja Salzgeber nichts. Verwendet werden die ursprünglich für den Nachtermin gedachten Aufgaben. Manch Zehntklässler ist offensichtlich froh, noch etwas Zeit für die Vorbereitung zu haben. Ein Schüler habe gesagt „Gott hat meine Gebete erhört“, erzählt die Lenninger Rektorin lachend. Sie habe ihn jedoch darum gebeten, solche Stoßgebete künftig zu unterlassen.ank

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