Lenninger Tal

Reise nach Jerusalem

Glaube Die „Katholische Erwachsenenbildung“ pilgert sozusagen in die falsche Richtung.

Die Beschilderung an der Barbarossakirche in Hohenstaufen zeigt den Pilgern den Weg.
Die Beschilderung an der Barbarossakirche in Hohenstaufen zeigt den Pilgern den Weg.

Region. Der beliebte Jakobsweg nach Santiago de Compostela ist eigentlich nur ein Ersatz. „Wir laufen in die falsche Richtung“, hatte der Leiter der Katholischen Erwachsenenbildung (KEB), Emanuel Gebauer, einst bemerkt, als er mit einer Gruppe beim Jakobspilgern war. Denn der Jakobsweg ist nur eine spätmittelalterliche Umleitung. Sie entstand, als Jerusalem wegen der politischen und religiösen Umstände nicht erreichbar war. Nun brennt Gebauer fürs Original und unterstützt den Aufbau des Jerusalemwegs, der als interreligiöses Friedens- und Kulturprojekt durch 15 Länder führen soll. Er ist bereits mit dem Rad auf diesem Weg bis auf den Balkan gepilgert.

Ein Pilgerweg braucht Ansprechpartner, Wegweiser und Unterkünfte. Der neue Jerusalemweg soll die Strukturen bestehender Pilgerwege nutzen, etwa vom Martinusweg. Am Startpunkt der KEB-Pilgertour, der Barbarossakirche am Hohenstaufen, waren an einem Mast zwei Wegweiser übereinander zu finden: Oben die Jakobsmuschel, deren zusammenführende Strahlen in Richtung Santiago de Compostela weisen, darunter der neue Aufkleber des Jerusalemwegs, Rot-Weiß-Rot mit Friedenstaube. Die Farben sehen nicht zufällig so österreichisch aus: Einer der Motoren des ­„International Jerusalem Way“ ist ­Johannes Aschauer, Polizist aus der Nähe von Linz. Er ist tatsächlich schon durchgehend bis Jerusalem gepilgert, im Jahr 2010, kurz vor dem Syrienkrieg.

Gebauer ist deutscher Repräsentant des von Aschauer international konzipierten Fördervereins für den Jerusalemweg, im Vorjahr hatte er 50 Gäste zum dreitägigen Pilgersymposium in Esslingen versammelt. Nun warb er mit einer 14 Kilometer langen Pilgeretappe für den neuen Weg.

Auch künftig will Gebauer den Jerusalemweg voranbringen: Bevor die Beschilderungen lückenlos den Weg bis ins Heilige Land weisen, soll er mit seinen vielfältigen Themen und Geschichten wieder in die Köpfe der Menschen. Wenn dann irgendwann Pilger und Hospize den Weg wieder ständig umsorgen und offen halten, ist das Ziel erreicht.

Wären die KEB-Pilger hinter Schwäbisch Gmünd weitergewandert, hätte sie das mit der Zeit nach Donauwörth geführt. Dort treffen zwei deutsche Zuführrouten zusammen, auf der weiten Reise nach Jerusalem: Aschauers Zeitschätzung beruht ab Esslingen auf etwa sieben Monaten. In Jerusalem angekommen, richtet sich das genaue Ziel nach der jeweiligen Religion: „Der christliche Pilger wird traditionell zur Grabeskirche ziehen, der Muslim zum Tempelberg, der Jude zur Klagemauer“, sagt Gebauer. Peter Dietrich

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