Lenninger Tal

Retten, warten, bloß nicht löschen

Wenn das eigene Auto in Flammen steht, hat die Sicherheit oberste Priorität

Ein brennendes Auto ist für jeden Fahrer eine Horrorvorstellung – doch leider keine Seltenheit. Experten raten, aussichtslose Löschversuche zu lassen.

Die Feuerwehr weiß im Ernstfall am besten, was zu tun ist. Wenn alle Insassen gerettet sind und die Einsatzstelle gesichert ist,
Die Feuerwehr weiß im Ernstfall am besten, was zu tun ist. Wenn alle Insassen gerettet sind und die Einsatzstelle gesichert ist, sollte deshalb schnell eine Notrufnummer gewählt werden. Fotos: Daniela Haußmann

Lenningen. Die Szenen sind aus Film und Fernsehen bekannt: Mit ohrenbetäubendem Knall geht ein Auto nach dem Unfall plötzlich in Flammen auf. Die Insassen können sich gerade noch in rettende Entfernung begeben. Doch die Realität sieht anders aus – zum Glück. „Fahrzeuge explodieren nicht in Hollywood-Manier“, beruhigt Michael Eberle von der Freiwilligen Feuerwehr in Lenningen besorgte Kfz-Halter. Ein Feuer im Motorraum braucht in der Regel fünf bis zehn Minuten, bis es den Innenraum erreicht, wie der Kommandant weiß. „In dieser Zeit können sich Insassen ins Freie retten und Verletzte aus der Kabine ziehen“, berichtet er. Durchgeschmorte Kabel, Marderverbiss oder Kraftstoff, der im Motorraum austritt, seien neben Kollisionen die gängigsten Ursachen für einen Fahrzeugbrand.

Richtiges Verhalten kann in einem solchen Fall Leben retten. Dringt schwarzer Qualm aus den Ritzen der Motorhaube, rät Michael Briki, stellvertretender Stadtbrandmeister der Freiwilligen Feuerwehr Kirchheim, nicht in Panik zu geraten. Zuerst sollte ihm zufolge ein sicherer Platz zum Anhalten angesteuert werden. „Betroffene sollten ihr Auto möglichst so parken, dass anderer Fahrzeuge und Verkehrsteilnehmer nicht gefährdet werden können“, empfiehlt Briki. „Und natürlich gilt auch hier, Warnblinkanlage ein-, Zündung ausschalten und Warndreieck aufstellen.“ Sobald alle Insassen den Pkw verlassen haben und sich in Sicherheit gebracht und die Einsatzstelle gesichert haben, sollte die 112 oder die 110 gewählt werden.

Wer bis zum Eintreffen der Rettungskräfte einen Löschversuch unternehmen will, sollte Michael Briki zufolge die Motorhaube erst nur einen Spalt öffnen. Dann kann man die Düse des Feuerlöschers reinschieben und einige Einzelstöße abgeben. Solche Versuche sollten allerdings wirklich nur unternommen werden, wenn derjenige sich dabei nicht selbst gefährdet.

Reißt der Fahrer die Haube sofort komplett auf, bekommt das Feuer im Motorraum zusätzlichen Sauerstoff, die Flammen schlagen hoch, und Verbrennungen können die Folge sein. Viele machen laut Michael Eberle den Fehler, dass sie den Sicherungssplint aus dem Feuerlöscher ziehen und den Druckhebel nicht mehr loslassen, bis der Inhalt vollständig versprüht worden ist.

„Zum einen sollten Betroffene möglichst den Ausgangspunkt der Rauch- beziehungsweise Flammenentwicklung rausfinden. Zum anderen sollten sie das Löschmittel stoßweise abgeben“, erläutert Eberle. „Das hat den Vorteil, dass der Inhalt zielgerichteter eingesetzt wird und nicht binnen weniger Sekunden wahllos entleert wird.“ Jedem, der sich einen Feuerlöscher für den Pkw anschafft, rät Michael Briki zum Pulverlöscher. Er enthält dem Fachmann zufolge ein vielseitig einsetzbares ABC-Löschpulver, das sich zur Brandbekämpfung bei festen Stoffen, Flüssigkeiten und Gasen eignet. Wobei der Einsatz des Autofeuerlöschers laut Briki nur bei Entstehungsbränden Sinn macht. Bei ausgedehnten Bränden sollte man lieber auf die Feuerwehr warten. Angst vor Explosionen muss laut Michael Eberle niemand haben. „Eine Explosion kommt nur zustande, wenn sich ein explosionsfähiges Gemisch aus Sauerstoff und Benzindämpfen in einem geschlossenen Behältnis bildet. Bei den heutigen Autos ist das aber nicht möglich.“

Breitet sich das Feuer bis in die Nähe des Benzintanks aus, steigt in seinem Inneren die Temperatur an. „Dadurch erhöht sich in dem Bauteil der Druck. Wird er zu groß, reißen die Schweißnähte auf und Kraftstoff tritt aus“, erklärt Eberle. Kommt das austretende Benzin dann mit den Flammen in Kontakt, können sich die Dämpfe entzünden, und es kann zu einer Verpuffung kommen. Bei Dieselfahrzeugen ist die Wahrscheinlichkeit, dass ein solcher Fall eintritt, geringer, weil der Kraftstoff eine höhere Zündtemperatur aufweist als Benzin.

Mit Blick auf die zunehmende Zahl von Elektro- und Hybridfahrzeugen, die beispielsweise über Lithium-Ionen-Batterien verfügen, erklärt Michael Briki, dass es für den Privatmann schwierig ist, einen Brand zu löschen. Sinnvoll sei hier, dass der Geschädigte bis zum Eintreffen der Feuerwehr darauf achtet, dass es zu keiner Brandausbreitung außerhalb des Motorraums kommt. Die Feuerwehr setze bei solchen Bränden sehr viel Wasser oder speziell angereicherte Löschmittel ein. Deshalb sei es wichtig, beim Absetzen eines Notrufs mitzuteilen, über welche Antriebsart das Auto verfügt, damit die Feuerwehrleute sofort wissen, worauf vor Ort zu achten ist.

Retten, warten, bloß nicht löschen
Retten, warten, bloß nicht löschen
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