Lenninger Tal

Sanierung will Brücken schlagen

Stadtplanung In Owen sollen das Ober- und Unterstädtle schöner werden. Fördergelder des Landes sollen Anreize für die Eigentümer geben. Von Iris Häfner

Das Owener Rathaus liegt im Sanierungsgebiet, ebenso der Rathausplatz. Er ist er zentraler Treffpunkt bei Festen wie dem Maienta
Das Owener Rathaus liegt im Sanierungsgebiet, ebenso der Rathausplatz. Er ist er zentraler Treffpunkt bei Festen wie dem Maientag. Für die Planer ist eine dorfgerechte Umgestaltung denkbar. Foto: Mirko Lehnen

Owen hat mehr zu bieten als nur eine viel befahrene Ortsdurchfahrt, obwohl die B 465 den Ort trennt. Links und rechts der Bundesstraße findet sich so manches Kleinod, und die Owener lieben ihr Städtle. Damit dies auch weiterhin so bleibt, hat der Gemeinderat einstimmig die Ziele und das Neuordnungskonzept für das Sanierungsgebiet „Ober- und Unterstädtle“ festgelegt - der ursprüngliche Arbeitstitel lautete „Brückenschlag“, um das Verbindende der beiden historischen Stadtkerne hervorzuheben. Allerdings war der Ratstisch recht ausgedünnt: Nur acht Stadträte durften abstimmen, denn sechs Gremiumsmitglieder, darunter auch Bürgermeisterin Verena Grötzinger, waren befangen und mussten auf den Zuschauerstühlen Platz nehmen. Hans-Jörg Schmid leitete die Sitzung - und ab und zu kam die sachkundige Bürgerin Grötzinger zu Wort.

Die beiden Planer stellten umfangreich sowohl das Prozedere des Landessanierungsprogramms als auch mögliche konkrete Maßnahmen vor. Acht bis zehn Jahre läuft das Programm für das 10,11 Hektar große Gebiet. Knapp 1,9 Millionen Euro Fördergelder können beantragt werden, 833 000 Euro hat das Land bereits als Anschubfinanzierung bewilligt. Die Steg Stadtentwicklung hat städtebauliche Missstände analysiert und bewertet. „Wir haben 16 Leerstände, das geht noch“, urteilte Martin Keller. Elf Prozent der Häuser sind vor 1850 gebaut worden. „Das ist nicht gerade mittelalterlich - aber alt“, sagte der Planer. Ein Drittel der Gebäude weisen erhebliche Mängel auf.

Ein Vorschlag der Planer für die Zukunft: Die Lauter soll erlebbar gemacht werden. An sie grenzt auch ein großer Gebäudekomplex an, der von den Eigentümern offensichtlich dem Verfall preisgegeben ist. „Das beeinträchtigt das ganze Unterstädtle“, erklärte Tobias Höfle vom Planungsbüro m-quadrat. Er kann sich an dieser Stelle ein Café vorstellen. Die Planer haben zwei private Leuchtturmprojekte ausgemacht: Gasthaus Adler und Mühle Ensinger - was davon umgesetzt wird, ist und bleibt Angelegenheit der Eigentümer. Durch Modernisierung und Umbau der Getreidemühle kann nach Ansicht der Planer der Betrieb gesichert werden, auch mit der zusätzlichen Vermarktung von regionalen Produkten. Das Gebäude befindet sich in städtebaulich markanter Lage am Ortseingang von Dettingen kommend. „Das ist der Eingang zum Biosphärengebiet und passt thematisch mit den regionalen Produkten“, sagte Tobias Höfle.

An exponierter Stelle steht auch der Gasthof Adler mit seinem Fachwerk mitten im Städtle an der Kreuzung nach Beuren. Die Zukunftsmusik der Planer: ein Biosphären-Hotel. Das Gebäude könnte durch einen standortgerechten Neubau ersetzt werden, der sich gut in die Bebauung einfügt. Das machte Thomas Rabel hellhörig. „Der Adler ist nicht denkmalgeschützt? Er könnte rein theoretisch plattgemacht werden?“, wollte er wissen. Die Antwort: „Das Gebäude ist schon sehr alt, aber es wurde zu sehr umgebaut. Es ist deshalb nicht denkmalgeschützt, auch wenn es ortsbildprägend ist“, erläuterte Martin Keller.

Im Sanierungsgebiet liegt auch das Rathaus. Das steht unter Denkmalschutz und die Planer damit vor Herausforderungen. „Das Gebäude entspricht nicht mehr modernen Anforderungen. Es hat kein Bürgerbüro, es ist nicht barrierefrei, die Zimmer sind nicht hell und freundlich, und auch der energetische Standard lässt zu wünschen übrig“, zählte Tobias Höfle die Mängelliste auf. Schon lange ist der Umbau des Rathauses im Gespräch. Dabei geht es nicht nur um Umbau, sondern möglicherweise um eine Erweiterung, eventuell um einen Aufzuganbau. Auch der Rathausplatz, zurzeit durch Parkplätze gekennzeichnet, lässt Raum für Veränderungen. Er ist geschottert, und eine Linde steht mitten auf dem Platz. „Er hat wenig Aufenthaltsqualität, ist aber zentraler Treffpunkt bei Festen. Eine dorfgerechte Umgestaltung ist denkbar, etwa mit Spielmöglichkeiten“, sagte Höfle. Dazu zählt für ihn, den Brunnen mehr in den Mittelpunkt zu rücken. Für die Räte stellt sich daher die Frage, ob nicht nur das Rathaus, sondern auch dessen Umfeld neu gestaltet wird. Ein Vorteil: Bei dem denkmalgeschützten Gebäude ist ein Fördersatz von bis zu 85 Prozent möglich, weshalb „die Finanzierung ganz gut gesichert“ ist. Keller rechnet grob geschätzt mit etwa zwei Millionen Euro Kosten für das Rathaus.

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