Lenninger Tal

Schlaglöcher sind zurzeit Chefsache

Rathaus Seit September ist das Lenninger Tiefbauamt verwaist. Probleme wie defekte Straßenbeleuchtungen und lockere Kanaldeckel landen deshalb auf dem Tisch von Bürgermeister Michael Schlecht. Von Anke Kirsammer

Besprechungen mit dem Bauhofleiter Alexander Schweizer (links) gehören bei Lenningens Bürgermeister Michael Schlecht momentan zu
Besprechungen mit dem Bauhofleiter Alexander Schweizer (links) gehören bei Lenningens Bürgermeister Michael Schlecht momentan zum Arbeitsalltag.Foto: Markus Brändli

Vor gut vier Jahren hatte der Leiter des Lenninger Tiefbauamts, Karl-Heinz Griesinger, seinen letzten Arbeitstag. Nach der Verabschiedung von Peter Schaufler in den Ruhestand und dem Weggang von Simone Mayer Anfang September ist das Amt komplett verwaist. Seitdem ist Michael Schlecht Bürgermeister und Tiefbauamtschef in Personalunion. Anfang kommenden Jahres kann die Verwaltung zumindest etwas aufatmen: Dann ist die Leitungsstelle im Tiefbauamt wieder besetzt. Im Interview spricht Michael Schlecht darüber, was der Engpass bedeutet.

Wie viele Stellen gibt es im Tiefbauamt der Gemeinde Lenningen?

Michael Schlecht: Noch sind drei Stellen ausgewiesen. Wir haben aber beschlossen, die Organisation bei den drei technischen Ämtern zu ändern. Künftig haben wir noch zwei Stellen im Tiefbauamt, so wie bis 2015.

Wie fühlt es sich an, nicht nur Rathauschef, sondern auch Tiefbauamtschef zu sein?

Schlecht: Ich habe mich nicht darum gerissen. Mein Tag war in unserer Gemeinde mit sieben Ortsteilen und zwei Weilern durch die klassischen Aufgaben eines Bürgermeisters schon mehr als ausgefüllt.

Was landet derzeit auf Ihrem Tisch?

So Sachen wie defekte Straßenbeleuchtungen, Schlaglöcher in den Straßen, Hundekot in Einfahrten, lockere Kanaldeckel, Rechnungsprüfungen, Baustellen - eben alles was im Bereich des Tiefbaus so anfällt.

Werden Aufgaben im Rathaus anders verteilt?

Ich habe die Aufgaben des Tiefbauamts mit dem Weggang von Simone Mayer etwas verteilt. Das Sekretariat im Tiefbauamt und meine Mitarbeiterinnen in den technischen Ämtern und des Bauhofs sorgen gut dafür, dass wir die Dinge zumindest am Laufen halten können. Außerdem müssen wir jetzt eben verstärkt auf Fachbüros zurückgreifen. Ich habe den Eindruck, dass unsere Bürger großteils Verständnis dafür haben, dass die Erledigung von Tiefbauanliegen aktuell mehr Zeit in Anspruch nimmt als bislang üblich. Dafür bin ich sehr dankbar.

Wie ist die Resonanz auf die Stellenanzeigen?

Es gibt fast keine Bewerber, die sich für unsere mehrfach ausgeschriebenen Stellen im Tiefbauamt interessiert haben. Die Stellenangebote und damit der Wettbewerb um die besten Mitarbeiter ist groß.

Wie viele Personalstellen sind in der Gemeinde unbesetzt?

Wir haben derzeit knapp 100 Personalstellen, die sich auf rund 200 Köpfe verteilen. Die Zahl der nicht besetzten unbefristeten Stellen hält sich in Grenzen. Derzeit sind in der Kernverwaltung nur die Stellen im Tiefbauamt nicht besetzt.

Ist es möglich, durch Ausbildung gegenzusteuern?

Wir können für die Kernverwaltung nur klassische Verwaltungsausbildungen anbieten. Der Mangel an technischem Personal lässt sich mit unserer Gemeinde- und damit auch Aufgabengröße über die Ausbildung nicht beheben. Wir können im eigenen Haus den Straßenbauer nicht zum Tiefbautechniker weiterbilden beziehungsweise einen Tiefbautechniker ausbilden. Ich würde Mitarbeiter aus dem Haus gern höher qualifizieren. Das geht aber auch nicht immer, und das hängt auch von der persönlichen Lebensplanung ab.

Warum ist die Suche nach Personal im Tiefbau besonders schwierig?

Alle suchen derzeit technische Mitarbeiter: Kommunen, Landkreise, Regierungspräsidien, Ministerien und natürlich die Ingenieur- und Architekturbüros. Der Wettbewerb ist daher sehr groß.

Bleiben Projekte deshalb länger in der Warteschleife? Dringend saniert werden müssten beispielsweise die Ortsdurchfahrt von Brucken und der Heerweg in Oberlenningen samt Wasser- und Abwasserleitungen.

Wir starten derzeit keine neuen größeren Vorhaben im Tiefbau. Das macht ohne explizite Fachkenntnisse im Rathaus wenig Sinn und birgt die Gefahr von Fehlentscheidungen. Laufende Maßnahmen wie die Straßen- und Feldwegeunterhaltung oder Projekte wie die Böschungssicherung an der Lauter machen wir. Die großen Sanierungen, wie beispielsweise im Oberlenninger Heerweg und der Ortsdurchfahrt Brucken, mussten auch nicht verschoben werden. Wir haben über die bereits vorliegende Entwurfsplanung hinaus noch nichts über den zeitlichen Ablauf entschieden. Diese Sanierungen stellen auch von der finanziellen Seite her Herausforderungen dar.

In den Radweg zwischen Unterlenningen und Brucken soll eine Wasserleitung eingezogen werden. Wie sieht es damit aus?

Diese zusätzliche Wasserleitung wartet noch auf die Aufnahme zur Landesförderung. Mit Blick auf das, was uns beim Ausbau der Kindergarten- und Schulkindbetreuung in nächster Zeit bevorsteht, wird der Gemeinderat zudem die Prioritätenliste der kommenden Jahre genau anschauen. Da müssen wir dann abwarten, was wir tatsächlich zeitnah umsetzen können, auch wenn wir unter anderem den Vorgaben der Eigenkontrollverordnung gerecht werden müssen. Klar ist, dass die genannten Projekte ohne Fachleute im eigenen Haus nicht erfolgreich gestemmt werden können. Daher freue ich mich auf den Arbeitsbeginn unseres neuen Tiefbauamtsleiters im kommenden Jahr. An ihm ist es im Übrigen dann auch, eigene Schwerpunkte vorzuschlagen.

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