Lenninger Tal

Schon in der DDR wurde Gras zur Papierherstellung genutzt

Verfahrenstechnik Die Entwicklungsarbeit bei der Papierfabrik Scheufelen in Oberlenningen geht weiter.

Auf Wiesen kann einer der Rohstoffe für die Papierindustrie gewonnen werden: Gras. Foto: Dieter Ruoff
Auf Wiesen kann einer der Rohstoffe für die Papierindustrie gewonnen werden: Gras. Foto: Dieter Ruoff

Lenningen. Wer hat‘s erfunden? Das Patent auf Verwendung von Graspellets für die Papierindustrie hat Uwe D‘Agnone aus Hennef im Jahr 2011 angemeldet. „2012 habe ich die Firma Creapaper in der jetzigen Form gegründet“, erklärt der Industriekaufmann. Seit dieser Zeit sucht er Investoren, damit seine Idee umgesetzt werden kann. Den Anfang machte er vor über sechs Jahren in einer Druckerei in der Eifel.

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Für seine Ideen wurde er ausgezeichnet. Das Bundesumweltministerium und der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) haben beispielsweise Creapaper den IKU Innovationspreis Klima und Umwelt 2017 in der Kategorie „Produktinnovationen für den Klimaschutz“ verliehen.

Was Bäume in den Himmel wachsen lässt ist der Stoff Lignin. Vorwiegend aus Bäumen wird der Zellstoff gewonnen, der unerlässlich für die Papierherstellung ist - allerdings ohne Lignin, das chemisch herausgelöst werden muss. „Wenn Lignin die Bäume hochwachsen lässt, haben niedrige Pflanzen weniger Lignin - und dann ist eine Grasfaser eigentlich ideal“, dachte sich Uwe D‘Agnone und begann zu experimentieren.

Damit war er allerdings nicht der Erste. „Gras wird schon seit langer Zeit zur Papierherstellung genutzt. In der DRR wurde mangels Devisen Gras als Zusatzstoff verwendet - das ist wie Tabak verlängern“, erklärt Dr. Ulrich Scheufelen von der gleichnamigen Papierfabrik in Oberlenningen.

Von der Idee des Graspapiers angetan, begann die Papierfabrik zunächst gemeinsam mit Uwe D‘Agnone das Verfahren zu optimieren, denn D‘Agnone fehlten die Papiermaschinen. Zu diesem Zweck wurde auch der Packaging Campus in Lenningen eingerichtet, wo geforscht und Verfahren entwickelt werden und der Teil des „Steinbeis Transferzentrums“ ist. Ende vergangenen Jahres trennten sich jedoch die Wege von Papierfabrik und Uwe D‘Agnone.

Am Campus wird weiterhin gearbeitet. „Wir haben neue Ideen eingeführt. So können wir exclusiv offset drucken“, erklärt Stefan Radl­mayr, Geschäftsführer bei Scheufelen. „Wir verwenden Pferdekost“, sagt er über seinen Grasrohstoff - es sind Heupellets, die üblicherweise in den Futtertrögen landen. Iris Häfner