Lenninger Tal

Schüler müssen drinnen bleiben

Einsatzübung in Schopfloch stellt hohe Schlagkraft der Lenninger Feuerwehr unter Beweis

Schüler müssen drinnen bleiben
Schüler müssen drinnen bleiben

Lenningen. Papier hat im Untergeschoss der Schopflocher Grundschule aus ungeklärter Ursache Feuer gefangen. Als die Freiwillige

Feuerwehr Lenningen, Abteilung Schopfloch, im Knaupenweg 17 eintrifft, um im Rahmen ihrer Hauptübung den Ernstfall zu proben, dringen bereits dichte Rauchschwaden aus dem Eingangsbereich. In Windeseile erkundet Einsatzleiter Ralf Kächele die Lage, während die Kameraden Schläuche ausrollen und an die Verteiler anschließen.

Die Atemschutzgeräteträger David Berger und Uli Hiller werfen sich ihre Pressluftatmer über die Schultern und befestigen einen „Totmanngeber“ an ihrer Einsatzkleidung. Das mobile Warngerät löst einen Voralarm aus, wenn sich die Kameraden nicht bewegen. Bleiben sie auch nach diesem ersten Warnsignal regungslos, wird ein optischer und akustischer Alarm von etwa 100 Dezibel ausgelöst. Dadurch können Helfer bewusstlose Kameraden schneller und leichter lokalisieren. Zur zusätzlichen Sicherung registriert Jens Winkle die Rettungskräfte mit einem elektronischen Überwachungssystem, das es ihm ermöglicht, die Einsatzzeit der Atemschutzgeräteträger im Blick zu behalten. Im Ernstfall ist so für die Eigensicherung der Feuerwehrleute gesorgt.

Als David Berger und Uli Hiller in das verrauchte Gebäude vordringen, können sie nicht einmal mehr die Hand vor Augen sehen. Also gehen die beiden Männer in die Hocke und arbeiten sich mit abgespreiztem Bein an den Wänden entlang durch das Gebäude. „Bei einer derart schlechten Sicht wird das Bein zur Personensuche eingesetzt“, erklärt Hiller. Bevor er und David Berger in die Klassenzimmer vordringen, öffnen sie die Türen einen Spalt und geben mit dem Strahlrohr einige Wasserstöße an die Decke ab, um die Temperatur im Inneren der Räume abzusenken. So wird eine Rauchgasdurchzündung unterbunden, also das plötzliche Durchzünden und Abbrennen von Pyrolysegasen, die entstehen, wenn Stoffe wie Holz, Plastik oder Gummi so weit erhitzt werden, dass sie brennbare Gase absondern.

Nach kurzer Zeit stoßen Uli Hiller und David Berger auf den bewusstlosen Hausmeister, den sie ins Freie tragen und der DRK-Bergwacht, Bereitschaft Stuttgart, zur medizinischen Erstversorgung übergeben. Weitere Atemschutzgeräteträger der Freiwilligen Feuerwehren Römerstein-Böhringen und Bissingen, Abteilung Ochsenwang, retten die eingeschlossenen Schüler und ihre Lehrer ins Freie. Dort hat die Abteilung Gutenberg der Freiwilligen Feuerwehr Lenningen zwischenzeitlich eine Riegelstellung aufgebaut, die im Einsatzfall die Wärmeabstrahlung verringert und Funkenflug unterbindet. So wird laut Gerhard Bächtle, Kommandant der Abteilung Gutenberg, verhindert, dass das Feuer auf nahegelegene Gebäude übergreift.

„Dass die Lehrer mit ihren Schülern beim Alarm ins Freie gehen, ist im Grunde ein Relikt aus Kriegszeiten“, sagt Michael Eberle, Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Lenningen. „Wir raten dazu, im Klassenzimmer zu bleiben, bis die Kameraden eintreffen, da es andernfalls schwierig wird sicherzustellen, dass tatsächlich alle Schüler und Lehrer das Schulhaus verlassen haben.“ Im Ernstfall würde die starke Rauchentwicklung den Gang nach draußen zum Problem machen: Sie erschwert die Atmung erheblich und die Sicht ist zudem schlecht. „Die Gefahr einer Rauchvergiftung ist dann sehr groß“, erklärte Eberle. „Und im Ernstfall kann auch Panik ausbrechen. Schüler springen durcheinander oder verlaufen sich, und am Ende ist es kaum möglich, alle Kinder im Blick zu behalten.“

Bei der Simulation zeigt sich auch, dass die Zusammenarbeit mit den Feuerwehren Römerstein-Böhringen und Bissingen, Abteilung Ochsenwang, hervorragend funktioniert. Laut dem Kommandanten haben sich die vielen Übungsstunden der Kameraden im Rahmen der Überlandhilfe ausgezahlt: „Den Kameraden muss dafür gedankt werden, dass sie für die Sicherheit der Bevölkerung ihre Freizeit investieren und gemeinsam regelmäßig üben, damit im Notfall alles reibungslos funktioniert.“

Die Überlandhilfe sei vor allem mit Blick auf die Tagesverfügbarkeit der Feuerwehrleute wichtig. „Die Übung hat gezeigt, dass wir hier sehr gut aufgestellt sind.“

Schüler müssen drinnen bleiben
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An der Schopflocher Grundschule übten Floriansjünger den Ernstfall. Die Schlauchverbindungen wiesen dabei eine Gesamtlänge von 1
An der Schopflocher Grundschule übten Floriansjünger den Ernstfall. Die Schlauchverbindungen wiesen dabei eine Gesamtlänge von 1,8 Kilometer auf. Durch die eingesetzten C-Rohre flossen pro Minute etwa 200 Liter Wasser. Foto: Daniela Haußmann
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