Lenninger Tal

Schwingende Luftsäulen summen durch die Höhle

Die Reihe „Kultur an besonderen Orten“ bringt einen Didgeridoo-Spieler in die unterirdische Welt der Tropfsteine

Dieter Iby verzauberte sein Publikum mit Didgeridoo und Caisa.Foto: Daniela Haußmann
Dieter Iby verzauberte sein Publikum mit Didgeridoo und Caisa.Foto: Daniela Haußmann

Lenningen. Fossile Knochenfunde, atemberaubende Gesteinsformationen und eine faszinierende Geogeschichte – die Gutenberger Höhle

hat viel zu bieten. Eine ganz neue Seite des Naturdenkmals lernten rund 60 Besucher am vergangenen Freitag bei einem Didgeridoo-Konzert kennen. Dieter Iby hauchte den Karsthallen hinterm Heppenloch Leben ein. Mit Didgeridoos aus Eschen-, Zwetschgen- und Ahornholz brachte der Percussion-Musiker die Gutenberger Höhle zum Summen, Brummen und Vibrieren. Tiefe, bassartige Klänge drangen in jeden Winkel des unterirdischen Hohlraums.

Der Bautechniker, der sich seit 16 Jahren für das Instrument begeistert, schlug aber auch leise, weiche, fili-grane Töne an, die seine Zuhörer auf eine Entdeckungsreise der besonderen Art entführten. Manche schlossen die Augen, wiegten sich im Rhythmus der Musik und ließen für zwei Stunden Stress und Hektik des Alltags hinter sich. Untermalt von sphärischen Obertönen einer Kristallklangschale, entwickelte sich das Konzert zu einem durchdringenden Erlebnis, das verschiedenste Generationen begeisterte.

Schroffe Felswände, hohe Gewölbe, Tropfsteine und bizarre Sinterformen schufen für das Konzert ein her-ausragendes Ambiente. In Kombination mit dem von Dieter Iby erzeugten Akustiksound entstand eine berührende Atmosphäre, die einmal mehr die Schönheit und Einzigartigkeit der Gutenberger Höhle hervorhob. Der Musiker aus Heiningen, der in knapp zwei Jahren das Didgeridoo-Spiel erlernte, unterstrich sein Spiel auf dem Instrument der australischen Aborigines auch mit einer Caisa. Dabei handelt es sich um eine konvexe Steel Pan. Mit den Händen entlockte ihr Dieter Iby hohe und kristallklare Klänge, die mit dem Sound des Didgeridoo eine stimmige und erhebende Einheit bildeten. Damit erhielt das Konzert, das im Rahmen von „Kultur an besonderen Orten“ stattfand, eine schwungvolle und energiegeladene Note.

Dieter Iby, der sein Publikum vom ersten Ton an gefangen nahm, berichtete, dass Klangveränderungen auf dem Didgeridoo beispielsweise durch Zungenroller wie „r“ und durch vokalartige Töne sowie durch Verengungen des Mundraums erzeugt werden. Ein wichtiges klangbildendes Element ist laut Iby eine schwingende Luftsäule. Ihre Länge und Form sei unter anderem entscheidend für die Klangcharakteristik, die Tonhöhe oder die Spielbarkeit des Grundtons sowie der überblasenen Töne.

An Dieter Ibys Didgeridoos haben sich im Gegensatz zu den aus einem Eukalyptusstamm bestehenden Materialvarianten des Instruments keine Termiten zu schaffen gemacht. Die Insekten höhlen den Eukalyptusstamm aus. „Bei meinen Didgeridoos wurde der Stamm aufgesägt, ausgehöhlt und anschließend wieder verleimt“, erzählte der Musiker, der betonte, dass kein Didgeridoo gleich klinge. Doch das sei für den Laien kaum hörbar.

Für Dieter Iby stellte die musikalische Darbietung in der Gutenberger Höhle sein drittes Höhlenkonzert dar. Auch für ihn ist der Auftritt an derartigen Orten immer ein besonderer Höhepunkt in seinem musikalischen Wirken. Häufig zieht er mit seinem Spiel Menschen auf der Stuttgarter Königsstraße in seinen Bann. Genau wie beim Konzert in der Gutenberger Höhle entstehe dabei eine besondere Verbindung zum Publikum. „Die Energie, die ich mit meinem Didgeridoo abgebe, fließt von Menschen zu mir zurück“, erklärt er. „Das erfüllt mich mit großer Freude.“

Eine Erfahrung, die er auch am Freitagabend im Gutenberger Naturdenkmal machte, wo die Zuhörer Schulter an Schulter dicht um ihn standen. Das verlieh dem Konzert eine ganz persönliche Note. Ortsvorsteher Dietmar Jauss war vom großen Erfolg der Veranstaltung überwältigt. Ob es etwas Vergleichbares noch einmal in der Gutenberger Höhle geben wird, konnte er abschließend noch nicht zusichern. Ausgeschlossen sei es aber nicht.

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