Lenninger Tal

Schwupps, und die Bustür ist zu

Öffentlicher Personennahverkehr Weil morgens der Andrang in den Bus in Richtung Oberlenninger Schulzentrum zu groß war, blieben Owener Schüler einfach an der Haltestelle zurück. Von Iris Häfner

Owener Schüler sahen den Bus nicht nur von vorn, sondern auch die Rücklichter, als sie stehen gelassen wurden. Foto: Jean-Luc Ja
Owener Schüler sahen den Bus nicht nur von vorn, sondern auch die Rücklichter, als sie stehen gelassen wurden. Foto: Jean-Luc Jacques

Zweiter Schultag - und der Busfahrer schließt den Kindern vor der Nase die Türe zu und fährt dann ohne sie weiter Richtung Schulzentrum Oberlenningen. Genau das ist dem Patenkind von Jochen Eberhardt passiert. In der jüngsten Sitzung des Owener Gemeinderats zeigte er wenig Verständnis für die überfüllten Busse, zumal dies nicht der erste Fall war, dass Kinder stehen geblieben waren.

Im aktuellen Fall hatte der Busfahrer am Tag zwei nach den Sommerferien kurzerhand die zweite Hälfte der Schülergruppe in Owen nicht mehr einsteigen lassen. Schnurstracks rannte das Patenkind gegen 7 Uhr wieder nach Hause, damit es seine Mutter rechtzeitig in die Schule bringen konnte. „Ist das normal oder kann der Opa eine private Buslinie aufmachen?“, fragte der Gemeinderat in die Runde. Ihn ärgerte aber auch der Rat des Busfahrers an die Kinder: Sie sollten einfach einen Bus früher nehmen, der wäre nicht so voll.

Klaus Neckernuss, Amtsleiter Kommunalaufsicht und Öffentlicher Personennahverkehr beim Landratsamt Esslingen, ist das Problem zwischenzeitlich bekannt. Die Beschwerde einer Mutter hat ihn erreicht. Ihr Kind ist ebenfalls an einer Owener Bushaltestelle nicht mitgenommen worden. „Wir sind zu Schuljahresbeginn wegen der veränderten Schülerzahlen in einer neuen Situation“, erklärt er. Wie viele Schüler tatsächlich befördert werden müssen, erfahre das Busunternehmen recht kurzfristig. Kapazitätsengpässe würden jedoch so schnell als möglich durch zusätzliche Busse beendet.

„Parallel zum Bus gibt es im Lenninger Tal noch den Schienenverkehr, der fährt in Owen eine halbe Stunde später ab, und das reicht, um pünktlich zum Unterrichtsbeginn im Schulzentrum zu sein - und darauf hätte der Busfahrer hinweisen müssen“, sagt Klaus Neckernuss. Im Zug gibt es freie Kapazitäten, weshalb kein Zusatzbus zum Einsatz kommt. „Das ist ein Verteilerproblem“, so der Amtsleiter. In Owen fährt der Zug um 7.29 Uhr am Bahnhof ab und ist dann um 7.37 Uhr in Oberlenningen. „Die Schule beginnt um 7.45 Uhr. Das ist dann zwar sportlich, rechtzeitig an der Schule zu sein, aber der Bus aus Erkenbrechtsweiler kommt immer um 7.35 Uhr und da funktioniert es auch“, so Klaus Neckernuss. Wobei er zugibt, dass es für die Owener Schüler, die morgens nicht am Geschichtshaus, sondern an der Teckhalle oder dem Rebenweg einsteigen wollen und dann keinen Platz mehr im Bus Richtung Lenningen bekommen, eine ordentliche Strecke bis zum Bahnhof ist.

Unregelmäßigkeiten macht der Amtsleiter immer wieder bei den Fünftklässlern aus. „Im Prinzip ist es jedes Jahr das gleiche Problem. Das ist eine Geschichte, die sich einspielt. Wenn alle wissen wie‘s geht, läuft alles von selber“, ist seine Erfahrung. Bei Schülerverkehren sei jedoch „immer ‘was“. „Wir stehen Gewehr bei Fuß. Spätestens einen Tag danach reagieren wir“, sagt Klaus Neckernuss. Nachmittags ist beispielsweise so ein Fall. „Der Zug fährt fünf Minuten zu früh, dann muss notfalls auch ein Zusatzbus in dieser Lücke fahren“, will er den Kindern keine zusätzliche Wartezeit von 55 Minuten zumuten. „Das machen wir üblicherweise auf Zuruf“, so Klaus Neckernuss.

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