Lenninger Tal

Sie musizieren aus Freude am Leben

Benefiz Um 3 Uhr morgens waren Judy Bailey und ihre Band aufgestanden, in Rumänien. Auf zum nächsten Konzert: Um 17 Uhr in Owen. Von Peter Dietrich

Judy Bailey und ihre Band reißen die Menschen in der Owener Marienkirche mit. Pfarrer Ekkehard Graf freut sich über Spenden für
Judy Bailey und ihre Band reißen die Menschen in der Owener Marienkirche mit. Pfarrer Ekkehard Graf freut sich über Spenden für Kinderprojekt in Nethanja.Fotos: Peter Dietrich

Der Pfarrer wird 50 und macht sich und der Kirchengemeinde ein Geschenk, ein Konzert mit Judy Bailey. Sponsoren legen zusammen, Pfarrer Dr. Ekkehard Graf noch was drauf, so kommen bei freiem Eintritt alle Spenden der Nethanja-Arbeit in Indien zugute.

Und so kommt es, dass Judy Bailey nach 21 Jahren nach Owen in die evangelische Marienkirche zurückkehrt. „Wer war damals dabei?“, fragt sie während des Konzerts, da gehen einige Hände nach oben. Auch in Sibiu (Hermannstadt) habe ein Konzertbesucher gewusst, wie Owen richtig auszusprechen sei.

Warm ist nicht nur die geheizte Kirche, warm ist auch das Pub­likum. Baileys Begeisterung springt sofort in die gut gefüllte Kirche über, die Zuhörer singen schon beim ersten Lied mit. Bailey fordert ausdrücklich dazu auf, einmal holt sie sich einen Backgroundchor von je fünf Männern und Frauen auf die Bühne, ein anderes Mal Teilnehmer eines Workshops in Ludwigsburg. Sie geht durch die Reihen und hält Zuhörern das Mikrofon hin. Außerdem befindet sie, bei einem Geburtstag könnten nicht nur die Konzertbesucher für den Pfarrer singen, sondern auch der Pfarrer für die Besucher. Das war natürlich ein bisschen abgesprochen, und weil Graf Baileys Glaubensbekenntnislied zwar von Baileys CD „One“ gut kannte, aber noch nicht ganz auswendig, hatte er einen kleinen Spickzettel dabei. Wie Bailey andere ermuntert, mitzumachen, und sich dabei selbst zurücknimmt, ist großartig. Großartig ist auch ihre Band, bestehend aus ihrem Ehemann Patrick Depuhl (Gesang und Percussion), Leroy Johnson aus dem englischen Leeds (Gitarre und Bass), dem Kölner Gitarristen Thilo Speckmann und dem Kölner Schlagzeuger Gerald Lieberum. Patrick macht zusätzlich den Übersetzer, Englisch-Deutsch und zurück, Johnson tritt auch als Solist mit seinem neuen Titel „Save the Children“ auf: Wer die Kinder rettet, rettet die Welt.

Ihre Lieder verbindet Bailey mit kleinen Moderationen. „Heute ist der Tag, denn Gott gemacht hat, und wir sind am Leben, wir nehmen das nicht selbstverständlich.“ Nicht selbstverständlich ist auch, dass Menschen eine Heimat haben: „Es gibt Millionen Leute, die nicht nach Hause gehen können.“ Ergreifend und ausnahmsweise etwas ruhiger besingt Bailey den Ort, an dem jemand gewollt ist, „an dem du du selbst sein kannst, ohne dich erklären zu müssen“.

Bailey, die Weltmusikerin aus Barbados, liefert ansonsten kein leises Konzert, will es gerne aus Freude am Leben und zur Ehre Gottes ein wenig krachen lassen: „Let’s make some noise!“

Dass so einige Lieder beim Pub­likum schon bekannt sind, ist gut zu hören, nicht erst, als Bailey nach knapp zweieinhalb Stunden mit allen gemeinsam als Zugabe ihren Ohrwurm-Hit „Jesus in My House“ singt.

Bei aller Fröhlichkeit blendet Bailey die Probleme dieser Welt nicht aus. „Wir haben Ängste vor Kriegen, Flüchtlingen, Terrorismus, Donald Trump, so viele Fragen. Aber es bleibt, wir vertrauen Gott. Wir vertrauen, dass wir leben können, denn Gott wird diese Welt nicht auseinanderfallen lassen.“ Und Bailey betont die Verantwortung jedes Einzelnen: „Wir können nicht die ganze Welt retten, aber einem Menschen helfen, kleine Schritte zu tun.“

Judy Baileys Fazit des Konzerts: „Das war es wert, heute früh um 3  Uhr aufzustehen.“ Das augenzwinkernde Versprechen ihres Mannes: „Wir sehen uns in 21 Jahren wieder.“

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