Lenninger Tal

Sieben Ortsteile auf einen Streich

Ehrenamtliche verpflegen 700 Gäste

Zum „Abend der Begegnung“ nach dem Eröffnungsgottesdienst des Deutschen Evangelischen Kirchentags werden am morgigen Mittwoch in Stuttgart bis zu 250 000 Besucher erwartet. Zu deren Verpflegung steuern die evangelischen Kirchengemeinden am Albtrauf 700 Portionen bei. Der logistische Aufwand ist enorm.

Lenningen. Von „Gaisburger Marsch“ mag Bruckens Pfarrerin Margarete Oberle nicht sprechen. Diesen Namen möchte sie den Stuttgartern überlassen, deren Stadtteil Gaisburg dem schwäbischen Eintopf seinen Namen gab. Doch der Name würde passen, denn heute werden im Lenninger Tal Kartoffelschnitze, Spätzle und Rindfleisch verarbeitet, für 700 Portionen. Alle Zutaten kommen aus der Region, alles muss nach dem Kochen eingeschweißt und heruntergekühlt werden. Die Leitung der Kochaktion hat die Hauswirtschaftsmeisterin Margret Schade, Chefin der Oberlenninger Schulmensa, übernommen.

Insgesamt 40 Mitarbeiter aus sieben Orten und Ortsteilen sind für die Verpflegungs- und Begegnungsaktion am Werk, sie kommen aus Ober- und Unterlenningen, Gutenberg, Brucken, Schopfloch, Hochwang und Erkenbrechtsweiler. Die Kühlkette darf nicht abreißen, ein Metzger hat einen Kühlwagen ausgeliehen. 1 000 Flaschen Apfelsaftschorle, natürlich aus Äpfeln von heimischen Streuobstwiesen und in echten Pfandflaschen, müssen ebenfalls nach Stuttgart gebracht werden. Sie werden dort in einer Halle kühl gehalten – falls der 3. Juni ein heißer Tag wird.

Am Mittwochmorgen um 9.30 Uhr trifft sich das Aufbauteam. Ab 12 Uhr ist die Zufahrt zum Standplatz, hinter dem Glaswürfel am Kunstmuseum auf dem Kleinen Schlossplatz, geöffnet. Um 16 Uhr müssen alle Fahrzeuge, bis auf die Kühlfahrzeuge, wieder draußen sein. Zelte müssen aufgebaut werden, Biertischgarnituren aufgestellt und der Stand dekoriert werden. Der Albtrauf hat seinen Platz auf der „Esslinger Meile“, gemeinsam mit den anderen Ständen aus dem Landkreis Esslingen gehört er zur blauen Region Stuttgart. Also tragen die Mitarbeiter zu den Vesperkirchen-Schürzen blaue T-Shirts, ist der Stand blau dekoriert, ein 30 Meter langes, genähtes blaues Band verbindet die Stände – Eduard Mörike lässt grüßen. Die Gemeinden am Albtrauf, an der „blauen Mauer“ gelegen, stellen sich mit Postern und Fotos und mit einer dreidimensionalen Landkarte vor. Als Mitmachangebot gibt es Origamifalten.

Fünf Vorbereitungstreffen hat das Kernteam hinter sich. „Irgendwann ist uns eingefallen, dass wir Licht brauchen“, sagt Oberle. Auch gekocht werde mit Strom. An Starkstrom darf nicht jeder ran, doch der ehrenamtliche Elektriker wurde gefunden. Das Geschirr liefert der Kirchentag, in Hunderter-Gebinden. Einweg ist tabu.

2,50 Euro nehmen die Albtrauf-Gemeinden pro Portion, den Nachschlag für Hungrige inklusive. „Wir wollen nicht reich werden, sondern gute Gastgeber sein“, sagt Oberle. Die Mitarbeiter haben auch mal frei, um selbst „Kirchentagsluft“ zu schnuppern. Ab 23.30 Uhr ist dann die Zufahrt frei für das Abbauteam, die anderen Mitarbeiter fahren solange per S-Bahn nach Hause.

„So langsam freuen sich die Leute“, sagt Pfarrerin Oberle. Bei allem Aufwand und aller Anspannung ist für sie die Zusammenarbeit über die Kirchengemeindegrenzen hinweg eine gute Erfahrung: „Man stützt sich gegenseitig.“

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