Lenninger Tal

Soldatensiedlung wird „Wohlfühlwelt“

110 Jahre lang gab es das Alte Lager in Münsingen: Vor zehn Jahren packte der letzte Soldat

Vor zehn Jahren hat der letzte Soldat die langjährige Garnisonsstadt Münsingen auf der Alb verlassen. Damit wurde nach elf Jahrzehnten das Ende des Truppenübungsplatzes und des Alten Lagers eingeläutet.

Münsingen. Es ist Winter 2005. Es ist kalt. Die Straßen und die Gebäude im Alten Lager sind schneebedeckt. Stabsfeldwebel Volker Mohl vom Lazarettregiment 75 trägt eine olivgrünen Wanne, in dem sich Utensilien aus seinem Büro befinden. Außerdem hat er dort ein gerahmtes Bild verstaut, das das Lager und die vier Beobachtungstürme auf dem Truppenübungsplatz zeigt. Wehmütig steigt er in sein Auto.

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Der damals 48-Jährige ist der letzte Soldat, der das Alte Lager und damit die letzte militärische Liegenschaft der Garnisonsstadt Münsingen verlässt. Die nur ein paar Kilometer entfernte Herzog-Albrecht-Kaserne, die heutige Parksiedlung, und das Remontedepot Breithülen, in der inzwischen eine Schuhfabrik residiert, wurden schon ein Jahr zuvor geschlossen.

Kurz zuvor hatten bereits die beiden verbliebenen Soldaten der einst 110-köpfigen Kommandantur, Oberstleutnant Dieter Kargl und Hauptfeldwebel Andreas Schimanski, den Schlagbaum am Wachgebäude zum letzten Mal passiert.

In den vergangenen 110 Jahren gab es auf dem Schießplatz 34 verschiedene deutsche und französische Kommandanten. Vor und während der beiden Weltkriege wurde das Alte Lager immer wieder erweitert. Nach der Kapitulation 1945 übernahm die französische Armee das Areal, das sie 1992 an die Bundeswehr zurückgab. Die längste Dienstzeit dort hatte Dieter Kargl, der von 1992 bis 2005 Chef des 6 500 Hektar großen Areals war.

Die Bundesdienstflagge am Eingang zum Alten Lager wehte noch bis zum 31. Dezember 2005. Am Nachmittag holte die zivile Wachmannschaft die schwarz-rot-goldene Fahne nieder und übergab sie der Bezirksstelle Münsingen, die damals zur Standortverwaltung Ulm gehörte. Damit war die 110-jährige militärische Geschichte des Alten Lagers für immer beendet.

Knapp ein Jahrzehnt lang schlummerte die ehemalige Soldatensiedlung vor sich hin, von der ein Großteil unter Denkmalschutz steht. Seit rund zwei Monaten gehört sie nicht mehr dem Bund, sondern dem ehemaligen Nudelhersteller Franz Tress, der da­raus in den nächsten Jahren die „Wohlfühlwelt Albgut“ machen will.