Lenninger Tal

„Soll ich‘s wirklich machen?“

Vernissage Großes Interesse kam Walter Müller mit seinen Holzschnitt-Arbeiten im Oberlenninger Schlössle entgegen. Dabei musste er zur Ausstellung seiner Kunst sogar überredet werden. Von Sabine Ackermann

Als Mathe- und Physiklehrer ist er vielen bekannt: Walter Müller (links) ist aber auch seit 40 Jahren künstlerisch tätig. Foto: Sabine Ackermann

Ob die „Frau im Rechteck“ was mit dem „Schwarzwälder“ hat und die „Katze“ heimlich ans „Vogelfisch-Nest“ pirscht? Ob die „Eule“ sich hinterm „Weinstock“ versteckt, während die „Flötenspielerin“ dem „Gitarrenspieler“ was vorpfeift? Oder ob sich der kesse „Hosenscheißer“ - der sein Fähnlein steil in den Wind hängt - die „Tanzmusikanten“ zum Feiern mit ins Boot holt - eine kleine Geschichte erzählen die Holzschnittarbeiten von Walter Müller allemal. Mal scheinen sie humorvoll, mal wirken sie nachdenklich, so wie die Werke „Bedrückter“, „Ende“, „Verzweiflung“ oder „Unterdrückung“. Im letzten Bild bestärkt das Wort „Jawohl“ zwischen den zwei unterschiedlich großen Fabelwesen die Titelauswahl.

Doch bevor sich die rund 40 Besucher näher mit den insgesamt 37 Kunstwerken befassten, offenbarte Jürgen Bartl erst mal seine Kunst auf seiner Resonatorgitarre aus Eisen, die man auch Dobro nennt. Der bekannte Kirchheimer Gitarrist beeindruckte mit einer melodiösen Auswahl an Blues und Ragtime-Stücken. „Ist das der Lehrer Walter Müller?“ oder aber auch „Ist das der Musiker Walter Müller?“, verrät Ev Dörsam die häufigsten Fragen, die ihr in den vergangenen Wochen gestellt wurden. Die Leiterin der Gemeindebücherei Oberlenningen, die ihre Stelle gemeinsam mit Stefan Lipka inne hat, antwortet mit einem deutlichen „Ja, sowohl als auch“. Schon zu Lehrerzeiten habe er Kunstprojekte geleitet, sein Talent konnte man in frühen Plakaten, die er für Musikauftritte gestaltet hat, erahnen. Das Arbeiten, anfänglich mit Linoleum und später dann mit Holz, sei für ihn ein guter Ausgleich zu seiner Tätigkeit als Mathematik- und Physiklehrer gewesen, erzählt Ev Dörsam in ihrer kurzweiligen Einführung über den 69-jährigen Hobbykünstler.

„Unter Holzschnitt versteht man zum einen die Kunst, ein Bild in eine Holzplatte zu schneiden, zum anderen aber auch die Drucktechnik, von einem solchen Bild einen wertigen Druck auf Papier zu erzeugen“, klärt sie über die Arbeitsweise auf und erzählt darüber hinaus einiges zur Geschichte dieser Gestaltungskunst, die ursprünglich aus dem Orient kommt. Die meisten seiner Drucke sind schwarz-weiß und bestechen durch ihre Einfachheit und die daraus entstehende Ausdruckskraft. „Meine Bilder habe ich in den letzten 40 Jahren erarbeitet“, sagt Walter Müller und fügt schmunzelnd hinzu: „Ich habe lange überlegt, ob ich diesen Schritt einer Ausstellung überhaupt mache.“ Das bestätigt zudem Ev Dörsam, die den Künstler dazu überreden musste. „Diese Ausstellung könnte sich im Landesmuseum sehen lassen - „schon lange nicht mehr so lang eine Ausstellung angeguckt, einschließlich der vielen Begegnungen und Gespräche“, ist dann auch im Gästebuch zu lesen.

Info: Die Holzschnitte sind noch bis zum 14. Juli im Oberlenninger Schlössle zu sehen.

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