Lenninger Tal

Starthilfe für künftige Existenzgründer

Auftakt für Achtklässler der Lenninger Realschule – Projekt läuft bis Sommer

Hochrangigen Besuch haben zwei achte Klassen der Realschule Lenningen gestern bekommen. Professor Peter Schäfer, Leiter des Referats „Existenzgründung und Unternehmensnachfolge“ im Stuttgarter Wirtschaftsministerium, gab den Schülern wertvolle Tipps für eine etwaige Selbstständigkeit an die Hand.

David Gabler (oben li.) und Max Grieb

David Gabler (oben li.) und Max Grieb gewannen mit ihrem Skate-Multitool 2015 den landesweiten NFTE-Wettbewerb. Foto: Jean-Luc Jacques (Archiv)

Lenningen. Eine Art Turbine, mit deren Hilfe sich Reifen aufpumpen lassen oder Scheibenwischer für regennasse Brillengläser – einzelne Achtklässler der Lenninger Realschule sind bereits mit Ideen für ein Existenzgründerprojekt in die Aula gekommen. Ob sich daraus tatsächlich ein lukratives Geschäft machen lässt, muss sich zeigen. Bis in den Sommer hinein werden zwei Klassen im Rahmen von „Wirtschaften, Verwalten, Recht“ Business-Pläne erstellen und ihre Vorhaben soweit möglich in die Tat umsetzen. Gestern bekamen sie von Professor Peter Schäfer, Leiter des Referats „Existenzgründung und Unternehmensnachfolge“ im Stuttgarter Wirtschaftsministerium, zwei Vertretern von Network For Teaching Entrepreneurship (NFTE) für ihr gleichnamiges Projekt Starthilfe aus erster Hand.

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„Eure persönlichen Interessen können und sollen einfließen“, sagte die Rektorin der Realschule, Dunja Salzgeber. Ein Ziel sei, die Stärken der Schüler zu stärken. Sie erinnerte an die erste NFTE-Runde im vergangenen Jahr und daran, dass zwei Lenninger Schüler landesweit den ersten Platz gemacht hatten. Sie durften als Vertreter Baden-Württembergs nach Berlin reisen.

Professor Peter Schäfer warb für die Existenzgründung: „Wir brauchen Nachwuchs bei Unternehmern.“ Wichtig sei, die berufliche Selbstständigkeit in die schulische und berufliche Planung aufzunehmen. Das heiße nicht, dass jeder Unternehmer werden müsse. Personalverantwortung zu tragen und Geldnöte bereiteten nicht selten Sorge. Manchmal würden auch fiktive Geschäftsideen real. Zahlreiche Gründungen seien aus Zufall entstanden.

Unternehmen sind gemäß Schäfer dann erfolgreich, wenn sie einen Bedarf decken, die Kunden einen Nutzen davon haben und das Produkt angemessen bezahlt wird. „Wenn wir Schwaben etwas sparen können, kaufen wir es besonders gern“, lautete ein Merksatz des Referatsleiters. Ein Nutzen könne jedoch auch sein, Zeit zu sparen, so beispielsweise, seinen Hund von einem Service ausführen zu lassen.

Schäfer hatte Beispiele dafür parat, dass es Unternehmern gelungen ist, einen bestimmten Bedarf zu decken. So hatte Robert Kull in den 1930er Jahren die bis heute viel verwendete Spätzle-Presse erfunden. Vor vier Jahren brachte die Tübingerin Susann Hartung den Spätzle-Shaker als moderne, zeitsparende Variante auf den Markt. Bei „frizle“ kommen die Spätzle sogar direkt aus der Verpackung. Egal um welchen Bereich es sich handle, müsse man sich fragen, ob der Markt dafür reif ist beziehungsweise ob es sich nur um eine Eintagsfliege handelt.

Martin Müller, Landesmanager Baden-Württemberg von NFTE Deutschland und unter anderem Gründer mehrerer Kindergärten, gab den Schülern mit auf den Weg, die Zertifikate mit in die Bewerbungsmappen zu legen. „Nur gute Noten reichen nicht.“ In dem Projekt gehe es um Eigeninitiative und selbstständiges Lernen. „Wir wollen, dass ihr Erfolg habt und zufrieden seid.“

Den können jetzige Neuntklässler der Realschule schon vorweisen. Noah Gere und Falk Schübelin präsentierten ihre Geschäftsidee, selbstgebaute Fingerboards samt dazugehörenden Rampen zu verkaufen. David Gabler und Max Grieb hatten vergangenes Jahr landesweit sogar die Nase vorn mit ihrem Skate-Multitool, einem Werkzeug, mit dessen Hilfe das sogenannte Grip-Tape auf einem Skateboard aufgebracht werden kann.

Existenzgründungen in Zahlen

Wie Schäfer sagte, gründen jährlich 80 000 bis 100 000 Menschen in Baden-Württemberg ein Unternehmen. Laufe die Konjunktur gut, gebe es weniger Existenzgründer, lahme die Wirtschaft, wagten mehr Menschen den Sprung in die Selbstständigkeit. Weil es den Leuten derzeit gut gehe und die entsprechende Kaufkraft vorhanden sei, sei es momentan ideal, sich selbstständig zu machen. Insgesamt gebe es zurzeit 560 000 Betriebe.ank