Lenninger Tal

Süßes für ein Altern in Würde

500 Schokoladentafeln aus Lenningen zugunsten zweier Hilfseinrichtungen auf dem Kirchheimer Markt verkauft

Süße Köstlichkeiten mit zartem Schmelz lockten Marktbesucher am Samstag zur Schokoladenstraße von Beate Bientzle. Die Konditormeisterin und Patissière aus Lenningen bot in der Kirchheimer Fußgängerzone 17 verschiedene Sorten der leckeren Süßigkeit zum Verkauf. Der Erlös in Höhe von knapp 2 400 Euro kam den Vereinen „Unser Netz“ und „Buefet“ zugute.

Petra Kümmel, Gabriele Riecker, Beate Bientzle, Gabriele Burger und Monique Kranz-Janssen (von links nach rechts) verkaufen in K
Petra Kümmel, Gabriele Riecker, Beate Bientzle, Gabriele Burger und Monique Kranz-Janssen (von links nach rechts) verkaufen in Kirchheim Schokoladentafeln für den guten Zweck. Foto: Daniela Haußmann

Lenningen/Kirchheim. Seit Beate Bientzles Mutter an Demenz leidet, beschäftigt sich die Lenningerin intensiv mit dem Älterwerden in Würde. Hilfseinrichtungen, die die Lebensqualität und soziale Integration im Alter unterstützen und dabei zugleich Familienhilfe leisten, erbringen aus Sicht der Inhaberin der Pralinenwerkstatt Bientzle wertvolle Arbeit. Sie beraten, betreuen und entlasten – das sei für Betroffene und deren Angehörige eine enorme Unterstützung, die die Vereine „Unser Netz“ und „Buefet“ mit engagierten Ehrenamtlichen auf die Beine stellen. Deshalb war es Beate Bientzle ein Anliegen, für die beiden Einrichtungen eine Benefizaktion auf die Beine zu stellen.

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In kurzer Zeit stellte sie in ihrem Betrieb 500 Schokoladentafeln her, die sie jetzt in der Kirchheimer Fußgängerzone zum Verkauf anbot. Knapp 2 400 Euro kamen dabei zusammen. Die wurden zwischen den beiden Hilfseinrichtungen aufgeteilt. Monique Kranz-Janssen von „Buefet“ in Kirchheim und Gabriele Riecker von „Unser Netz“ in Lenningen freuten sich riesig über die Spende. Das Geld soll den Ehrenamtlichen zugutekommen, die mit viel Engagement und Leidenschaft ältere Menschen aufsuchen, begleiten und in deren Alltag wichtige Hilfe leisten. Die Spende wird daher laut Kranz-Janssen und Riecker vorrangig in deren Fortbildung investiert, in Geschenke und Ausflüge, die die Wertschätzung der Arbeit zum Ausdruck bringen sollen.

Unter dem Dach der beiden Einrichtungen sind vielfältige Angebote rund um das Älterwerden gebündelt. „Unsere Ehrenamtlichen bringen Zeit mit, die Pflegekräfte oft nicht mehr haben, weil sie in einem zeitlich engen Rahmen arbeiten“, so Monique Kranz-Janssen. „Das eröffnet Raum für Zuwendung, Kommunikation und Menschlichkeit.“ Das Angebot würden inzwischen auch viele Pflegedienste anbieten, sagt Gabriele Riecker: „Doch für unsere Ehrenamtlichen ist das Engagement für ältere Menschen eine Herzensangelegenheit“, erklärt sie. „So entsteht über Wochen, Monate und Jahre eine enge Beziehung, die dort Lücken schließt, wo Angehörige fehlen.“

Petra Kümmel von der Pralinenwerkstatt Bientzle betont, dass es für die Spendenaktion auch eine Rolle gespielt habe, dass nicht alle Menschen über die finanziellen Mittel verfügen, umfangreiche Pflegeleistungen einzukaufen. „Wenn es Einrichtungen wie ‚Unser Netz‘ oder ‚Buefet‘ nicht gäbe, könnten ältere Menschen nur schwerlich soziale Kontakte aufrechterhalten“, so Kümmel. „Gesundheit und Lebenserwartung hängen stark von sozialen Kontakten ab, und deshalb ist es wichtig, diese Einrichtungen zu unterstützen.“ Entscheidend ist laut Gabriele Riecker aber auch, dass die Menschen Zugang zu vorhandenen Angeboten erhalten. Diesen schaffen die Vereine durch Beratung und Information.

Mehr und mehr gewinnt die Entlastungsfunktion für Angehörige an Bedeutung. „Während man vor zehn Jahren von einer Pflegedauer von drei Monaten bis drei Jahren ausging, lässt sich heute sagen, dass eine Pflegesituation zwischen sieben und neun Jahren andauert“, meint Riecker. Um die Versorgung und Begleitung Pflegebedürftiger über einen derart langen Zeitraum zu gewährleisten, bedürfe es der Hilfe Außenstehender, die mit Rat und Tat zur Seite stehen.

Beate Bientzles Mutter erlebte den Krieg, bestellte auf dem Bauernhof mit Pferden das Feld und zog in der Nachkriegszeit drei Kinder groß. Seit ihre Gedanken neue Wege gehen, versucht sich Beate Bientzle darin einzufinden. Eine herausfordernde Aufgabe, bei der sie aber auch die schönen Momente mit ihrer Mutter genießt. „Doch letztlich kann das niemand alleine schaffen“, weiß Bientzle. „Aus dieser Betroffenheit heraus wollte ich mit einer Spendenaktion helfen.“