Lenninger Tal

Täleswein verträgt die Hitze

Der größte Teil der Reben im Neuffener Tal leidet noch nicht unter der großen Trockenheit

In ganz Deutschland klagen Winzer über die Trockenheit. Sie rechnen mit geringerem Ertrag und versuchen mit großflächiger Bewässerung ihren Wein zu retten. Anders sieht die Lage im Neuffener Täle aus: Hier freuen sich die Wengerter über die gute Entwicklung ihrer Trauben. Jetzt hoffen sie, dass das Wetter bis zur Weinlese ­stabil bleibt.

Langsam reifen die Trauben in den Täles-Weinbergen. Foto: Jürgen Holzwarth
Langsam reifen die Trauben in den Täles-Weinbergen. Foto: Jürgen Holzwarth

Neuffen. „Bis jetzt steht der Wein sehr gut da“, sagt Jürgen Buck, der Vorsitzende der Weingärtnergenossenschaft Hohenneuffen-Teck. Die alten Reben seien von der Trockenheit kaum betroffen – im Gegenteil, Wein sei eine wärmeliebende Pflanze. Außerdem wurzeln die Rebstöcke sehr tief, deshalb könne Trockenheit ihnen erst mal wenig anhaben. Nur die jungen Reben, Pflanzen, die zwischen einem und vier Jahren alt sind, litten derzeit auch im Täle stark unter der Hitze und Trockenheit. Ihre Wurzeln reichen noch nicht tief genug.

Insbesondere die Reben, die frisch gesetzt wurden, bedürfen besonderer Pflege. Sie werden auch im Neuffener Weinberg gegossen. Fünf Liter pro Pflanze brauche man dafür, so Buck. Wenn das Wetter halte, rechnet er mit einem sehr guten Jahrgang 2015.

Auch die Reben von Wengerterin Elke Muckenfuß kommen mit der Trockenheit gut zurecht. Vereinzelt litten die Pflanzen jedoch unter Sonnenbrand. Es sei immer eine Gratwanderung, wie viel Laub man von den Weinstöcken entferne, so Muckenfuß. Einerseits schützen die Blätter die Trauben vor zu viel Sonne, andererseits seien schattige Plätzchen auf den Trauben der ideale Brutplatz für die Kirschessigfliege.

Die Insekten bedrohen auch dieses Jahr die Trauben im Täle. Bisher haben Hitze und Trockenheit den kleinen Plagegeistern das Leben schwer gemacht. Aber das könne sich mit einem Wetterumschwung schlagartig ändern. Im vergangenen, nasskalten Sommer hatte sich die Fliege im großen Stil vermehrt und den Wengertern das Leben schwer gemacht. Denn befallene Früchte nehmen einen unangenehmen Essiggeschmack an – für die Weinherstellung sind sie nicht mehr geeignet. „Die Beeren müssen dann von Hand aussortiert werden“, sagt Buck. Ebenfalls hoch erfreut über die Entwicklung seiner Reben ist Helmut Dolde. Er hat Weinberge in Neuffen und Linsenhofen: „Die Entwicklung ist sehr gut.“ Die Reben hätten einen Vegetationsvorsprung von zwei Wochen, so Dolde. Allerdings sei es von Standort zu Standort sehr unterschiedlich. Die Reben auf vulkanischen Böden litten deutlich stärker unter der Trockenheit als die auf den Juraböden, beispielsweise am Fuß des Hohenneuffens.

Die tonhaltigen, schweren Böden am Albtrauf könnten bei Trockenheit ihren großen Vorteil ausspielen: sie speichern das Wasser viel besser als leichtere, sandhaltige Böden. Das könne man in Linsenhofen, am Florian oder an den Weinbergen unterhalb der Limburg bei Weilheim gut beobachten, hier litten die Reben deutlich unter dem Wasserstress, so Dolde.

Der Reifegrad der Weinbeeren sei durch die gute Witterung bereits sehr gut. Die Silvanertrauben seien schon im Saft, die des Spätburgunders färbten sich bereits blau. Jetzt müsse man den richtigen Lesezeitpunkt abwarten. Dabei spiele nicht nur der Zuckergehalt der Beeren eine Rolle, sondern auch die Aromen, die sich nur beim optimalem Reifegrad entwickeln.

Vermutlich können die Wengerter im Täle bereits Mitte September mit der Lese der frühen Sorten wie Acolon oder Dornfelder beginnen, sagt Buck.

Wenn das Wetter die nächsten Wochen stabil bleibt, erwarte man einen Spitzenjahrgang. „Ich bin begeistert“, sagt Dolde. „Es könnte ein Jahrgang wie 2003 werden“, betont Buck.

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