Lenninger Tal

Taschen weisen den Weg aus dem Slum

Engagement Sina Dieterich aus Erkenbrechtsweiler hat sich in Indien für ein soziales Projekt eingesetzt, das Frauen zu einem selbstständigen Leben verhelfen soll. Das soll jetzt auch zu Hause weitergehen. Von Anna-Leah Gebühr

Die Erkenbrechtsweilerin Sina Dieterich bei den indischen Taschenproduzentinnen.Foto: privat
Die Erkenbrechtsweilerin Sina Dieterich bei den indischen Taschenproduzentinnen.Foto: privat

Sie haben eine weite Reise hinter sich: die Taschen aus Bangalore, die vor zwei Jahren auf dem Weihnachtsmarkt in Erkenbrechtsweiler zum allerersten Mal verkauft wurden. Sina Dieterich aus der Albgemeinde hatte die Idee zum Verkauf der bunten, recycelten Tragehilfen, als sie bei einer Gastfamilie in Indien lebte. In ihrer Nachbarschaft wurden regelmäßig Tetrapacks eingesammelt. Dadurch hörte sie von dem Projekt, das die ausgedienten Verpackungen zu elf Frauen bringt, die in den Slums der Stadt wohnen. Sie recyceln diese Tetrapacks und verschiedene andere Materialien und gestalten daraus unterschiedliche Taschen. Von dem Verkauf können die Frauen jetzt selbstständig leben und ihre Kinder in die Schule schicken.

Als Sina von dem Projekt hörte, wusste sie, dass sie sich dafür engagieren wollte. Ihr Plan war, das Projekt auszuweiten, „mehr zu machen“, um den Frauen zu helfen. Deshalb fuhr sie mit zu den Treffen in den Slums und fing mit anderen an, Tetrapacks zu sammeln.

Viele in ihrer Nachbarschaft kauften die Taschen zwar, doch die Kundschaft war trotzdem nicht sehr groß. So kam sie auf die Idee, die bunten Blickfänge zu Hause im Ländle zu verkaufen. „Ich war mir sicher, dass die Taschen auch in Deutschland sehr beliebt sein würden“, erzählt sie.

Und damit hatte sie Recht: Noch immer bekommt sie Anfragen, ob sie gerade noch welche hätte und wann die Taschen wieder zu kaufen wären. Aber erst mal musste die begehrte Ware nach Deutschland reisen. Dafür fand sie eine kreative Lösung. In den Koffern von Geschäftsreisenden, heimreisenden Familien und Verwandtenbesuch ging es für die Taschen auf die Alb.

Dort haben sie dann vor allem ihre Eltern und die Kirchengemeinde Erkenbrechtsweiler unterstützt, indem sie die Taschen auf dem Weihnachtsmarkt und auch danach unter die Leute gebracht haben.

Sina Dieterich ist es sehr wichtig, dass die Frauen so nicht mehr nur von Männern abhängig sind. Oft sind Frauen nicht gleichberechtigt, aber durch Projekte wie dieses gewinnen sie an Selbstbestimmung. Durch den Verkaufserlös und die gesammelten Spenden können sie ihren Lebensstandard etwas erhöhen.

Sina war oft in den Slums. In den Wellblechhütten oder Steinhütten „wohnen alle Familienmitglieder in einem Raum“, fließendes Wasser gibt es nicht. Straßenhunde streunen herum, und der Müll sammelt sich auf der Straße. „Das alles kann am Anfang ziemlich erschreckend und unvorstellbar sein“, meint sie rückblickend. Mit der Zeit lerne man aber die Umgebung besser kennen und könne einschätzen, dass auch viele Menschen dort oft recht zufrieden leben. Trotzdem sind natürlich nachhaltige Projekte wichtig, um die Lebensumstände zu verbessern.

Die recycelten Taschen sind ressourcenfreundlich und bestehen neben Tetrapacks auch aus Zement- und Reissäcken, die in Indien viel zur Verschmutzung der Umwelt beitragen. Sina möchte auch in Deutschland darauf aufmerksam machen, dass aus Müll durchaus noch viel Schönes entstehen kann.

Seit die junge Frau aus Indien zurück ist, ist es für sie schwerer, das Projekt zu unterstützen. Doch mithilfe von Freunden scheint es ihr gut möglich, dass es weitergeht. Sehr freuen würde es sie, wenn sich irgendwo ein Laden bereit erklären würde, die Taschen zu verkaufen. So könnte das Projekt sicher fortbestehen und würde noch mehr Menschen erreichen. Auch eine Internetseite wird gerade für die Organisation aufgebaut.

 

Infos zu dem Projekt gibt es auf der Facebook-Seite ANUjanakirmlayout

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