Lenninger Tal

Tauschbörse nach Bauernart

Große Ackerflächen in Owen und Dettingen sollen Landwirtschaft nachhaltig fördern

Große, zusammenhängende Flächen sind der Wunsch jeden Landwirts. Darauf lässt sich effizient wirtschaften, doch wegen der Realteilung in Württemberg sind solche Flächen rar. Flächentausch lautet in diesem Fall das Zauberwort.

Bedingt durch die Realteilung ist es heutzutage schwierig, als Landwirt ökonomisch zu arbeiten. Der freiwillige Nutzungstausch s
Bedingt durch die Realteilung ist es heutzutage schwierig, als Landwirt ökonomisch zu arbeiten. Der freiwillige Nutzungstausch soll Abhilfe schaffen. Von links nach rechts sind zu sehen Hans-Otto Schilling, Andreas Munk und Jens Rieso. Foto: Daniela Haußmann

Owen. Wenn Agrarflächen mit modernster Landtechnik effizient und rentabel bewirtschaftet werden sollen, dann sind große zusammenhängende Parzellen unabdingbar. In weiten Teilen Süddeutschlands ist das aber trotz Strukturwandels nur bedingt der Fall – auch in der Region um die Teck. Ursache ist die im Süden vielfach praktizierte Realteilung. „Sie hat zu einer extremen Zersplitterung von Flurstücks- und Verpächterstrukturen geführt“, erklärt Jens Rieso, der deshalb für den freiwilligen Tausch landwirtschaftlicher Nutzflächen plädiert.

Der Moderator, der zahlreiche Projekte dieser Art erfolgreich auf den Weg gebracht hat, berichtet, dass beim freiwilligen Nutzungstausch Landwirte kleine und ungünstig geformte Bewirtschaftungseinheiten untereinander tauschen, mit dem Ziel, größere und besser zugeschnittene Flurstücke, sogenannte Schläge, zu erhalten. Zweck des gesamten Unterfangens ist Jens Rieso zufolge, eine Win-win-Situation für alle Beteiligten zu schaffen. Und genau das würden sich einige Landwirte in Owen wünschen. Voraussetzung ist allerdings, dass Eigentümer und Pächter in beiden Gemeinden bereit sind, Ackerland untereinander zu tauschen.

Der Flächentransfer ist mit zahlreichen Vorteilen verbunden: Pacht- und Eigentumsverhältnisse bleiben unberührt, das Verfahren ist nicht an Gemarkungsgrenzen gebunden und lässt sich wesentlich schneller umsetzen als vergleichbare Prozesse im Rahmen der Flurbereinigung. Hinzu kommt, dass die Pächter Planungssicherheit erhalten und die Bewirtschaftung ökonomischer sowie kostengünstiger erfolgt. „Durch die verbesserten Produktions- und Arbeitsbedingungen, die große zusammenhängende Parzellen bieten, entsteht eine Zeit- und Kraftstoffersparnis von bis zu 30 Prozent“, so Jens Rieso.

Für Landwirt Andreas Munk, der in Owen den Lauterhof betreibt, bedeutet das gleich in mehrfacher Weise einen Gewinn. Durch die Bewirtschaftung größerer, miteinander verbundener Einheiten, benötigt er weniger Wendezeit, die nicht gerade einen kleinen Anteil an der Arbeitszeit ausmacht. „Von rund fünf Stunden, die ich auf dem Acker dünge, entfallen gerade einmal etwa 50 Minuten auf die Arbeit, die ich direkt auf dem Feld verrichte“, bilanziert Munk. Die restlichen 250 Minuten verbringt er mit aufwendigen Wendemanövern, die zudem noch den Maschinenverschleiß fördern, der ebenfalls ins Geld läuft.

Deshalb plädiert auch der Owener Nebenerwerbslandwirt Hans-Otto Schilling für einen freiwilligen Nutzungstausch. Er ist überzeugt, dass sich mit der Zeitersparnis die Ernte schneller einbringen lässt. Gerade mit Blick auf die zunehmende Zahl an Extremwetterereignissen sei das wichtig. Darüber hinaus spare der geringere Verbrauch an Diesel bares Geld, das an anderer Stelle nutzbringend in den Betrieb investiert werden könne. Ein weiterer Vorteil ist aus Sicht von Munk, dass große, zusammenhängende Bewirtschaftungseinheiten im Gegensatz zur aktuell bestehenden Zersplitterung der Flurstücke garantieren, dass bei der Bewirtschaftung keine Grenzen verletzt werden, was zur Reduzierung von Agrarsubventionen führen kann.

Jens Rieso betont, dass beim freiwilligen Nutzungstausch keiner der Beteiligten einen Flächenabzug befürchten muss. Der Pächterwechsel erfolge auf Basis eines satellitengestützten Geoinformationssystems, mit dem sich die Größen der Flächen bis auf den letzten Meter genau bestimmen und verteilen lassen. „Auch die Bodenqualität wird berücksichtigt“, erklärt der Moderator. „Auf Grundlage der Reichsbodenschätzung lässt sich das Ackerland bewerten und die Bodenqualität in Quadratmeter umrechnen, sodass beim Tausch ein adäquater Ausgleich erfolgt. Dadurch entstünden keinerlei Nachteile. Schließlich würden die Kosten und Verluste durch Mehraufwendungen und Mindererträge an Vorgewenden und Rändern mit steigender Schlaggröße ebenso verringert wie die Arbeitserledigungskosten. „Das optimiert auch die Anpassung an den starken Wettbewerb, der am Agrarmarkt herrscht“, bilanziert Rieso, der alle Eigentümer und Pächter aus Owen und Dettingen zur Infoveranstaltung am kommenden Donnerstag einlädt.

Infoveranstaltung zum „Tauschhandel“

In Bayern wird der freiwillige Nutzungstausch in der Agrarwirtschaft schon seit vielen Jahren praktiziert. Im Südwesten allerdings ist das Verfahren noch nicht weit verbreitet. Einige Landwirte aus Owen sind von dem Flächentransfer überzeugt und wollen ihn auch in Owen und Dettingen anstoßen. Ein Infoabend am Donnerstag, 21. Mai, um 20 Uhr im Owener Feuerwehrhaus soll darlegen, was es mit dem freiwilligen Nutzungstausch auf sich hat.

Anzeige