Lenninger Tal

Tierisch gute Landschaftspflege

Schottische Hochlandrinder sorgen im Schopflocher Moor für Artenvielfalt

Ist der Wald vor lauter Bäumen nicht zu sehen, läuft etwas verkehrt. Das gilt auch für das Schopflocher Moor. Schottische Hochlandrinder leisten dort einen Beitrag zum Erhalt des wertvollen Schutzguts.

Die Schottischen Hochlandrinder von Daniel Devaux bereichern den Naturraum im Schopflocher Moor. Saskia Lange und ihre Kollegen
Die Schottischen Hochlandrinder von Daniel Devaux bereichern den Naturraum im Schopflocher Moor. Saskia Lange und ihre Kollegen vom Naturschutzzentrum Schopflocher Alb stellen regelmäßig fest, dass die seit 14 Jahren praktizierte Beweidung die Renaturierungsziele nachhaltig unterstützt. Die Rinder werden alljährlich über mehrere Wochen im Schopflocher Moor eingesetzt, wo sie die Landschaft offen halten. Fotos: Daniela Haußmann

Lenningen. Das Schopflocher Moor ist eine ökologische Besonderheit auf der sonst so wasserarmen Albhochfläche. Während seiner 9 000 Jahre währenden Entwicklung blieb das ehemalige Hochmoor nahezu unberührt. Erst der Mensch hinterließ mit dem im 18. Jahrhundert begonnenen Torfabbau, der beim ­Otto-Hoffmeister-Haus bis 1942 andauerte, hinterließ seine Spuren und veränderte die Landschaft in dem Biotop nachhaltig. Seit zwei Jahrzehnten wird deshalb mit aufwendigen Maßnahmen versucht das Naturschutzgebiet auf der Schwäbischen Alb zu renaturieren und für kommende Generationen zu erhalten.

Einen Beitrag dazu leisten die Schottischen Hochlandrinder von Landwirt Daniel Devaux. Mit dieser extensiven Beweidung, die eine kostengünstige Alternative zur Mahd darstellt, soll insbesondere der Gehölzaufwuchs auf der Moorfläche zurückgedrängt werden. Ziel der Offenhaltung ist der Schutz artenreicher Moor- und Feuchtwiesen. Die zottelige, robuste und sehr genügsame Rinderrasse frisst Dr. Wolfgang Wohnhas zufolge altes Gras, Büsche und junge Bäume. „Hufabdrücke, die den Boden unterm Gras freilegen, sind für licht- und wärmeliebende Arten wie die Bergeidechse günstige Kleinbiotope“, berichtet der Leiter des Naturschutzzentrums Schopflocher Alb.

Anders als beim Einsatz von Balkenmäher oder Mähraupe, entsteht durch die Schottischen Hochlandrinder ein vielseitiges Vegetations- und Strukturmosaik mit positiven Effekten für den Artenschutz. „Durch den Fraß der leichtgewichtigen Rinderrasse werden wertgebende Insektengruppen, wie Schmetterlinge, Käfer und Heuschrecken gefördert, und es profitieren nach bisherigen Erkenntnissen neben den seltenen Bergeidechsen auch unter Artenschutz stehende Libellen“, ist die Erfahrung von Wolfgang Wohnhas. Diese Tiere nutzen die Weideflächen als Jagdraum.

An Esche, Hainbuche, Moorbirke, Weide und anderen Baumarten stoßen die Schottischen Hochlandrinder ihre langen, geschwungenen Hörner ab. „Die Bäume werden geschält und abgebrochen. Sie sterben langsam ab“, klärt Daniel Devaux auf. Das ist erwünscht, denn die Landschaft soll für Schlüssel- und Leitarten, die wichtige Funktionen im Naturhaushalt übernehmen und die typischerweise im Schopflocher Moor vorkommen, offen gehalten werden. Wolfgang Wohnhas betont, dass die Tiere hier ganze Arbeit leisten. „Beim Absägen besteht die hohe Wahrscheinlichkeit, dass die Bäume aus dem Stock austreiben“, berichtet der Fachmann. Durch die Schäden, die die Rinder mit Hörnern und Verbiss anrichten, beginnt das Holz hingegen zu faulen.

„Auf diese Weise wird eine Verbuschung des Naturraumes unterbunden“, resümiert Daniel Devaux. Die extensive Beweidung schafft Wolfgang Wohnhas zufolge Biotope, die für manche Arten die letzten Refugien sind, in denen sie noch vorkommen können. „Das gilt beispielsweise für den Randring-Perlmutterfalter, der auf der Schwäbischen Alb eigentlich nur noch im Schopflocher Torfmoor vorkommt“, erklärt der Biologe.

Eine Evaluation der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen hat nachgewiesen, dass die Rinder nachhaltig die Artenvielfalt im Schopflocher Moor fördern und damit nachgelagert die Renaturierungsbemühungen unterstützen. „Die Moorlandschaft ist nicht nur ein wichtiger Lebensraum für Pflanzen und Tiere, sie trägt auch zum Klimaschutz bei“, betont Wolfgang Wohnhas. Durch das Torfwachstum speichern Moore pro Hektar und Jahr zwischen 1,2 und 1,7 Tonnen CO2. Auch deshalb sind diese Naturräume ein wertvolles Schutzgut, das es mit einem breiten Spektrum an Maßnahmen zu erhalten gilt.

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