Lenninger Tal

Trockene Zahlen und fruchtige Chutneys

Geschäftsidee Sabine Wilhelm und Marion Gaspar sind Buchhalterinnen. Jetzt schaffen sie sich mit Chutneys ein kulinarisches zweites Standbein. Von Thomas Krytzner

Vier verschiedene Sorten Chutney haben Marion Gaspar und Sabine Wilhelm (unten, von links) im AngebotFotos: Thomas Krytzner
Vier verschiedene Sorten Chutney sind im Angebot. Foto: Thomas Krytzner

Für Zahlen und Mathematik muss man geboren sein, gerade wenn es darum geht, Buchhaltung als Dienstleistung anzubieten. Die beiden Freundinnen Marion Gaspar und Sabine Wilhelm zählen seit mehr als 30 Jahren die Erbsen für verschiedene Kunden. Doch jetzt kommt Farbe in den tristen Alltag der Zahlen. Im September 2016 kochte Sabine Wilhelm die Mirabellen von der eigenen Streuobstwiese in Owen zu einem Chutney und überreichte das Glas voller Stolz ihrer Freundin Marion. „Sie war begeistert und gleichzeitig entrüstet“, sagt die Hobbyköchin lachend. „Einerseits schmeckte ihr das Chutney sehr, aber sie schaffe die riesige Menge doch niemals.“ Das war quasi die Geburtsstunde für die neue Geschäftsidee: Chutney in kleinen Gläsern zu 30 und 50 Gramm anbieten.

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Kleine Menge als Marktlücke

Probeweise brachten die beiden Damen je eine Probe zum nächsten Friseurtermin mit und angelten sich so die ersten größeren Aufträge mit 150 Gläschen der würzigen Beigabe zu Käse und Fleisch. „Der Blitzgedanke war der Anfang vom erfüllten Traum“, erinnert sich Sabine Wilhelm. Die beiden Zahlenexpertinnen waren von der Idee so begeistert, dass sie als Erstes im Internet recherchierten, ob es das Angebot für kleine Mengen schon gibt. „Gab es nicht, glücklicherweise. Da haben wir umgehend beim Landratsamt angerufen und ein Gespräch mit dem Lebensmittelkontrolleur vereinbart.“ Dieser besuchte die zwei Freundinnen in ihrem Büro in Wendlingen und gab drei Stunden lang verschiedene Tipps für das bevorstehende Geschäft. „Er hat uns sogar erlaubt, die Chutneys im Büro einzukochen“, freut sich Sabine Wilhelm. Mit der Gewerbeanmeldung fiel im Oktober des letzten Jahres der Startschuss fürs kulinarische Pendant zur trockenen Zahlenmaterie.

„Wir verwenden für unsere Chutneys regionale und saisonale Produkte“, berichtet Sabine Wilhelm. Zurzeit gibt es vier verschiedene Sorten: Orange, Bier, Apfel-Birne und Apfel. „Wir warten schon sehnsüchtig darauf, dass die Johannisbeeren reif werden. Die schmecken besonders gut.“ Im Herbst landen dann auch Trauben und Mirabellen im Einkochtopf. Rund acht Stunden dauert es, bis ein fertiges Chutney-Glas auf dem Tisch steht. „Unser Kochtag beginnt mit dem Besuch des Wochenmarktes oder des CAP-Marktes. Dort kaufen wir frisches Obst, und in der Küche wird dann alles gewaschen, geschält und geschnitten.“

Vier verschiedene Sorten Chutney haben Marion Gaspar und Sabine Wilhelm (unten, von links) im AngebotFotos: Thomas Krytzner
Marion Gaspar und Sabine Wilhelm (von links). Foto: Thomas Krytzner

Die beiden Buchhalterinnen nutzen die Effizienz aus Erfahrung: „Wir richten die restlichen Zutaten, wie Gewürze, immer doppelt her, damit wir vierhändige arbeiten können“, erzählt die motivierte Marion Gaspar. Danach geht es frisch ans Werk. „Da heißt es erstmal, fünf Minuten umrühren, bis der Gelierzucker seine Wirkung entfaltet und die kochende Masse fest wird.“ Jetzt folgt das Abfüllen in die Gläser. „Pro Tag schaffen wir rund 150 Gläser, und wenn wir Gas geben, sind es auch mal 200“, freut sich Sabine Wilhelm. „Manchmal setze ich mich abends mit einem Glas Rotwein hin und klebe die Etiketten auf die Gläser.“ Daneben müssen auch die selbst hergestellten „Booklets“ mit einer Schnur in mühsamer Handarbeit am Drehverschluss der Gläser angebracht werden.

Rezept bleibt Geheimnis

Mittlerweile sind bereits Firmen auf die beiden Chutney-Expertinnen aufmerksam geworden, und es gibt immer wieder größere Aufträge. Marion Gaspar und Sabine Wilhelm betreiben auch einen Online-Shop. Sie arbeiten weiter an der Verwirklichung ihres Traumes: „Wir wollen auch Chutneys für Diabetiker anbieten und Kunden in Österreich und der Schweiz gewinnen.“ Das Rezept der Chutney-Herstellung bleibt zwar Betriebsgeheimnis, aber Sabine Wilhelm verrät Genusstipps: „Flädle mit Chutney bestrichen schmeckt himmlisch. Für die heißen Sommertage empfehle ich Vanilleeis mit Orangen-Chutney.“