Lenninger Tal

Unterlenningen feiert 250 Jahre Ulrich

Jubiläum Mit einem Festgottesdienst und anschließender Feier hat sich die evangelische Kirchengemeinde an die Geschichte ihrer Kirche erinnert. Ab 2018 geht die Gemeinde in einer größeren Einheit auf.

Die Ulrichskirche in Unterlenningen ist jetzt 250 Jahre alt - Grund genug für eine große Jubiläumsfeier.Foto: pr
Die Ulrichskirche in Unterlenningen.

Der baugeschichtlich interessierte Kirchenbesucher, der weder vom Kirchenraum noch von dessen Ausstattung besonders gefordert ist, wird im Dach der Kirche reichlich entschädigt. Denn das Langhausdachwerk kann sich konstruktiv durchaus mit seinen Zeitgenossen messen.“ So ist es in der Ortschronik von Lenningen über die Ulrichskirche nachzulesen. Das Dachgerüst mit dem beeindruckenden Hängewerk über dem Kirchenschiff war daher auch Anlaufstelle für viele Gäste, die zum 250. Jubiläum der Unterlenninger Ulrichskirche gekommen waren. Zimmermeister Karl Eber stand auf der Kirchenbühne bereit, um das außergewöhnliche Konstrukt zu erklären. Außerdem gab es die Gelegenheit, auch den Kirchturm mit Glocken und die Sakristei einmal in Augenschein zu nehmen und anhand des Kirchenrätsels die Kirche näher kennen zu lernen.

Anzeige

Rund 15 000 Gottesdienste, so hat es Dekanin Renate Kath ausgerechnet, dazu Hochzeiten, Trauerfeiern und andere Gottesdienste, wurden in den 250 Jahren in der Unterlenninger Ulrichskirche gefeiert. Das „Halbe Pfund Jahrtausend“, wie Bürgermeister Michael Schlecht es ausdrückte, begingen die Unterlenninger mit einem gebührenden Festgottesdienst und einer anschließenden Feier im Gemeindehaus. Eingeläutet wurde das Jubiläumsjahr mit einer Predigtreihe. Ehemalige Pfarrer waren eingeladen, noch einmal in der Ulrichskirche zu predigen. So konnten die Unterlenninger bereits Pfarrerin Stierlen, Pfarrer Winkler und Pfarrer Fentzloff begrüßen, im November predigen Pfarrer Joos und Pfarrer Schweizer in Unterlenningen. Pünktlich zum Kirchenjubiläum erhielten die Gemeindeglieder auch eine Festschrift, in der Fakten und Details über den Kirchenbau, die Renovierungsmaßnahmen und Wissenswertes zu Elementen des Kirchengebäudes nachzulesen sind.

Hier bleibt die Hektik draußen

Der Festgottesdienst wurde musikalisch umrahmt von einem Projektchor und dem Musizierkreis der Musikschule. Bereits ein Jahr zuvor konnte Prälatin Gabriele Arnold zur Predigt eingeladen werden. Sie regte die Gottesdienstbesucher dazu an, „austreiberisch zu sein, wenn Geiz und Gier zum Hauptmotor unserer Gesellschaft werden und uns verrohen lassen“. Weiter sprach sie davon, dass es für Begegnung mit Gott es besondere Orte brauche und dass die Ulrichskirche in Unterlenningen so ein Ort sei. „Hier bleibt die Hektik des Alltags draußen, dürfen wir nackt und bloß werden und all unsere Rollen und Masken ablegen und Gott begegnen, so wie wir sind - Kirche für Menschen eben.“

Nach Ansprachen von Dekanin Renate Kath und Bürgermeiser Michael Schlecht wurde das Kuchenbuffet eröffnet im benachbarten Gemeindehaus. Im Foyer wartete der „Merchandising-Tisch“ darauf, Fanartikel wie Kirchentassen, Postkarten, Christbaumkugeln und Festschriften an den Mann oder an die Frau zu bringen. Die Fanartikel sind übrigens auch weiterhin im Pfarrbüro oder in der Kirche erhältlich.

Der gesamte Erlös des Jubiläums kommt der dringend notwendigen Kirchenrenovierung zugute. In der Festschrift, die die Kirchengemeinde anlässlich des Kirchenjubiläums aufgelegt hat, ist nachzulesen, dass auch die in der Lenninger Ortschronik als unspektakulär beschriebene Kirchenausstattung durchaus interessant sein kann.

Neben der Baugeschichte von 1767 sind in der Schrift Berichte von ehemaligen Pfarrern über Baumaßnahmen in den vergangenen 250 Jahren nachzulesen. Auf Fotos aus den letzten 100 Jahren sind sowohl die baulichen Veränderungen als auch das Leben in der Kirche veranschaulicht. Wissenswertes erfahren die Leser außerdem über Elemente der Kirche wie Turm und Glocken, die Orgel oder die gefiederten Bewohner des Turms. Und nach welchem Ulrich die Kirche letztlich benannt wurde, können sich die Gemeindemitglieder aussuchen - oder im letzten Kapitel, dem Ausblick, nachlesen.

Mit den Jubiläumsfeierlichkeiten und der Festschrift blickt die Kirchengemeinde Unterlenningen dankbar auf die vergangenen 250 Jahre zurück. Gestaltet werden kann aber immer nur die Zukunft. Diese bringt zum 1. Januar 2018 die Fusion mit den Kirchengemeinden Brucken und Oberlenningen, eine unbesetzte Pfarrstelle und ein renovierungsbedürftiges Pfarrhaus sowie anstehende Baumaßnahmen im Kirchengebäude mit sich. Die Ulrichskirche wird von 2018 an in der neu entstehenden Julius-von-Jan-Kirchengemeinde einer von insgesamt drei Gottesdienstorten sein.

Mit der Aufschrift auf der Betglocke „O Land, Land, Land, höre des Herrn Wort“ verbindet der Kirchengemeinderat den Wunsch nach Begegnung und Hören auf Gottes Wort in der Ulrichskirche. Denn letztlich sind es nicht die Steine, die Gemeinde ausmachen, sondern die Menschen, die sich in ihrer Kirche begegnen und damit Gemeinde bauen.me