Lenninger Tal

Volkstümliches Liedgut auf der Alb

Gesang Der Liederkranz Schopfloch hat zum gemeinsamen Singen an die Hüle am Dorfplatz eingeladen. Das Repertoire erstreckte sich von Moritaten bis zu Volksliedern. Von Sabine Ackermann

Enthusiastisch bei der Sache: Bei beliebten Titeln legten sich die Mitsinger richtig ins Zeug. Foto: Sabine Ackermann
Enthusiastisch bei der Sache: Bei beliebten Titeln legten sich die Mitsinger richtig ins Zeug. Foto: Sabine Ackermann

Langsam schlendert ein Ehepaar auf die Gruppe zu und scheint zu überlegen. Der Zeiger der Kirchturmuhr steht auf der Sieben, okay, es sind fünf Minuten drüber. „Kommet se no“, motiviert Stefan Lipka die Zögerlichen und lädt sie ein, sich zu den anderen zu setzen: „Holen sie sich die Stühle von dem Anhänger“. Gesagt - getan.

Im Halbrund haben sich etwa zwei Dutzend vorwiegend ältere Menschen rund um Gastgeber Stefan Lipka positioniert. „Da sind wir ja voll beschäftigt - singen, bis es dunkel wird“, sagt das Ehepaar, als sie Mike Ströhle beim Austeilen von Liedtexten und Liederbüchlein beobachten. Der Vorstand vom Liederkranz Schopfloch hat wohl fleißig kopiert, über 50 Lieder und Moritaten zählt man auf dem weißen Papier.

Acht Minuten nach sieben gesellt sich ein einzelner Herr dazu - Eile mit Weile, man ist in Schopfloch und schließlich heißt es „Offenes Singen“. Alles kann, nichts muss. „Herzlich willkommen an der Hüle, dem längsten Schopflocher Strand“, scherzt Stefan Lipka. „Unter dem Titel „Mariechen saß weinend im Garten - Moritaten und Volkslieder an Teich, Bach und Meer zum Zuhören und Mitsingen“ hatte der Liederkranz Schopfloch zum gemeinsamen Singen am Dorfplatz in Schopfloch eingeladen. Treffpunkt war an der ehemaligen, vom Verkehrsverein Neuffen-Teck neu gestalteten Hüle - dem Teich, in dem früher das auf der Alb so seltene und kostbare Oberflächenwasser gesammelt wurde. Es gebe eine Menge Lieder mit Wasser, von Mühlen, Brunnen, Moritaten oder Bänkelgesang, der mitunter tragisch zu Ende gehe, plaudert Stefan Lipka, weist auf die mitgebrachten Getränke und das stille Örtchen hin, erwähnt das Ausschankverbot und droht augenzwinkernd an: „Wir singen so lange, bis wir nichts mehr sehen.“

Zum Einspielen gibt’s „La Paloma“, bei dem in puncto Mitsingen freilich noch deutlich Luft nach oben bleibt. Während in den kommenden 45 Minuten noch etwa vier, fünf Frauen und Männer den „Hülen-Chor“ verstärken, hat bereits die Mühle am rauschenden Bach geklappert, ist man mit Lust mit dem Müller gewandert, ging gleich zweimal ans fließende Brünnele und das Mariechen saß weinend im Garten. Und bei genauem Hinhören wird deutlich, was gefällt. Mal klingt der Gesang kraftvoll und leidenschaftlich, mal eher leise-verhalten. Egal, jedes Lied wird bis zum Ende ausgesungen. „Auf Seite 110 gehen wir gleich zum nächsten Brunnen“, führt Stefan Lipka quer durchs Liederbuch. Doch irgendwann ist das Wasser versiegt, wer will, darf sich was wünschen.

Marie-Luise Wichmann hat kein Lieblingslied, „ich sing gern und hör‘s gern“, verrät die eingefleischte Schopflocherin. Nicht alle sind von dort, insgesamt sind es 17 aus dem Ort, der Rest ist aus Gutenberg sowie Unter- oder Oberlenningen. So, wie Andreas und Gisela Veigel, beide verstärken für gewöhnlich als Bass und Sopran den Oberlenninger Liederkranz. „Ich komme sogar aus Tettnang“, meldet sich Jost Wünsche zu Wort. Der Vater von Martin Wünsche, Stefan Lipkas Lebensgefährten, macht hier öfters Station. Rita Schmid ist die letzte, die dazu stößt: „Ich komme gerade vom Gießen“, berichtet sie.

Zum spontanen Einsatz hat sich der Männer-Projektchor „Männer von der Alb“ des Liederkranzes Schopfloch aufgestellt, präsentiert unter anderem „Im Gänsemarsch“, „Ich weiß nicht was soll es bedeuten“ sowie „Es löscht das Meer die Sonne aus“.

Nach einigen Abendliedern, wie „Abendstille“ und „Der Mond ist aufgegangen“ leuchtet zwar nicht der Mond, aber pünktlich um 21.30 Uhr die Schopflocher Straßenbeleuchtung.

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