Lenninger Tal

Wachsen und abnehmen

Und? Ist das nicht ein x-beliebiger Gedenktag für eine Person, die irgendwann mal bekannt war, aber heute weithin von der Bildfläche verschwunden ist? Warum sollte dieser Tag ein besonderer Tag sein? Schaut man sich den Ursprung unseres christlichen Kirchenjahres an, so ist der Johannistag – der Geburtstag Johannes des Täufers – tatsächlich von nicht geringer Bedeutung. In der Architektur des Kirchenjahres bildet er genau das Gegenüber zu Weihnachten und wird daher auch „Sommerweihnachten“ genannt. Johannes der Täufer wurde mit der nach der Sommersonnwende (21. Juni) wieder sinkenden Sonne in Verbindung gebracht. Denn er sagt von sich: „Christus muss wachsen, ich aber muss abnehmen“ (Johannes 3, 30). Wenn die Sonne ihren höchsten Punkt erreicht hat und die Kräfte des Lichts ihre höchste Intensität haben, dann deutet Johannes auf Christus, dessen ewiges Licht an der dunkelsten Stelle des Jahres aufleuchtet, dann, wenn die Sonne am tiefsten steht.

Am Johannistag kommt beides zusammen: die Freude über das Wachstum und das blühende, frische Leben sowie die Trauer über die Vergänglichkeit und das abnehmende Leben. Der Lauf des Kirchenjahres symbolisiert, dass das abnehmende Leben wieder durch neues Leben überwunden wird.

So können wir auch in der Zeit der wieder kürzer werdenden Tage unsere Feste feiern und dem kommenden Licht entgegensehen.

Vikarin Muriel Sender

Evangelische Petruskirche Jesingen

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