Lenninger Tal

Waidmannsheil im winterlichen Forst

Jäger, Treiber und Hunde machen derzeit vielerorts Jagd auf Wildschwein und Co

Von Mitte November bis Dezember finden rund um die Teck etwa 15 Drückjagden statt. Rund 150 Jäger waren am Samstag im Büchenbronner Forst bei Ebersbach unterwegs, um Wildschwein, Reh und Fuchs mithilfe von Hunden und Treibern zu erlegen.

Waidmannsheil im winterlichen Forst
Waidmannsheil im winterlichen Forst

Owen/Ebersbach. German Kälberer stapft durchs Unterholz. Dornen von Brombeersträuchern verhaken sich in seiner Hose und machen den Marsch quer durch den Forst schwer. Äste und Zweige schiebt der stellvertretende Kreisjägermeister von der Jägervereinigung Kirchheim zur Seite. Begleitet vom lauten Bellen der Jagdhunde, die zwischen dicht stehenden Bäumen und hohem Gestrüpp die Fährte von Wildschwein, Reh und Fuchs aufnehmen, rutschen Kälberer und andere Treiber einen steilen Hang hinunter.

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Das Gebell der Hunde im Büchenbronner Wald verändert sich. Es ist mit schrillen Jaul- und Heullauten durchsetzt und unterscheidet sich damit deutlich vom Fährtenlaut, den die Vierbeiner ausstoßen, wenn sie einer Fährte folgen. „Was wir jetzt hören, ist der Sichtlaut“, erklärt German Kälberer. „An ihm erkennt der Jäger, dass der Hund auf Wild gestoßen ist und in welche Richtung es getrieben wird.“ Dem Fachmann zufolge ist es wichtig, dass die Vierbeiner während der Jagd am Wild permanent Laut geben. „Ein rechtzeitiges und regelmäßiges Wahrnehmen des jagenden Hundes verhindert, dass das Wild panikartig flüchtet“, erzählt German Kälberer. „Es kann sich vom Hund absetzen. Das hat den Vorteil, dass die Wildtiere immer wieder sichern und innehalten, was für einen sicheren sofort tödlichen Schuss wichtig ist.“

Die Treiber halten Ausschau. Plötzlich bricht ein Wildschwein durchs Dickicht, das in weitem Abstand von der lauten Meute den Hang hinaufprescht. Rund 100 Meter entfernt hat ein Jäger auf dem Hochsitz schon die Büchse im Anschlag. Ein lauter Knall hallt durch den Wald, dann wird es still, und die Hunde kehren hechelnd zurück zu den Treibern, um mit der Schnauze am Boden von Neuem eine Fährte zu suchen.

Bernd Budde betont, dass die Bejagung Wald und Wild in einem angemessenen Gleichgewicht hält. Der Kreisjägermeister von der Jagdvereinigung Kirchheim und pensionierte Förster erklärt, dass überhöhte Wildbestände zu starken Verbissschäden an jungen Waldbäumen und Schäden in der Landwirtschaft führen. Für Letztere sorgen laut German Kälberer vor allem Wildschweine, die auf einem Hektar Boden Nahrung in Form von Kleinlebewesen vom Gewicht einer ausgewachsenen Kuh finden können und die Erde deshalb großflächig und tief durchwühlen. Die Jagd ist Bernd Budde zufolge aber auch wichtig, um Krankheiten einzudämmen, die sich ohne Bejagung zu Seuchen ausbreiten könnten. Außerdem trage die Jagd zum Schutz der Artenvielfalt bei.

Nach über zwei Stunden sammeln die Jäger das erlegte Wild ein und transportieren es zum Sammelpunkt, wo es kopfüber an einem Holzgerüst aufgehängt und sofort aufgebrochen wird. „Das Aufbrechen muss wegen der Fleischhygiene unverzüglich nach Eintritt des Todes erfolgen“, berichtet Bernd Budde. „Das verhindert unter anderem das Einwandern von Darmbakterien ins Muskelfleisch. Ansonsten wäre das Wildbret nicht zum Verzehr geeignet.“ Budde greift zum Wasserschlauch und spült die Leibeshöhle eines Rehs aus. Anschließend geht ein Veterinär im Rahmen der Fleischbeschau von Tierkörper zu Tierkörper, um sicherzustellen, dass das erlegte Wild gesund ist. Bei den Wildschweinen nimmt er einige Fleischproben, die er in Beutel verpackt. „Sie werden auf Trichinen, das sind winzige Fadenwürmer, getestet“, so Bernd Budde. „Bei positivem Befund muss der Tierkörper entsorgt werden.“

Dr. Martin Kohler, Kreisjägermeister der Jagdvereinigung Nürtingen, weist darauf hin, dass Endverbraucher, die auf frisches und hygienisch einwandfreies Wildbret Wert legen, auf Fleisch aus heimischer Jagd zurückgreifen sollten. „In Supermärkten und im Großhandel erhält der Konsument oft Fleisch, das zwar billig ist, aber über weite Strecken aus Weißrussland nach Deutschland transportiert wurde“, so der Humanmediziner. „Das geht zulasten der Frische und erzeugt unnötige CO2-Emissionen.“

Während sich die Jagdgesellschaft auflöst und die meisten sich noch zum Mittagessen treffen, schlägt die Stunde der spezialisierten Nachsuchengespanne, die mit ihren Schweißhunden zurück in den Wald gehen, um sicherzustellen, dass das gesamte geschossene Wild geborgen worden ist und eventuell angeschossene Tiere schnell gefunden werden.

Waidmannsheil im winterlichen Forst
Waidmannsheil im winterlichen Forst
Mit der Büchse im Anschlag nahmen die Jäger auf ihren Hochsitzen bei der Drückjagd das Wild ins Visier. Jagd- und Schweißhunde t
Mit der Büchse im Anschlag nahmen die Jäger auf ihren Hochsitzen bei der Drückjagd das Wild ins Visier. Jagd- und Schweißhunde tragen bei der Jagd Kevlar-Westen, die sie vor den messerscharfen Zähnen von äußerst wehrhaften Wildschweinen schützen (unten).Fotos: Daniela Haußmann