Lenninger Tal

Was wäre, wenn . . .

Kultur Die Konzertlesung von Autorin Christine Steudle und Musikerin Steffi Neumann in Unterlenningen stellte sich Tabuthemen wie Tod und Trauer. Von Monika Läufle

Foto: Läufle

Das lokale Netzwerk „Schnitt.Leben“ hat sich zum Ziel gesetzt, das Thema Sterben und Trauer näher in die Mitte der Gesellschaft zu rücken. Es möchte in guten Zeiten dazu ermutigen, über diese Themen nachzudenken und sich darüber auszutauschen. Als große Auftaktveranstaltung veranstaltete das Netzwerk hierzu eine Konzertlesung im evangelischen Gemeindehaus. Rund 50 Gäste folgten der Einladung und zeigten, dass sich die Menschen rund um Unterlenningen auch gerne ernsten Thema stellen.

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Den Abend gestalteten die Autorin Christine Steudle aus Hülben und Musikerin Steffi Neumann aus Esslingen. Steudle las aus ihrem Roman „Masterplan - Sein Wille geschehe?“ vor. Die Autorin hatte sich selbst auf die Suche nach musikalischer Unterstützung gemacht. Ein Bekannter schlug ihr Neumann vor, da eines ihrer selbst komponierten Lieder „Was wäre, wenn“ perfekt zum Inhalt des Buches passe. So waren sie bereits mehrmals zusammen aufgetreten, da es der Autorin am Herzen liegt, die Botschaft ihres Buches weiterzugeben.

Im Buch stirbt der Vater der Protagonistin Marietta. Für ihn wurde nicht rechtzeitig ein Spenderorgan gefunden. Zwar ist die Geschichte fiktiv, inspiriert wurde sie jedoch durch den Vater der Autorin. Dessen Tod wurde durch eine Verkettung mehrerer unglücklicher Ereignisse ausgelöst. Steudle hatte sich danach immer wieder die Frage gestellt: Wäre das nicht geschehen, würde er dann jetzt noch leben? Diese Gedankenspiralen greift sie im Buch auf. Die Protagonistin hadert im Roman mit Gott und wirft ihm vor, falsche Entscheidungen getroffen zu haben. In der Nacht erscheint ihr ein Engel und fragt sie: „Glaubst du, dass Gott einen Fehler gemacht hat?“ Sie bejaht. Als sie am Tag darauf erwacht, findet sie sich in einer veränderten Realität wieder. In dieser ist ihr Vater noch am Leben und hat das Organ rechtzeitig erhalten. Welche Konsequenzen das hat, ob das wirklich die bessere Alternative ist und ob die eigenen Wünsche wirklich besser sind als der Plan Gottes, erfährt die Protagonistin im Laufe des Romans.

Aufheiternde Lieder am Ende

Trotz des ernstes Themas war der Ton des Romans an vielen Stellen leicht und humorvoll. Dass die Autorin hauptberuflich Werbefachwirtin ist und Texte für Werbungen schreibt, merkte man an vielen kleinen Gags. So ganz trauten sich die Zuhörer aber trotzdem nicht, zu lachen. Durfte man überhaupt an einem Abend, der sich dem Thema Sterben widmete und zudem auf den Ewigkeitssonntag fiel, lauthals lachen? Wohl eher nicht, dachten die Zuhörer. So hörte man lediglich vereinzeltes Glucksen, ansonsten herrschte eine fast andächtige Stille.

Dann gab es noch Steffi Neumann, die mit Gitarre und traumhafter Stimme zahlreiche Lieder vortrug. Sie befassten sich mit religiösen Themen und waren zum größten Teil selbst komponiert. Als die Musikerin bekannte Lieder anstimmte, lud sie die Gäste ein, mitzusingen. Dieser Einladung fiel es dem Publikum leichter, zu folgen. Es sang zunächst leise, dann immer lauter und selbstbewusster mit.

Die Veranstalter freute besonders, dass sich direkt nach dem Ende des Konzertes neue Mitstreiter für das Netzwerk meldeten und Interesse an einer Mitarbeit äußerten.