Lenninger Tal

Wegweisendes Modell feiert Geburtstag

Seit zehn Jahren besteht „Unser Netz“ – Feier zum Jubiläum

Nah, engagiert, tragend und zuverlässig koordiniert „Unser Netz“ seit zehn Jahren soziale Aufgaben in Lenningen und Owen. Der Verein feierte in der Oberlenninger Turn- und Festhalle mit rund 200 Gästen ­seinen Geburtstag.

Beim Verein „Unser Netz“ geht es auch sportlich zu, um die Bewegungsfähigkeit und damit die körperliche Mobilität von Menschen i
Beim Verein „Unser Netz“ geht es auch sportlich zu, um die Bewegungsfähigkeit und damit die körperliche Mobilität von Menschen im Alter zu erhöhen und lange sicherzustellen. Foto: Daniela Haußmann

Lenningen. Am 9. Mai 2005 wurde der Verein von der Gemeinde Lenningen, den Kirchengemeinden, Krankenpflegevereinen und Pflegedienstleistern ins Leben gerufen. Seither trägt „Unser Netz“ nachhaltig dazu bei, die Alten- und Behindertenarbeit, die Familienhilfe sowie sonstige soziale Aufgaben in Lenningen zu fördern, zu koordinieren und zu vernetzen. Am 24. Oktober 2011 dehnte der Verein sein Engagement auf Owen aus.

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Michael Schlecht betonte, dass die Lücke zwischen dem „normalen zu Hause leben“ und ins Pflegeheim umziehen zu müssen, geschlossen werden sollte. „Wer auf der Zwischenstufe stand, auf der nicht mehr alles alleine ging, musste zu oft ins Heim“, so der Lenninger Schultes. „Das galt es zu ändern, damit Betroffene solange wie möglich im Kreise von Familie, Freunden und Bekannten leben können.“ So kam es zur Vereinsgründung und zur Erweiterung auf Owen, wie Verena Grötzinger bemerkte. Die Owener Bürgermeisterin betonte, dass es auch den vielen ehrenamtlich Engagierten zu verdanken sei, dass das Netz so erfolgreich sei und den kreativen Köpfen, die den Weg für neue Angebote und Kooperationen bereiten würden.

Als Anlauf- und Beratungsstelle steht der Verein älteren und hilfsbedürftigen Menschen, aber auch deren Angehörigen zur Seite. Sie erhalten eine auf ihre individuelle Situation zugeschnittene Unterstützung, wenn es um die Vermittlung passgenauer Hilfsangebote geht oder um die Frage, wie Leistungen bei der Pflegeversicherung beantragt werden, wer Pflege leistet, hauswirtschaftliche Hilfe anbietet oder ob ein Umzug ins Pflegeheim die richtige Entscheidung ist. Dies sind nur einige Beispiele aus dem vielfältigen Beratungs- und Informationsportfolio, das sich bei dem Verein abrufen lässt. In der Seniorenwohnanlage in der Oberlenninger Brunnensteige bietet „Unser Netz“ als Betreuungsträger laut Claudia Baumann 19 barrierefreie Zwei- und Drei-Zimmer-Wohnungen an. Mit dem „Betreuten Wohnen zu Hause“, soll es dem Vorstandsmitglied zufolge Menschen ermöglicht werden, solange wie möglich ein eigenständiges Leben im gewohnten Umfeld zu verbringen.

Gerhard Krumm betonte beim Jubiläums-Festakt, dass die Angebote des Vereins für ihn besonders wertvoll sind. Regelmäßig nimmt er am „Männerstammtisch 50 Plus“ teil und an Kursen, die mit Bewegungs- und Dehnübungen die körperlichen Fertigkeiten unterstützen und fördern. Einerseits erhält er so Kontakte und einen geselligen Austausch, andererseits kann er mit dem Training seine Bewegungsfähigkeit erhalten. „Das ist bei meiner Parkinson-Erkrankung wichtig“, erzählte Krumm. „Die Angebote sind kostenfrei.“

Auch für Sybille Ploss hat der Verein in Lenningen und Owen einen spürbaren gesellschaftlichen und sozialen Mehrwert geschaffen. Ploss engagiert sich seit vier Jahren ehrenamtlich bei der Begleitung Demenzkranker: „Ich begleite Betroffene und ihre Angehörigen, für die die Krankheits- und Pflegesituation belastend sein kann.“ Sybille Ploss und andere ehrenamtliche Mitarbeiter des Vereins bieten Kommunikation, Hilfe und Entlastung. „Unsere Begleitung will Lebensqualität und Teilhabe im Alter und trotz Krankheit schaffen, damit Betroffene solange wie möglich in den eigenen vier Wänden leben können und ihr gewohntes Umfeld nicht verlassen müssen.“

Professor Eckart Hammer von der Evangelischen Hochschule Ludwigsburg betonte, dass mit der Gründung des Vereins „Unser Netz“, ein wegweisendes Modell geschaffen wurde, das zwischenzeitlich auch im Ausland auf große Beachtung stößt. Angesichts des demografischen Wandels und einer steigenden Lebenserwartung würden solche Paradebeispiele mehr und mehr an Bedeutung gewinnen. „Immer weniger professionelle Pflegekräfte stehen zur Verfügung“, so Hammer. „Wir werden deswegen Mühe haben, Pflegeheime mit Personal zu füllen. Deshalb braucht es solche Initiativen, die darüber hinaus Wahlverwandtschaften schaffen, die ein langes Verweilen daheim ermöglichen.“ Auch vor dem Hintergrund der Altersarmut gelte es, kommunal verstärkt erschwingliche Angebote für hilfsbedürftige Senioren zu schaffen.