Lenninger Tal

Wenn letzte Wünsche wahr werden

Der Spitzenkoch Jörg Ilzhöfer bekocht die Esslinger Hospiz-Gäste

Gewöhnlich ist der Esslinger Koch Jörg Ilzhöfer mit seiner Kochschule Ilzhöfers am Hafenmarkt gut beschäftigt. Doch wenn im Esslinger Hospiz ein Gast einen besonderen kulinarischen Wunsch hat, nimmt er sich Zeit, diesen zu erfüllen – ob Gänsekeule mit Knödeln, Spargel, Cordon bleu, Braten mit Rotkraut und Spätzle oder Fasnetsküchle.

Jörg Ilzhöfer und Susanne Kränzle in der Küche des Hospizes Esslingen. Foto: Ulrike Rapp-Hirrlinger
Jörg Ilzhöfer und Susanne Kränzle in der Küche des Hospizes Esslingen. Foto: Ulrike Rapp-Hirrlinger

Esslingen. Über eine ehemalige Hospizmitarbeiterin, die in seiner Kochschule beschäftigt ist, erfuhr der Spitzenkoch, dass sich mancher Gast noch ein besonderes Essen wünscht. „Warum habt ihr mir das nicht früher gesagt, das lässt sich doch leicht ermöglichen“, sagte Jörg Ilzhöfer damals. „Ich erinnerte mich daran, wie meine Mutter, als sie im Sterben lag, sich noch ein Leberwurstbrot wünschte“, erzählt er.

„Essen hat in der letzten Lebensphase, wenn der Aktionsradius so klein geworden ist, oft einen großen Stellenwert“, so die Erfahrung von Susanne Kränzle, Leiterin des Hospizes Esslingen. „Manche, die nicht mehr essen können, werden auch schon vom Geruch satt“, weiß sie um diesen sinnlichen Moment.

Den Menschen im Hospiz ihre Essenswünsche zu erfüllen, ist für Jörg Ilzhöfer etwas Besonderes. „Das ist, wie für ein Familienfest zu kochen, da will man es auch richtig gut machen und steckt mehr Liebe rein. Ich bin mir auch bewusst, dass es für einen Menschen die letzte Mahlzeit dieser Art sein könnte.“ Selbstverständlich koche er nicht nur für den einzelnen Gast, sondern für alle im Hospiz. Und dies komplett kostenlos. „Ich bin sehr bewegt von diesem großartigen Beitrag“, sagt Susanne Kränzle.

Alle paar Wochen fragen die Mitarbeiterinnen des Hospizes bei Jörg Ilzhöfer an, wenn sie von einem besonderen Wunsch eines Gastes erfahren haben. Der Koch reagiert dann kurzfristig. Lücken im Terminplan fänden sich immer, und wenn er sonntags oder montags an seinen eigentlich freien Tagen am Herd stehe. Er oder seine Frau bringen die Gerichte in der Regel warm ins Hospiz oder sie werden dort in der Küche aufgewärmt.

„Ich könnte mir durchaus auch vorstellen, hier einmal zu kochen“, sagt Jörg Ilzhöfer bei einem Besuch im Hospiz. Prompt kommt ihm auf dem Flur ein Patient entgegen und bedankt sich überschwänglich dafür, dass Jörg Ilzhöfer zu seinem Geburtstag Cordon bleu zubereitet hat. Solche Rückmeldungen seien besonders schön. „Man hat dann das Gefühl, man hat etwas mit auf den Weg gegeben.“

Was ihn antreibt, sich im Hospiz ehrenamtlich zu engagieren? Jörg Ilzhöfer antwortet mit einer Gegenfrage: „Warum sollte ich das nicht machen?“. Und fügt nachdenklich hinzu: „Wir haben keine Kinder, und wer sich um mich am Lebensende kümmert, ist fraglich. Ich werde vielleicht auch einmal mal froh sein, wenn mir jemand vorliest oder Spätzle mit Soße kocht.“ Bis dahin erfüllt der Mittvierziger jedoch erst einmal weiter Wünsche der Hospiz-Gäste.

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