Lenninger Tal

„Whisky ist ein Spiegel der Landschaft“Info:

Vor fünf Jahren begann in Owen die Erfolgsgeschichte des Schwäbischen Whisky-Walks

Mit rund 2 000 Teilnehmern bis zum Jahresende erfreut sich der Schwäbische Whisky-Walk einer überaus regen Nachfrage. Für die Macher ein Grund, Bilanz zu ziehen.

Owen. Schwäbischer Freigeist und das für den Südwesten typische Tüftlertum gehen in Owen seit Jahrzehnten eine besondere Verbindung ein. Mit Hingabe und Passion werden in der beschaulichen 3 500 Einwohner zählenden Stadt Whiskys kreiert, die in den Brennereien von Immanuel Gruel, Thomas Dannenmann und Thomas Rabel geduldig zur Blüte reifen. Nun liegt Owen nicht in den Schottischen Highlands, sondern am Fuße der Schwäbischen Alb. Für manch einen ist das laut Hans-Peter Schwarz Grund genug, um das aufwendig hergestellte Genussmittel als besseren Apfelmost abzutun. Und das, ohne es je gekostet zu haben.

„Dass auch die Schwaben sehr wohl in Lage sind, Whisky auf hohem Niveau zu brennen, bedurfte und bedarf viel Aufklärungsarbeit“, berichtet Schwarz, der deshalb 2010 die drei Owener Brenner ins Boot holte, mit denen er 2011 den Schwäbischen Whisky-Walk initiierte. Seitdem haben 1 864 Kenner, Enthusiasten und Interessierte, an denen die Gruppe der 40-Jährigen einen hohen Anteil hat, den Weg des Korns vom Acker bis ins Glas verfolgt. „Whisky ist ein Spiegel der Landschaft, ein grundehrliches Produkt, das aus den elementaren Zutaten Getreide und Wasser besteht“, so Hans-Peter Schwarz, dem es mit seiner Idee gelungen ist, schwäbischen Whisky erlebbar und seine Herstellung transparent zu machen. Und das mit großem Erfolg. „Ursprünglich wollten wir vier bis sechs Genusslehrtouren pro Jahr anbieten, die immer samstags stattfinden sollten“, erzählt Schwarz. „Doch die Nachfrage stieg so rasant an, dass wir 2012 schon 20 Termine ausschreiben mussten, bei denen die Teilnehmerzahl auf 25 Personen beschränkt ist.“

Niederländer, Schweizer, Österreicher und Genießer aus dem ganzen Bundesgebiet tauchen seit fünf Jahren für fünf bis sechs Stunden in die Welt des schwäbischen Whiskys ein. „Sie erfahren, wie das Getreide angebaut, gemälzt, geschrotet, gemaischt, vergärt, gebrannt und gelagert wird, aber auch welche Brennrechte es im Südwesten gibt“, berichtet Tourenguide Angela Weis, die es entlang des über vier Kilometer langen Lehrpfades nicht versäumt, auf die Bedeutung der heimischen Streuobstwiesen einzugehen. „Das Streuobst bildet die Grundlage für die Entstehung von 31 Obstbrennereien in Owen, die letztlich den Ausgangspunkt zur Herausbildung der drei Whisky-Brennereien bildeten“, erklärt die Whisky-Botschafterin, die damit nicht nur ein Stück Kultur, Tradition und Geschichte vermittelt, sondern auch den Landstrich vermarktet, in dem die Wiege der schwäbischen Edelspirituose liegt.

„Vom Whisky-Walk profitieren aber nicht nur die Brennereien, sondern auch Einzelhandel, Hotellerie und Gastronomie“, sagt Hans-Peter Schwarz. „Die weit gereisten Gäste übernachten und essen hier, sie erkunden bei ihrem Kurzaufenthalt umliegende Kommunen wie Nürtingen, Kirchheim oder die Outletcity Metzingen, mit der uns eine Kooperation verbindet.“ Thomas Dannenmann ist überzeugt, dass die Genusstour das Image des schwäbischen Whiskys und den Kenntnisstand über das Qualitätsprodukt nachhaltig verbessert hat. „Für viele trifft die Bezeichnung Whisky nur dann zu, wenn das Genussmittel mindestens zehn Jahre alt ist“, sagt der Experte. „Dass Whisky aber per Definition ein Brand aus Getreide ist, der mindestens drei Jahre im Holzfass lagern muss, das ein Fassungsvermögen von maximal 700 Litern aufweist, ist“, laut Angela Weis, „vielen nicht bekannt.“

Im Gegensatz zu den schottischen Destillerien, die aus mehreren Tausend Litern Gärbrühe Whisky brennen, erhitzen Thomas Rabel und seine beiden Brennerkollegen deutlich kleinere Mengen auf rund 78 Grad. „Das hat den Vorteil, dass das gesamte Ausgangsprodukt beim Brennen gleichmäßig erhitzt wird und die gesamte Flüssigkeit auf die gleiche Temperatur gebracht wird“, so Rabel. „Die einzelnen Alkoholarten lassen sich sauber voneinander trennen. Übrig bleibt hochwertiger Trinkalkohol.“ Das Resultat weist für Immanuel Gruel deshalb eine höhere Qualität auf. Sie sorge dafür, dass der schwäbische Whisky – anders als sein schottisches Pendant – schneller in die Flasche kommt. „Dank ausgereifter Brenntechnik haben wir nicht mit dem Problem ‚Fuselalkohol‘ zu kämpfen“, bilanziert Gruel. Ein Umstand, der viele Walk-Teilnehmer aufhorchen lässt und eine große Akzeptanz für das schwäbische Qualitätsprodukt erzeugt.

 

Aufgrund der hohen Nachfrage haben die Macher des Schwäbischen Whisky-Walks aktuell den Dämmerungs-Walk ins Leben gerufen. Ein Erlebnis, das an bestimmten Freitagen im Juni, Juli und September von 16 Uhr bis 21.45 Uhr angeboten wird. Der Preis liegt bei 135 Euro pro Person. Das sind 15 Euro mehr als beim Schwäbischen Whisky-Walk. Alle Septembertermine sind bereits ausgebucht. Die Termine für 2017 werden in den nächsten Wochen unter www.schwaebischer-whisky.de bekannt gegeben.

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