Lenninger Tal

Windpark-Gegner formieren sich

Bürgerinitiative Donnstetten kommt für einen Windpark infrage, doch das stößt auf Widerstand in der Bevölkerung. Die Einspruchsfrist läuft noch bis zum 31. Mai. Von Nadine Wilmanns

Die Windpark-Gegner haben zu einem Infoabend in die Festhalle Donnstetten eingeladen, die rappelvoll war. Im Hintergrund ist ein
Die Windpark-Gegner haben zu einem Infoabend in die Festhalle Donnstetten eingeladen, die rappelvoll war. Im Hintergrund ist eine von den Gegnern erstellte Fotomontage zu sehen. Foto: Nadine Wilmanns

Bei einer Info-Veranstaltung in der Donnstetter Festhalle haben die Initiatoren der Interessengemeinschaft „Windkraft mit Verstand“ zum Widerstand gegen einen möglichen Donnstetter Windpark aufgerufen. Vorgesehen sind drei Windräder auf der Gemarkung Stockert zwischen Donnstetten und dem Westerheimer Campingplatz, die vom Bremer Windpark-Unternehmen wpd AG betrieben werden sollen. Die Interessengemeinschaft behauptet, dass die rechtlichen Voraussetzungen für ein solches Vorhaben an diesem Standort nicht erfüllt seien: „Wir wollen den Finger in die Wunde legen und zeigen, dass man an uns nicht einfach so vorbeikommt“, sagt Wilfried Maldoner von der Interessengemeinschaft.

Seit 2015 beschäftigt sich die Gruppe intensiv mit dem Thema. „Wir haben bereits mehr als 400 Unterschriften gesammelt“, sagt Maldoner. Nach dem knapp vierstündigen Informationsabend dürften noch mehr dazugekommen sein. Die Einspruchsfrist gegen die Pläne, ein Gebiet für Windräder auszuweisen, läuft bis zum 31. Mai.

„Wir sind grundsätzlich für regenerative Energien,“ sagt Manfred Dolde von der Interessengemeinschaft. „Wir stehen aber auch für den Schutz der Natur und die Gesundheit der Menschen.“ Daher müsse die Windkraft „mit Verstand eingesetzt“ werden und nicht in Donnstetten, das im europaweiten Durchschnitt überhaupt nicht windreich sei, sagt Hansjörg Jung. Er schreibt einen Blog über Windkraft und findet, dass sich Donnstetten von vornherein wegen relativer Windarmut nicht als Standort eigne. „Die Windmessung ist die Voraussetzung für die Ertragsberechnung eines Windparks und Grundlage für ein Gutachten“, erklärt Jung weiter. Diese Messung und damit die Gutachten seien aber äußerst fehleranfällig.

Walter Müller vom Landesverband Baden-Württembergischer Bürgerinitiativen gegen Windkraft pflichtet Jung bei: „Ein großer Teil der baden-württembergischen Windkraftbetriebe sind wirtschaftlich überhaupt nicht erfolgreich.“

Weitere Angriffspunkte sehen die Donnstetter Windparkgegner etwa in der dichten Besiedlung durch einen streng geschützten Greifvogel, den Rotmilan. Auch laufe ein Wildtier-Korridor durch das betroffene Gebiet, Biotope und ein Wasserschutzwald liegen im potenziellen Windpark-Bereich. Anhand aufwendiger Fotomontagen zeigt Dolde den Interessenten, wie die Windräder im Donnstetter Landschaftsbild aussehen würden. Der Abstand zum Westerheimer Campingplatz betrage weniger als 1 000 Meter, so Dolde. Zu Wohnbebauungen muss in Baden-Württemberg ein Mindestabstand von 1 000 Metern eingehalten werden.

Sorgen macht den Donnstettern der Infraschall, der von den Windrädern ausgehe und der nach Angaben der Gegner gesundheitsschädigend sei. Als hochgefährlich stufen die Windpark-Gegner den potenziellen Eiswurf eines vereisten Windrades ein, außerdem würden im Windrad toxische Öle zum Einsatz kommen, erklärte Dolde, die im Brandfall zum Problem werden könnten. Auch drohe ein Wertverlust der Donnstetter Immobilien und Grundstücke, so Dolde, da viele nicht in die Nähe eines Windparks ziehen möchten.

Hans-Peter Bleher, Vorstand des Luftsportvereins Laichingen, meint außerdem: „Für einen sicheren Flugbetrieb sind Windkrafträder in einem Umkreis von vier bis fünf Kilometern einfach nicht tragbar.“

Bürgermeister Matthias Winter klärte die Versammelten über die verfahrensrechtliche Vorgehensweise auf: Der Regionalverband Neckar-Alb habe über seine Regionalplanung das Gebiet Stockert als möglichen Windpark-Standort ins Auge gefasst. Das heiße erst einmal noch nicht, dass dort auch definitiv Windräder aufgestellt werden, denn zunächst müsse ein Genehmigungsverfahren durchlaufen werden. Grundlage sei ein Gutachten, in dem erst geprüft werde, ob die rechtlichen Voraussetzungen tatsächlich erfüllt sind. Ein Gutachten vom Sommer 2016 sei rechtlich nicht haltbar und könne daher nicht für das Genehmigungsverfahren verwendet werden. „Der Betreiber überlegt daher gerade, ob er überhaupt noch am Standort Stockert festhält, weil dazu ein neues Gutachten erstellt werden müsste und ein großes Fragezeichen über der Genehmigungsfähigkeit steht“, so Winter. Noch gebe es aber keine konkreten Hinweise darauf, dass das Gewann Stockert aus der Regionalplanung herausfällt, so Winter. Er verspricht aber: „Wir werden genau darauf schauen, dass alle Vorgaben eingehalten werden, und wir haben mit dem Landratsamt vereinbart, dass wir ein zweites Gutachten von einem unabhängigen Gutachter noch mal gegenprüfen lassen.“

Lenningen lehnt den Standort ab

Lenningen. Einstimmig hat der Lenninger Gemeinderat abgelehnt, dass die Gemarkung Stockert in Donnstetten als Vorranggebiet für Windkraftanlagen ausgewiesen wird. Damit hat sich das Gremium der Empfehlung des Schopflocher Ortschaftsrates angeschlossen, der seinen Beschluss damit begründet hatte, dass die drei möglichen Windkraftanlagen von mehreren Flächen in Schopfloch aus zu sehen wären.

Nicht ganz nachvollziehen konnte Gemeinderat Dr. Ulrich Jaudas die Argumentation. Schließlich sehe man von Schopfloch aus nur am Horizont ein paar Flügel. Und er bemerkte spitz: „Wenn es keinen Rotmilan gibt, muss man nur eine Windkraftanlage planen, dann ist er da.“ank

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