Lenninger Tal

„Wir glauben an Kunst, die keine Dolmetscher braucht“Interview

Zahra Hasson, Galeriemanagerin der Pashmin Art Gallery in Hamburg, über Rainer Hoffelners Werke und den Kunstmarkt

Die Pashmin Art Gallery aus Hamburg sieht Potenzial im Lenninger Künstler Rainer Hoffelner. Zahra Hasson, Galeriemanagerin und Kunsthistorikerin, spricht über die Werke des Lenningers, seine Chancen und den Kunstmarkt allgemein.

Zahra Hasson
Zahra Hasson

Ihre Galerie glaubt an Rainer Hoffelners internationales künstlerisches Potenzial. Was hat er, was andere nicht haben?

ZAHRA HASSON: Es ist diese Leichtigkeit, das Einfache – kombiniert mit Humor und Witz. Und trotzdem stehen kritische Aussagen dahinter. Dazu kommt, dass die kleinen Figuren eine Art Markenzeichen sind.

Und die sind ab Juli auch in China zu sehen . . .

HASSON: Man findet die Männchen auch in den Arbeiten wieder, die jetzt nach Peking gehen – allerdings nicht so auffällig. In Palm Beach, wo Rainer Hoffelers Bilder Anfang des Jahres auf einer Kunstmesse zu sehen waren, stand vor allem die Kreisform im Mittelpunkt. Bei der Auswahl für Peking sind relativ neue Arbeiten dabei, in denen sich der Künstler auch vom Kreis entfernt und andere Formen und Motive zeigt. Es ist sehr schön, dass er nicht nur eine Nische bedienen kann.

Warum gerade China?

HASSON: Von Anfang an waren wir uns bei der Galerie einig, dass wir Rainer Hoffelners Werke gerne international ausstellen würden. Allerdings sind die internationalen Anfänge immer sehr schwer. Durch die museale Ausstellung in China möchten wir Herrn Hoffelner die Möglichkeit geben, seine Werke auch den chinesischen Liebhabern und Kunstkennern zu präsentieren. Das ist ein Projekt, an dem wir seit über zwei Jahren arbeiten.

Was bedeutet es für einen Künstler, wenn seine Werke in einem Museum hängen?

HASSON: Der museale Charakter ist für jeden Künstler wichtig. Es geht ja nicht nur um das kommerzielle Image, sondern auch darum, ob seine Werke museumswürdig sind. Im Museum stehen die Werke im Mittelpunkt der Gesellschaft und erreichen eine breitere Zielgruppe. Seine Werke können zum Nachdenken animieren und Diskussionsansporn geben. Das ist das besondere an einem Museum. Es ist mehr als nur eine Ausstellung; es ist ein kultureller Treffpunkt.

Kann so etwas den Durchbruch bringen?

HASSON: Das kann ich nicht so einfach beantworten. Es ist wichtig, aktiv, offen und präsent zu sein. Ein Durchbruch kann von heute auf morgen kommen und manchmal Jahre dauern.

Was müssen Künstler heute mitbringen, um sich durchzusetzen?

HASSON: Das Verständnis von Kunst hat sich über Jahre geändert. Gefragt ist globales Denken, das auch kritisch ist. Wer nur Werke produziert, um damit schnell berühmt zu werden, scheitert meist. Die Künstler müssen selbst an ihre Kunst glauben, leidenschaftliche Künstler sein, realistisch bleiben und sich nicht beirren lassen. Rainer Hoffelner verkörpert all das und ist sich treu geblieben.

Was für Kunst ist denn gerade gefragt?

HASSON: Der Kunstmarkt ist unberechenbar. Wir können zwar Künstler auf den Markt bringen – aber der Markt bestimmt selbst, wer dahin gehört und auch dort bleibt. Es gibt sehr viele gute Künstler, aber letztlich entscheiden die Sammler und letztendlich der Kunstmarkt selbst. Kunst braucht keinen Dolmetscher und keine Sprache. Es ist wichtig, mit Kunst Brücken zwischen den Kulturen zu bauen.

 

Die Pashmin Art Gallery ist in Hamburg ansässig und besteht seit 25 Jahren. Sie vertritt zeitgenössische Künstler aus der ganzen Welt und setzt sich für einen Austausch zwischen Kunst und Kultur ein. Der Direktor der Pashmin Art Galerie und Kunstagentur Nour Nouri stammt aus einer Sammlerfamilie.

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