Lenninger Tal

„Wir haben im Sportheim unsere Freizeit verbracht“

Gutenberger Jugendliche trauern ihrem Treffpunkt im Tiefental nach – Bauwagen als mögliche Alternative

Für einige Jugendliche aus Gutenberg war das Sportheim mehr als eine Kneipe. Sie nutzten das von Eduard Prettner bewirtete Haus als regelmäßigen Treffpunkt. Gerne würden sie es als Anlaufstelle wiederbeleben.

„Wir haben im Sportheim unsere Freizeit verbracht“

Die Jugendlichen hätten das Sportheim gern behalten. Jetzt wird über neue Alternativen nachgedacht.

Lenningen. „Public Viewing“ über Sky war im Gutenberger Sportheim nicht nur samstagnachmittags an der Tagesordnung. Auch Tischkicker und Darts übten auf die Jugendlichen eine große Anziehungskraft aus. „Die Jungs hätten das Sportheim gerne gehalten“, sagt Klaus Wittwer. Der Gutenberger hat sich Zeit genommen, um den Austausch der Jugendlichen zu moderieren. Gemeinsam wird überlegt, wie sie sich ein neues Heim für ihre Freizeit vorstellen könnten.

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„Wir brauchen eine Bleibe, damit wir uns treffen können“, betont Wittwers Sohn Oliver. „Wir wollen im Ort bleiben und nicht wegfahren müssen. Beim Sportheim hat alles gepasst.“ Tobias Ehni lobt vor allem, dass es eine Nichtraucher-Kneipe war. „Und wenn man hochgekommen ist, hat man immer jemanden gekannt.“ Sascha Bristle fand es geschickt, dass er jederzeit ins Sportheim gehen konnte. „Jetzt ist man immer auf jemanden angewiesen.“ Auch junge Erwachsene aus anderen Ortschaften trauern dem Vereinsheim nach. So beispielsweise Michael Fischer aus Grabenstetten. Mit einer Art Jugendkreis war er anderthalb Jahre lang nach Gutenberg gekommen, um dort einmal in der Woche auf dem Sportplatz zu trainieren. Dazu gehörte das anschließende Zusammensitzen im Sportheim. Eine Alternative haben die Hobbykicker noch nicht gefunden.

„Wir haben im Sportheim unsere Freizeit gemeinsam verbracht“, sagt der 18-jährige Robin Semsch aus Gutenberg. Früher hat sich die Clique an Bushaltestellen getroffen, doch dort war es eher schwierig. „Viele Leute haben sich angeboten, bei der Sanierung des Sportheims zu helfen“, sagt Robin und weist darauf hin, dass die Freunde verschiedene Handwerksberufe wie Schreiner, Flaschner oder Maurer lernen oder bereits eine abgeschlossene Ausbildung haben. Auch einige Ältere wären bereit zu helfen, um die Sanierungskosten zu drücken.

„Kurzfristig und mit Eigenleistungen könnte man mit 30 000 Euro hinkommen“, meint Ortsvorsteher Dietmar Jauss. Dringend ausgetauscht gehören laut Klaus Wittwer, Chef eines örtlichen Sanitär- und Heizungsbetriebs, die Wasserleitungen. Auch die Dämmung der oberen Geschossdecke hält er für nötig. Das Angebot des 51-Jährigen, das Material zum Selbstkostenpreis zur Verfügung zu stellen, steht nach wie vor. Während er seinen Vorschlag schon länger unterbreitet hatte, kommen die Jugendlichen erst jetzt aus der Deckung. „Dieses Gespräch hätten wir vor einem Jahr führen sollen und nicht nach dem Beschluss des Turnvereins, sich von der Liegenschaft zu trennen“, bedauert Dietmar Jauss, der daran erinnert, dass das Vereinsheim einst eine „Fußballgeschichte“ war und das Haus bereits nach wenigen Jahren auf die Unterstützung durch den Turnverein angewiesen war. Wie Bürgermeister Michael Schlecht pocht er auf ein Konzept und bietet an, bei möglichen Gesprächen mit dem Rathauschef dazuzukommen.

Wie das Sportheim konkret betrieben und der Unterhalt finanziert werden könnte, ist den Jugendlichen allerdings nicht klar. Die Ideen reichen von der Bewirtschaftung in Eigenregie mit wechselnden Diensten bis zum Kulturzentrum, doch setzen die Jugendlichen selbst große Fragezeichen hinter die dauerhafte Finanzierung. „Heizöl und Strom müssen bezahlt werden“, gibt Johannes Bächtle zu bedenken.

Als Alternative für zwanglose Treffen kommt das Aufstellen eines Bauwagens ins Spiel. „Ich gehöre nicht zu denen, die sagen, das hat vor 20 Jahren nicht geklappt, also kann es jetzt auch nicht gehen“, sagt Dietmar Jauss. Dass man in Gutenberg einen Platz finden würde, steht für ihn außer Frage. Hermann Wolfer, ein Gutenberger Bürger, der als Außenstehender dazugekommen ist, würde dennoch gerne am Sportheim festhalten. Es sei als Selbstläufer aufgebaut worden und habe die Gemeinde nichts gekostet. Ein Bauwagen eigne sich zudem nicht zum Dartsspielen.

Chance für den Ort

Der TV Gutenberg hatte es sich nicht leicht gemacht, sich von seinem Sportheim zu trennen, das alte Vereinskämpen einst mühevoll aufgebaut hatten. Doch ein neues Vorstandsteam fand sich im Sommer vergangenen Jahres nur unter der Vorgabe, den Zuschussbetrieb Sportheim aufzugeben. Obwohl sich die Entscheidung lange angebahnt hatte, verschlossen die Besucher, darunter zahlreiche junge Leute, die Augen vor der Realität. Als Ende Januar das Vereinsheim wie angekündigt dicht gemacht wurde, kam für manche erst das Erwachen. Durchaus nachvollziehbar ist, dass sie das Sportheim gerne wieder als Treffpunkt beleben würden. Doch damit sind Kosten verbunden. Die Sanierung ist das Eine, der laufende Unterhalt das Andere. Dass weder der Turnverein noch die Gemeinde eine Gaststätte finanzieren können, versteht sich von selbst.

Das idyllisch gelegene Sportheim war insbesondere für seine jüngeren Besucher mehr als eine Kneipe. Möglichkeiten, sich ungezwungen zu treffen, gibt es in Gutenberg derzeit nicht, der Spielplatz ist in die Jahre gekommen. Warum deshalb nicht mehrere Fliegen mit einer Klappe schlagen? Die Idee, auf den Freiflächen im Tiefental eine Attraktion zu installieren, die sowohl für Einheimische als auch auswärtige Gäste eine Anlaufstelle in der Freizeit wäre, hat Charme. Die unweit gelegenen Höhlen ließen sich gut einbinden, wie das Beispiel Laichinger Tiefenhöhle zeigt, wo seit Jahren ein Spielplatz mit Grillstelle sowie ein Kletterwald locken und auch eine kleine Gastronomie angesiedelt ist. Die Ursprungsidee eines Niedrigseilgartens scheint daher gar nicht so verkehrt. Mit dem Sportheim ein Paket zu schnüren, leuchtet ein. Eingebunden in ein größeres Konzept, könnte es auch Gutenbergern die Chance bieten, sich gemütlich bei Kaffee und Kuchen oder auf ein Glas Bier zu treffen.