Lenninger Tal

„Wir haben sehr viel Pionierarbeit geleistet"

Schulleiterin Regina Bönisch zieht nach zwei Jahren positive Bilanz – Die Wendlinger Gemeinschaftsschule ist auf einem Erfolgskurs

Nach anfänglicher Skepsis ist die Gemeinschaftsschule an der Ludwig-Uhland-Schule in Wendlingen sehr gefragt. Die Rektorin zieht eine positive Bilanz.

Wendlingen. Eltern und Lehrer sind nach den Worten der Schulleiterin Regina Bönisch „sehr engagiert und motiviert“ und es herrsche eine ruhige und intensive Arbeitsatmosphäre. Die Nachfrage übersteigt alle Erwartungen. Der Erfolg schlägt sich in den Anmeldungen nieder. „Wir bekommen Platzprobleme, sind aber nicht bereit, nochmals baulich nachzulegen“, sagte Wendlingens Bürgermeister Steffen Weigel in der Sitzung des Gemeinderats. „Wir haben sehr viel Pionierarbeit geleistet“, ergänzte Regina Bönisch. Nach zwei Jahren intensiver Vorbereitungszeit und weiteren zwei Jahren seit der Einrichtung einer Gemeinschaftsschule zog die Schulleiterin der Ludwig-Uhland-Schule nun Bilanz. Man habe damals zu den Starterschulen gehört und Neuland betreten. Einige Eltern seien zunächst skeptisch und verunsichert gewesen. Inzwischen hat sich nach Bönischs Ansicht jedoch „eine intensive und regelmäßige Zusammenarbeit entwickelt“.

Eltern und auch Lehrer, die von der Teamarbeit profitieren, seien extrem engagiert und motiviert. Auch die Schüler, die entsprechend ihrer individuellen Bildungsbegabung gefördert werden, profitieren. Jedem Schüler steht ein Lern-Coach zur Seite. Gelernt wird auf drei verschiedenen Niveaustufen. Es gibt der Schulleiterin zufolge zwar noch einen Klassenverband und auch Frontalunterricht. Kernstück der Gemeinschaftsschule sei aber das Lernbüro, in dem jeder an seinem individuellen Lernpaket arbeite. „Das erfordert ein hohes Maß an Selbstständigkeit“, meinte Bönisch.

Statt Noten gibt es einen Lernentwicklungsbericht, in dem sehr differenziert auf die einzelnen Kompetenzen der Schüler eingegangen werde. 150 Schüler besuchen derzeit die Gemeinschaftsschule. Bisher hat Bönisch zufolge noch kein Elternteil den Wunsch nach einer Benotung geäußert. Denn das wäre grundsätzlich möglich. Inzwischen wurden auch Schüler mit Handicap aufgenommen. Das fördere die Toleranz. Neben Sonderpädagogen arbeiten Lehrer aller drei Schularten an der Gemeinschaftsschule. Diese sei jedoch „kein Allheilmittel und auch nicht für jeden Schüler geeignet“. Dennoch sei die Gemeinschaftsschule sehr gefragt.

Hospitanten aus dem Großraum Stuttgart, seien es Studenten, Lehrer oder Psychologen, würden sich die Klinke in die Hand geben. Die Lernkultur habe sich deutlich sichtbar verändert, lautet Bönischs Fazit.

Dies bestätigte Grünen-Stadträtin Ursula Vaas-Hochradl, die aus Interesse am Unterricht teilgenommen hat. Sie sei von der ruhigen und intensiven Arbeitsatmosphäre in den Lernbüros fasziniert gewesen. Mit 58 Schülern war man im ersten Jahr gestartet, im zweiten gab es 93 Anmeldungen und für das neue Schuljahr wollen 77 Eltern aus Wendlingen und Umgebung ihre Sprösslinge auf die Gemeinschaftsschule schicken. „Wir bekommen Platzprobleme, wenn nochmals drei Eingangsklassen eingerichtet werden“, sagte Bürgermeister Weigel. Und die Stadt wolle nicht noch einmal baulich zulegen. „Kann eine Kommune zur Aufnahme von Schülern in die Gemeinschaftsschule zwangsverpflichtet werden?“ Diese Frage muss Weigel zufolge noch geklärt werden. Zurzeit gebe es im Schulbezirk anscheinend zu wenige Plätze. Dass eine große Kreisstadt wie Nürtingen keine Gemeinschaftsschule habe, dürfe nicht auf dem Rücken von Wendlingen ausgetragen werden. Weigel lehnte auch den Wunsch der Eltern aus den umliegenden Kommunen nach einer besseren Busverbindung zur Ludwig-Uhland-Schule ab. Das sei Sache des Kreises.

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