Lenninger Tal

„Wir müssen eine Marke entwickeln“

Zwischenbilanz Die Wirtschafts- und Tourismusförderin für Erkenbrechtsweiler, Owen und Lenningen, Eileen Gerstner, hat in den ersten Monaten das Netzwerken in den Vordergrund gestellt. Von Anke Kirsammer

Eileen Gerstner tourt derzeit durchs Lenninger Tal und über die Alb, um die Region kennenzulernen und zu erfahren, wie die Leute
Eileen Gerstner tourt derzeit durchs Lenninger Tal und über die Alb, um die Region kennenzulernen und zu erfahren, wie die Leute ticken. Foto: Carsten Riedl

Einen naturnahen Tourismus zum Laufen bringen und der Wirtschaft auf die Beine helfen - das sind zwei Ziele, die Erkenbrechtsweiler, Owen und Lenningen mit Eileen Gerstner verfolgen. Die Wirtschafts- und Tourismusförderin hat im Juni ihre Arbeit aufgenommen. - Zeit, eine Zwischenbilanz zu ziehen. Die ersten Monate waren geprägt von Gesprächen mit Unternehmern, aber auch mit Touristikern, Organisationen, schlichtweg mit den Menschen vor Ort. Der Wunsch ist, eine Marke zu entwickeln. „Am Schluss soll ein großes Ganzes entstehen“, sagt sie. Es gehe darum, sich zu positionieren und stärker als Region wahrgenommen zu werden.

Ein Ergebnis kann Eileen Gers­tner bereits präsentieren, wirkte sie doch als Ansprechpartnerin der Gemeinde Lenningen bei den „Hochgehbergen“ mit. Mittlerweile sind die Premiumwanderwege mit so klangvollen Namen wie „hochgehadelt“, „hochgehlegen“ oder „hochgehkeltert“ ausgeschildert und verlocken dazu, die Wanderstiefel zu schnüren.

Im Herbst oder Winter soll gemäß der Wirtschafts- und Tourismusförderin eine Ausbildungs- oder Jobmesse stattfinden. Es geht darum, Firmen als Arbeitgeber ins Bewusstsein zu rücken und den Austausch zu ermöglichen. Schulen könnten ins Boot geholt und die Attraktivität des Handwerks und anderer Ausbildungsbetriebe herausgestellt werden. Kontakt mit dem Handels- und Gewerbeverein Teck, der eine Berufsrallye plant, hat Eileen Gerstner schon aufgenommen.

Touristen gegenüber aufgeschlossen zu sein, heißt für sie auch, Gäste zu beherbergen. Potenzial bietet dafür der große Leerstand an Wohnungen. Bei einem Infoabend rund um das Thema Ferienwohnungen möchte die Fachfrau offene Fragen aus dem Weg räumen. Dabei soll es um Rechtliches gehen, sie will Förder- und Vermarktungsmöglichkeiten aufzeigen, und Besitzer von Ferienwohnungen von ihren Erfahrungen berichten lassen.

Geplant ist, Direktvermarkter einzubinden. „Voller Kühlschrank“ heißt der Titel, den Eileen Gerstner für das Projekt gewählt hat. Gäste von Ferienwohnungen könnten damit Produkte aus Hofläden dazubuchen. Eine weitere Idee ist, eine informative Begleitbroschüre aufzulegen. Auch wenn sie sich im Klaren darüber ist, dass die Standortsuche nicht einfach wird: Zur Komplettierung einer touristischen Infrastruktur mit einer vielfältigen Gastgeberlandschaft kann sich Eileen Gerst- ner auch Wohnmobilstellplätze vorstellen.

Der Lenninger Gemeinderat Falk Kazmaier wollte wissen, ob Eileen Gerstner in die Organisation der geplatzten Lenninger Gewerbeschau involviert gewesen sei. Zusammen mit Bürgermeister Michael Schlecht hatte sie ein Unterstützerschreiben verfasst. „Ich hätte das Konzept erstellen können“, erklärte die Wirtschafts- und Tourismusförderin. Sie hofft nun darauf, dass der Markenentwicklungsprozess für einen erneuten Anlauf die Grundlage liefert. Auch Bürgermeister Michael Schlecht bedauert die mangelnde Resonanz und setzt darauf, dass die Gemeinsamkeit künftig im Vordergrund steht. Die Gemeinde hätte sich auch finanziell beteiligt. Vielleicht könnte die Gewerbeschau auch wandern und mal in Erkenbrechtsweiler, mal in Owen und mal in Lenningen stattfinden, so der Vorschlag. Karl Boßler hält es für wichtig, nicht nur die Produkte der Unternehmen in den Fokus zu rücken: „Fachkräftemangel haben die alle“, betonte er.

Armin Diez erkundigte sich danach, ob das Technikum Laubholz ein Betätigungsfeld für Eileen Gerstner werden könnte. Derzeit sei die Gemeinde noch in einer Warteposition, gab Michael Schlecht zu bedenken. Dass sich die Wirtschaftsförderin dort einbringt, steht für ihn aber außer Frage. „Sie muss sich um den Branchenmix kümmern. „Das ist klassische Wirtschaftsförderung“, so der Lenninger Rathauschef.

Wanderer nutzen Ferienwohnungen

In Lenningen, Owen und Erkenbrechtsweiler gibt es nach einer Erhebung von Eileen Gerstner derzeit insgesamt 24 Ferienwohnungen. 40 Prozent werden von Monteuren genutzt. Es kommen aber auch junge Pärchen und Familien. Viele Gäste sind Wanderer. „Sie schätzen, dass die Einstiege für die Wege hier vor der Haustür liegen“, so die Wirtschafts- und Tourismusförderin. Außerdem nutzen sie die Möglichkeit, mit dem Auto relativ zügig beispielsweise nach Stuttgart, Reutlingen oder Ulm zu kommen. Die Gäste loben die Einrichtung, bedauern aber, dass die Wohnungen im Internet schwer zu finden sind. So stehen sie auch nicht auf der Homepage der Gemeinde.

Umstritten ist das Thema im Lenninger Gemeinderat: Manche Ferienwohnung könnte auch dem Mietmarkt zur Verfügung stehen, meint Bürgermeister Michael Schlecht. Er ist weniger am Tourismus als an Arbeitsplätzen interessiert. Komme das Technikum Laubholz, müssten die Beschäftigten auch in der Gemeinde wohnen können. Für Karl Boßler ist Tourismusförderung auch Wirtschaftsförderung. „Nur von den Einheimischen können die meisten Gaststätten nicht leben“, sagt er. Er spricht sich dafür aus, in einem bestimmten Rahmen auch auf Ferienwohnungen zu setzen.ank

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