Lenninger Tal

Wo bitte geht’s in die Zukunft?

Ausflugstipp Zum Schauen, Nachdenken und Spazierengehen: Das Kunstforum St. Johann zeigt am Alblabyrinth bei Bleichstetten eine sehenswerte Winterausstellung unter freiem Himmel. Von Kathrin Kipp

Die fünf ausstellenden Künstler vor dem „Traumbaum“ im Alblabyrinth.Foto: Kathrin Kipp
Die fünf ausstellenden Künstler vor dem „Traumbaum“ im Alblabyrinth.Foto: Kathrin Kipp

Damit die Kunstwerke und Skulpturen künftig bei Bleichstetten noch besser verankert sind, hat das Kunstforum Sankt Johann nun in der Wiese rund um das Alblabyrinth zwölf Bodenhülsen fest installiert.

Bunt und vielseitig empfängt einen nun die dortige Kunst- und Labyrinth-Wiese: fünf zeitkritische Skulpturen und Bilder für Zufallsbesucher, Spaziergänger und Open-Air-Kunstfans.

Und wie immer sind die Arbeiten der ganz besonderen Atmosphäre, dem rauen Albwind, den wechselnden Lichtverhältnissen, Schnee, Raureif und Regen ausgesetzt und verändern so von Tag zu Tag ihr Aussehen, auch wenn sie jetzt noch standhaft im Boden verankert sind.

Zwölf fest installierte Bodenhülsen ermöglichen es, nun einfacher Wechselausstellungen auf der Wiese hinter Bleichstetten veranstalten zu können. Die Bodenhülsen wurden über einen halben Meter in den Kalk-Boden gebohrt und mit Kalksplit und Sand befestigt.

In diese Hülsen können nun sechs Zentimeter dicke Stahlrohre gesteckt werden, an denen dann Skulpturen befestigt werden. Zur Einweihung der Bodenhülsen stellen nun fünf Künstler ihre eigens für die Winterausstellung angefertigten Arbeiten aus.

Dr. Inge Dieterich aus Traifelberg setzt mit ihren Acrylbildern auf Acrylglas „Farbkleckse in die Natur“: Ein nicht gegenständliches Spiel mit Farben, Flächen und Formen, „zwischen Ernst und Heiterkeit.“

Als ebenso verspielt erweisen sich die Traumfänger an Ingrid Wolfs „Baum Traum – Traum-Baum“. Sie hat sich in das Leben eines 400 Jahre alten Eichenbalkens aus einem abgerissenen Haus hineingefühlt, ihn wieder aufrecht gestellt, daran Traumfänger und Antenne befestigt und sich überlegt, von was der Baum wohl all die Jahre geträumt haben mag.

Der Frankfurter Clemens Fischer wiederum hat einen gold-lackierten Baum mit rostiger Kuhtränke gepflanzt, samt Wasserschlauch, der sich um den Stamm schlängelt.

Rainer Kemmler beschäftigt sich ebenfalls mit den Folgen von Technologisierung und Globalisierung. Er hat ein Aluminium-Schrottstück einer Boeing zu einem „Wegweiser Zukunft“ umfunktioniert – als „Ausdruck der momentanen Gesellschaftssituation“, die alles andere als glänzend sei, sondern vielmehr „marode und angeschlagen“. Der Globalisierungspfeil zeigt deshalb stramm nach rechts, während der Demokratiepfeil in die gegenteilige Richtung zeigt.

Mindestens genauso gefräßig wie einige Global Player zeigte sich schon der Minotaurus in der griechischen Mythologie, den Dr. Klaus Dieterich in Nachbarschaft zum Labyrinth aufgestellt hat. Er hat aus einer Siebdruckplatte einen Stierkopf auf menschlicher Basis angefertigt. Der Minotaurus hat in seinem Labyrinth jährlich sieben Jünglinge und sieben Jungfrauen verspeist, wurde aber letztlich von Theseus und Ariadne besiegt.

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